Ketubbot — Blatt 111b

1gelehnt stehen als ungelehnt sitzen.

2Ferner sagtensie : Jiçḥaq, Šimo͑n und Ošaja lehrten das gleiche, die Halakha sei wie R. Jehuda hinsichtlich der Maultiere. Es wird nämlich gelehrt : R. Jehuda sagte : Wenn ein Maultier brünstig ist, so darf man es weder von einem Pferde noch von einem Esel bespringen lassen, sondern nur von seiner Art.

3R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Dieser Jiçḥaq ist R. Jiçḥaq der Schmied; dieser Šimo͑n ist R. Šimo͑n b. Pazi, manche sagen, Reš Laqiš, und dieser Ošaja ist R. Ošaja b. Rabbi.

4R. Elea͑zar sagte : Die Leute aus dem gemeinen Volkewerden nicht auferstehen, denn es heißt :die Toten werden nicht aufleben &c. Desgleichen wird gelehrt: die Toten werden nicht anflehen, man könnte glauben, dies gelte von allen, so heißt es:die Schlaffen nicht auferstehen, die Schrift spricht von denen, die bei den Worten der Tora schlaff sind.

5R. Joḥanan sprach zu ihm : Es ist ihrem Herrn nicht recht, daß du es von ihnen sagst; dieser [Schriftvers] spricht von denen, die beim Götzendienste schlaff sind. Jener erwiderte: Ich lege einen anderen Schriftvers aus; es heißt:denn ein Pflanzentau ist dein Tau, zur Erde wirfst du Schlaffe nieder; wer sich des Lichtes der Tora bedient, den belebt das Licht der Tora, und wer sich des Lichtes der Tora nicht bedient, den belebt das Licht der Tora nicht.

6Als er aber sah, wie er sich grämte, sprach er: Meister, ich fand für sie in der Tora ein Mittel. [Es heißt :]ihr aber, die ihr euch dem Herrn, eurem Gott, anschließt, lebt heute alle. Ist es denn möglich, sich der Göttlichkeit anzuschließen, es heißt ja:denn der Herr, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer!?

7Vielmehr, wer seine Tochter an einen Schriftgelehrten verheiratet, Schriftgelehrten die Geschäfte besorgt und Schriftgelehrte von seinem Vermögen genießen läßt, dem rechnet es die Schrift an, als würde er sich der Göttlichkeit anschließen.

8Desgleichen heißt es:den Herrn, deinen Gott, zu lieben &c. und sich ihm anzuschließen. Ist es denn einem Menschen möglich, sich der Göttlichkeit anzuschließen!? Vielmehr, wer seine Tochter an einen Schriftgelehrten verheiratet, Schriftgelehrten die Geschäfte besorgt und Schriftgelehrte von seinem Vermögen genießen läßt, dem rechnet es die Schrift an, als würde er sich der Göttlichkeit anschließen.

9R. Ḥija b. Joseph sagte: Die Frommen werden dereinst in Jerušalem aufsprossen und emporsteigen, denn es heißt :sie sprossen hervor aus der Stadt wie das Gras der Erde, und unter Stadt ist Jerušalem zu verstehen, wie es heißt:ich werde diese Stadt schirmen.

10Ferner sagte R. Ḥija b. Joseph: Dereinst werden die Frommen mit ihren Gewändern auferstehen. Dies ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere, von einem Weizenkorn, zu folgern: wenn ein Weizenkorn, das nackt begraben wird, mit vielen Gewändern hervorkommt, um wieviel mehr die Frommen, die in ihren Gewändern begraben werden.

11Ferner sagte R. Ḥija b. Joseph: Dereinst wird das Jisraélland Kuchen und milesische Gewänder [fertig] hervorbringen, denn es heißt :es sei eine Fülle des Getreides im Lande.

12Die Rabbanan lehrten: Es sei eine Fülle des Getreides im Lande, auf dem Gipfel der Berge. Sie sagten: Dereinst wird das Weizenkorn gleich einer Dattelpalme zum Gipfel der Berge emporsteigen. Vielleicht glaubst du, es werde beschwerlich sein, es zu mähen, so heißt es:es rauscht wie der Lebanon seine Frucht; der Heilige, gepriesen sei er, wird aus seiner Schatzkammer einen Wind entfesseln, der sein Feinmehl lösen wird; jedermann wird dann aufs Feld gehen und volle Handteller heimbringen, zu seiner Verpflegung und zur Verpflegung seiner Hausleute.

