Ketubbot — Blatt 112a

1wie von Mikhse bis zur Burg Tulbanqi, eine Länge von zweiundzwanzig Parasangen und eine Breite von sechs Parasangen.

2Einst trafen R. Ḥelbo, R. A͑vira und R. Jose b. R. Ḥanina in einer Ortschaft ein, und man setzte ihnen einen Pfirsich vor, groß wie eine Schüssel von Kephar Hino. – Wie groß ist eine Schüssel von Kephar Hino? – Fünf Sea. Ein Drittel aßen sie, ein Drittel gaben sie preis und ein Drittel verabreichten sie ihrem Vieh.

3Im folgenden Jahre traf da R. Elea͑zar ein, und man setzte ihm einen vor; da nahm er ihn in die Handund sprach :fruchtbares Land zu Salzboden, ob der Bosheit seiner Bewohner.

4Einst traf R. Jehošua͑ b. Levi in Gabla ein und sah Reben, die wie Kälber lagen. Da rief er: Kälber zwischen den Weinstöcken! Man erwiderte ihm: Es sind Reben. Hierauf sprach er: Land, Land, ziehe deine Früchte ein ; für wen bringst du deine Früchte hervor? Für diese Nichtjuden, die ob unserer Sünden über uns herfielen.

5Im folgenden Jahre traf da R. Ḥija ein und sah sie wie Ziegen liegen. Da rief er: Ziegen zwischen den Weinstöcken! Hierauf sprachen jene zu ihm: Geh, handle an uns nicht wie dein Genosse.

6Die Rabbanan lehrten: Im Jisraéllande bringt zur Zeit seines Segens eine Seaflache fünf Myriaden Kor; in Çoa͑n bringt zur Zeit seiner Besiedelung eine Seafläche siebzig Kor.

7Es wird nämlich gelehrt: R. Meír sagte: Ich sah in der Ebene von Beth Šeaneine Seafläche siebzig Kor hervorbringen. Du hast unter den Ländern kein fruchtbareres als das Land Miçrajim, wie es heißt :wie der Garten des Herrn, wie das Land Miçrajim; und du hast im ganzen Lande Miçrajim nichts fruchtbareres als Çoa͑n, da Könige erzogen wurden, wie es heißt :denn zu Çoa͑n waren seine Fürsten ; ferner hast du nirgends im ganzen Jisraéllande mehr Felsboden als in Ḥebron, weshalb man da auch die Toten begrub,

8dennoch war Ḥebron siebenmal besser als Çoa͑n bebaut. Es heißt nämlich: Ḥebron war sieben Jahre vor Çoa͑n in Miçrajim erbaut worden. Was heißt erbaut worden: wollte man sagen, wirklich erbaut worden, so ist ja nicht anzunehmen, daß jemand seinem jüngeren Sohne früher ein Haus baut als seinem älterenSohne, denn es heißt:und die Söhne Ḥams waren Kuš, Miçrajim, Puḥ und Kenaa͑n.

9Vielmehr war es siebenmal besser als Çoa͑n bebaut. Diesnur auf felsigem Boden, auf nichtfelsigem Boden aber fünfhundert,

10und ferner nur zur ungesegneten [Zeit], von der gesegneten aber heißt es:und Jiçḥaq säete in diesem Lande &c.

11Es wird gelehrt: R. Jose sagte: Eine Sea brachte in Judäa fünf Sea: eine Sea Staubmehl, eine Sea Feinmehl, eine Sea Kleie, eine Sea Grobkleie und eine Sea Grobmehl. Ein Minaer sprach zu R. Ḥanina: Füglich lobt ihr euer Land. Mein Vater hinterließ mir eine Seafläche; von dieser Öl, von dieser Wein, von dieser Getreide, von dieser Hülsenfrüchte und auf dieser weidet mein Vieh.

12Ein Emoriter sprach zu einem Einwohner des Jisraéllandes : Wieviel erntet ihr von dieser Dattelpalme, die da am Ufer des Jardens steht? Dieser erwiderte: Sechzig Kor. Jener entgegnete: Ihr habt nichts besonderes erreicht, sie nur zerstört; wir ernteten von dieser hundertundzwanzig Kor. Da sprach dieser: Auch ich meine es nur von einer Seite.

13R. Ḥisda sagte: Es heißt:ich will dir ein anmutiges Land geben, einen Erbhesitz der Zierde [çebi]. Weshalb wird das Jisraélland mit einer Gazelle [çebi] verglichen? Um dir zu sagen: wie das Fell der Gazelle ihr Fleischnicht faßt, ebenso faßt das Jisraélland seine Früchte nicht. Eine andere Auslegung: Wie die Gazelle das schnellste unter allen Tieren ist, ebenso ist dajs Jisraélland das schnellste unter allen Ländern, seine Früchte zu reifen.

14Demnach, sollte man glauben, sei, wie die Gazelle schnell, ihr Fleisch aber nicht fett ist, auch das Jisraélland schnell mit der Reife, seine Früchte aber nicht fett, so heißt es:das von Milch und Honig fließt, fetter als Milch und süßer als Honig.

15Als R. Elea͑zar nach dem Jisraéllande hinaufzog, sprach er: Einembin ich entronnen. Als man ihn ordinierte, sprach er: Nun bin ich zweien entronnen. Als man ihn in das Geheimnis der Kalenderkunde einweihte, sprach er: Nun bin ich dreien entronnen.

16Es heißt nämlich:und meine Hand wird sein gegen die Propheten, die Falsches schauen &c. Im geheimen Rat meines Volkes sollen sie nicht sein, das ist das Geheimnis der Kalenderkunde: und im Verzeichnisse des Hauses Jisraél sollen sie nicht verzeichnet sein, das ist die Ordination; und auf den Boden Jisraéls sollen sie nicht kommen, dem Wortlaute gemäß.

17Als R. Zera nach dem Jisraéllande hinaufzog, fand er keine Fähre, um über [das Wasser] zu kommen; da erfaßte er die Leineund ging hinüber. Da sprach ein Minäer zu ihm: Übereiltes Volk, das mit dem Munde schnellerist als mit den Ohren; noch immer befindet ihr euch in eurer Überstürzung. Dieser erwiderte: Ein Ort, der nicht einmal Moše und Ahron beschieden war, wer sagt, daß er mir beschieden ist!?

18R. Abba küßte die Felsen von A͑kko ; R. Ḥanina besserte die Unebenheiten desselben aus; R. Ami und R. Asi

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.