Ketubbot — Blatt 62a
1Wieviel ist das übliche? Rabh sagte, einen Monat hier und einen Monat daheim, denn es heißt: in allen Angelegenheiten der Abteilungen, der zuziehenden und der abziehenden, Monat für Monat in allen Monaten des Jahres. R. Joḥanan sagte, einen Monat hier und zwei Monate daheim, denn es heißt:einen Monat waren sie auf dem Lebanon und zwei Monate daheim. –
2Weshalb entnimmt es Rabh nicht aus diesem? – Anders verhielt es sich beim Bau des Tempels, der auch durch andere erfolgen konnte. – Weshalb folgert es R. Joḥanan nicht aus jenem? – Anders verhielt es sich da, wo es mit einem Gewinne verbunden war.
3Rabh sagte: Ein Seufzer zerbricht den halben Körper des Menschen, denn es heißt:und du, Menschensohn, seufze, daß die Lendenbrechen, und mit Bitternis seufze. R. Joḥanan sagte: Sogar den ganzen Körper des Menschen, denn es heißt:und wenn sie zu dir sprechen: weshalb seufzest du, so sprich: wegen des Gerüchtes, daß es kommt, und schmelzen wird jedes Herz und schlaff werden alle Hände und ermatten aller Mut und alle Kniee zerfließen im Wasser. –
4Wie [erklärt] R. Joḥanan die Worte: daß die Lenden brechen!? – Diese besagen, daß es mit den Lenden beginnt. – Wie [erklärt] Rabh die Worte: schmelzen wird jedes Herz und schlaff werden alle Hände und ermatten aller Mut? – Anders verhielt es sich bei der Kunde über den Tempel, die sehr vehement war.
5Einst gingen ein Jisraélit und ein Nichtjude beisammen einen Weg, und der Nichtjude konnte mit dem Jisraéliten nicht Schritt halten. Da erinnerte er ihn an die Zerstörung des Tempels, worüber dieser seufzte und stöhnte, aber dennoch konnte der Nichtjude mit ihm nicht Schritt halten. Hierauf sprach er zu ihm: Sagt ihr nicht, ein Seufzer zerbreche den halben Körper des Menschen? Jener erwiderte: Dies gilt von einem neuen [Leide], nicht aber von diesem, woran wir schon gewöhnt sind. Die Leute pflegen nämlich zu sagen: Ist sie des Kinderverlierens gewöhnt, so erschrickt sie nicht.
6MÜSSIGGÄNGER TÄGLICH. Wer heißt Müßiggänger? Raba erwiderte: Die Besucherder Vorträge. Abajje sprach zu ihm: Von diesen heißt es: umsonst, daß ihr früh aufstehet, spät noch sitzet, die ihr Brot der Mühsal esset, das gibt er seinem Liebling im Schlafe, und hierzu sagte R. Jiçḥaq, dasseien die Frauen der Schriftgelehrten, die in dieser Welt den Schlaf von ihren Augen scheuchenund darob der zukünftigen Welt teilhaftig werden, und du sagst, es seien die Besucher der Vorträge!
7Vielmehr, sagte Abajje, ist dies nach Rabh zu erklären, denn Rabh sagte: beispielsweise R. Šemuél b. Šilath, der seines ißt, seines trinkt, im Schatten seines Hauses schläft, und an dessen Tür nie ein Beamter des Königs vorübergeht. Als Rabin kam, sagte er: beispielsweise die Genießer des Westens.
8Einst stand R. Abahu im Badehause auf zwei Sklaven gestützt, und der Boden brach unter ihm zusammen; da stieß er auf einen Balken, an dem er heraufkletterte, jene mit sich heraufziehend. [Einst ging R. Joḥanan die Treppe hinauf, und R. Ami und R. Asi stützten ihn. Da brach die Treppe unter ihm zusammen, und er stieg hinauf, sie mit sich hinaufziehend.] Die Jünger sprachen zu ihm: Wenn du so [kräftig] bist, wozu braucht man dich zu stützen? Er erwiderte ihnen: Was würde ich sonst für die Zeit des Alters zurückbehalten?
9ARBEITER ZWEIMAL WÖCHENTLICH. Es wird ja gelehrt: Arbeiter einmal wöchentlich!? R. Jose b. R. Ḥanina erwiderte: Das ist kein Widerspruch; das eine, wenn sie in ihrer Stadt arbeiten, das andere, wenn sie in einer fremden Stadt arbeiten. Desgleichen wird gelehrt: Arbeiter zweimal wöchentlich; dies nur, wenn sie in ihrer Stadt arbeiten, wenn aber in einer fremden Stadt, einmal wöchentlich.
10ESELTREIBER EINMAL WÖCHENTLICH. Rabba b. R. Ḥanan sprach zu Abajje: Sollte der Autor die Lehre nur für Müßiggänger und Arbeiterfestgesetzt haben!? Dieser erwiderte: Nein,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.