13Samt des Weizens Nierenfett. Sie sagten: Dereinst wird ein Weizenkorn beiden Nieren eines großen Ochsen gleichen. Dies wundere dich nicht: ein Fuchs horstete einst in einer Rübe, und als man sie wog, hatte sie noch sechzig Litra, nach der Litra von Sepphoris gerechnet.

14Es wird gelehrt: R. Joseph erzählte: Einst hinterließ einem in Šiḥin sein Vater drei Senfstengel, und als einer von ihnen abplatzte, fand man darin neun Kab Senf, und mit dem Holze überdachte man eine Töpferhütte. R. Šimo͑n b. Taḥlipha erzählte : Unser Vater hinterließ uns einen Kohlstrunk, auf dem wir auf- und abstiegen, wie auf einer Leiter.

15Und Traubenblut trinkst du schäumend. Sie sagten: Nicht wie diese Welt ist die zukünftige Welt; in dieser Welt muß man sich quälen, [den Wein] zu lesen und zu treten, in der zukünftigen Welt aber wird man eine einzige Traube auf einem Wagen oder einem Kahne holen, sie in einen Winkel des Hauses legen und daraus wie aus einem großen Fasse brauchen; das Holz davon wird man unter dem Kochtopfe brennen. Du hast keine einzige Traube, die nicht dreißig MaßWein faßt, denn es heißt: und Traubenblut trinkst du schäumend, und man lese nicht ḥamer [schäumend], sondern ḥomer.

16Als R. Dimi kam, trug er vor : Es heißt :der da bindet an den Weinstock sein Füllen [i͑ro]; du hast keinen einzigen Weinstock im Jisraéllande, zu dessen Ernte nicht eine [ganze] Stadt [i͑r] nötig wäre.Und zu seiner Rebe das Junge seiner Eselin; du hast keinen leeren Baum im Jisraéllande, der nicht eine Last für zwei Eselinnentrüge. Vielleicht glaubst du, es sei kein Wein darin, so heißt es: er wäscht in Wein sein Kleid. Vielleicht glaubst du, er sei nicht rot, so heißt es:und in Traubenblut.

17Vielleicht glaubst du, er berausche nicht, so heißt es: Gewand. Vielleicht glaubst du, er habe keinen Geschmack, so heißt es:die Augen von Wein gerötet, jeder Gaumen, der ihn kostet, ruft: mir, mir. Vielleicht glaubst du, er sei nur Jungen zuträglich, Alten aber nicht zuträglich, so heißt es:weiß die Zähne von Milch, und man lese nicht leben šinajim [weiß die Zähne] sondern leben šanim [dem Angejahrten]. –

18Worauf bezieht sich der Schriftvers nach seinem einfachen Sinne? – Als R. Dimi kam, sagte er: Die Gemeinde Jisraél sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, zwinkeremir mit deinen Augen, süßer als Wein, und zeige mir deine Zähne, süßer als Milch.

19Dies ist eine Stütze für R. Joḥanan, denn R. Joḥanan sagte: Wer seinem Nächsten die weißen Zähne[zeigt], tut mehr, als gäbe er ihm Milch zu trinken, denn es heißt: weiß die Zähne von Milch, und man lese nicht leben šinajim [weiß die Zähne] sondern lebon šinajim [weiße die Zähne].

20R. Ḥija b. Ada war der Kinderlehrer des Reš Laqiš; einst blieb er aus und kam drei Tage nicht. Als er kam, fragte ihn dieser, weshalb er ausblieb.

21Jener erwiderte: Mein Vater hinterließ mir einen Spalierweinstock; am ersten Tage winzerte ich von diesem dreihundert Reben, eine Rebe ein Maß, am zweiten Tag winzerte ich dreihundert Reben, zwei Reben ein Maß, am dritten Tage winzerte ich dreihundert Reben, drei Reben ein Maß, und mehr als die Hälfte gab ich preis. Da sprach er : Wärest du nicht ausgeblieben, würde er noch mehr gebracht haben.

22Einst kam Rami b. Jeḥezqel nach Rene Beraq und sah Ziegen unter Feigenbäumen weiden; von den Feigen troff Honig und Milch von jenen, sodaß sie sich mit einander vermengten. Da sprach er: Das ist [das Land, wo] Milch und Honig fließt.

23R. Ja͑qob b. Dostaj erzählte: Von Lud nach Ono sind drei Mil; einst brach ich frühmorgens auf und ging bis zu den Knöcheln in Feigenhonig. Reš Laqiš erzählte: Ich sah das Fließen von Milch und Honig in Sepphoris; es waren sechzehn zu sechzehn Mil. Rabba b. Bar Ḥana erzählte: Ich sah das Fließen von Milch und Honig des ganzen Jisraéllandes,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.