Ketubbot — Blatt 8a

1der alles ihm zu Ehren erschaffen hat.

2Der den Menschen gebildet hat.

3Der den Menschen in seinem Ebenbilde, im Ebenbilde seinerGestalt, gebildet und ihm aus ihm selbst einen Bau für die Ewigkeit errichtethat. Gepriesen seist du, o Herr, Schöpfer des Menschen.

4Freuen wird sich die Unfruchtbareund frohlocken, wenn in Freude ihre Kinder in ihre Mitte gesammelt werden. Gepriesen seist du, o Herr, der Çijon mit seinen Kindern erfreut.

5Erfreue das Liebespaar, wie du dereinst deine Geschöpfe im E͑dengarten erfreut hast. Gepriesen seist du, o Herr, der du Bräutigam und Braut erfreuest.

6Gepriesen seist du, o Herr, der du ins Dasein gerufen hast Freude und Wonne, Bräutigam und Braut, Jubel und Gesang und Lust und Fröhlichkeit, Liebe und Eintracht und Frieden und Freundschaft. Baldigst, o Herr, unser Gott, mögen gehört werden in den Städten Jehudas und in den Straßen Jerušalems Rufe der Freude und der Wonne, Rufe von Bräutigam und Braut, Rufe des Jauchzens der Bräutigame unter dem Baldachin und der Jünglinge beim Gastmahl. Gepriesen seist du, o Herr, der du den Bräutigam mit der Braut erfreuest.

7Levi kam zu Rabbi zur Hochzeitsfeier seines Sohnes R. Šimo͑n und sprach fünf [Segenssprüche]. R. Asi kam zu R. Aši zur Hochzeitsfeier seines Sohnes Mar und sprach sechs[Segenssprüche].

8Es wäre anzunehmen, daß ihr Streit in folgendem besteht: einer ist der Ansicht, es war nur eine Bildung, und einer ist der Ansicht, es waren zwei Bildungen. —

9Nein, beide sind der Ansicht, es war nur eine Bildung, nur ist einer der Ansicht, man richte sich nach der Absicht, und einer ist der Ansicht, man richte sich nach der Ausführung. R. Jehuda wies nämlich auf einen Widerspruch hin. Es heißt:und der Herr schuf den Menschen in seinem Ebenbilde und es heißt:Mann und Weib schuf er sie; wie ist dies zu erklären? Anfangs dachte er zwei [Menschen] zu erschaffen, schließlich erschuf er aber nur einen.

10R. Aši kam zu R. Kahanaund sprach am ersten Tage alle [Segenssprüche], später aber sprach er, wenn neue Gäste anwesend waren, alle Segenssprüche, und wenn nicht, nur die Segenssprüche, ‘In dessen Wohnung die Wonne ist’und ‘Der du ins Dasein gerufen hast’, da dies nichts weiter als eine Ausdehnung der Feier ist.

11Vom siebenten bis zum dreißigsten spreche man den Segen ‘In dessen Wohnung die Wonne ist’, einerlei ob er [den Gästen] gesagt hat, [er habe sie geladen] wegen der Hochzeit, oder es ihnen nicht gesagt hat, von da ab spreche man, wenn er ihnen gesagt hat, wegen der Hochzeit, den Segen ‘In dessen Wohnung die Wonne ist’, sonst aber nicht. —

12Wie lange, wenn er ihnen gesagt hat, wegen der Hochzeit? R. Papi erwiderte im Namen Rabas: Zwölf Monate, ein Jahr. — Von wann ab vor [der Hochzeit]? R. Papa erwiderte: Sobald die Gerste in den Kübel geschüttetwird. — Dem ist ja aber nicht so, R. Papa sprach ja, als er seinen Sohn Abba Mar verlobte, den Segen schon bei der Verlobung!? — Anders verhielt es sich bei R. Papa, der alles besorgt hatte.

13Rabina verlobte seinen Sohn im Hause des R. Ḥabiba und sprach den Segen schon bei der Verlobung, denn er sagte, er sei sicher, daß sie nicht zurücktreten werden. Die Sache mißlang aber, und sie traten zurück. R. Taḥlipha aus dem Westenkam nach Babylonien und sprach sechs verlängerteSegenssprüche. Die Halakha ist aber nicht wie er.

14Einst kam R. Ḥabiba zu einer Beschneidungsfeier und sprach den Segen ‘In dessen Wohnung die Wonne ist’. Die Halakha ist aber nicht wie er, denn bei einer solchen ist man betrübt, weil das Kind Schmerzen leidet.

15R. Naḥman sagte im Namen Rabhs: Bräutigame werdenmitgezählt, nicht aber werden Leidtragende mitgezählt. Man wandte ein: Bräutigame und Leidtragende werden mitgezählt!? — Aus einer Barajtha ist gegen Rabh nichts einzuwenden; er ist selber Tanna und streitet gegen diese. Es wurde gelehrt: R. Jiçḥaq sagte im Namen R. Joḥanans: Bräutigame werden mitgezählt, nicht aber werden Leidtragende mitgezählt. Man wandte ein: Bräutigame und Leidtragende werden mitgezählt!? —

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.