Kidduschin — Blatt 2b

1ferner auch: sie werden Felder für Geld aneignen. Daher lehrt er: die Frau wird angeeignet. –

2Sollte er auch dort lehren: der Mann erwirbt!? – Anfangs gebrauchte er die Ausdrucksweise der Tora, später aber gebraucht er die Ausdrucksweise der Rabbanan. – Was bezeichnet die rabbanitische Ausdrucksweise? – Daß er sie für die ganze Welt verboten mache, wie das Geheiligte. –

3Sollte er hier lehren: der Mann eignet sich an!? – Da er im Schlußsatze von ihr lehren will, daß sie sich selbst erwerbe, so lehrt er auch im Anfangsatze von ihr. –

4Sollte er lehren: der Mann eignet sich an, und: eignet zu!? – Hierzu gehört der Tod des Ehemannes, wobei die Zueignung nicht durch ihn, sondern durch den Himmel erfolgt.

5Wenn du aber willst, sage ich: wenn er ‘erwirbt’ lehren würde, so könnte man glauben, auch gegen ihren Willen, daher lehrt er: wird angeeignet, nur mit ihrem Willen, nicht aber gegen ihren Willen. –

6Weshalb lehrt er šaloš, sollte er doch šeloša lehren!? – Weil er [das Wort] ‘derekh’ [Weg, Art] gebrauchen will, und ‘derekh’ weiblich ist, wie es heißt: du sollst ihnen die derekh [den Weg] kund tun, auf der sie wandeln sollen. –

7Wir haben gelernt: nach sieben Richtungen untersuche man den Flußbehafteten; sollte er wegen des Gebrauchs des Wortes ‘derekh’ šeba͑ lehren!? – Wir finden, daß ‘derekh’ auch männlich gebraucht wird, denn es heißt: auf einem Wege [derekh] werden sie gegen dich ziehen, aber auf sieben Wegen vor dir fliehen. – Demnach widersprechen ja die Schriftverse einander und auch die Lehren widersprechen einander!? –

8Die Schriftverse widersprechen einander nicht. Da wird von der Tora gesprochen, und da die Tora weiblich ist, wie es heißt: die Lehre [Tora] des Herrn ist vollkommen, sie erquickt die Seele. so gebraucht er es weiblich; dort aber wird vom Kriege gesprochen, und da nur der Mann Krieg zu führen pflegt, nicht aber die Frau, so gebraucht er es männlich.

9Die Lehren widersprechen einander ebenfalls nicht. Hier wird von der Frau gesprochen, daher gebraucht er es weiblich, dort wird vom Manne gesprochen, denn nur ein Mann ist zu untersuchen, nicht aber eine Frau, da sie auch unverschuldet unrein ist, daher gebraucht er es männlich. –

10Er lehrt also šaloš wegen [des Wortes] ‘Arten’; aber sollte er doch [das Wort] ‘Dinge’ gebrauchen und šeloša lehren!? – Er will darunter auch den Beischlaf zählen, und der Beischlaf wird Art genannt, wie es heißt: die Art des Mannes bei einer Jungfrau, so die Art eines hurenden Weibes. –

11Erklärlich ist dies vom Beischlafe, wie ist es aber vom Gelde und von der Urkunde zu erklären!? – Wegen des Beischlafs. –

12Er lehrt dies beiden zweien wegen des einen!? – Auch durch diese erfolgt es nur wegen des Beischlafs.

13Wenn du aber willst, sage ich: hier ist die Ansicht R. Šimo͑ns vertreten, denn es wird gelehrt: R. Šimo͑n sagte: Die Tora sagt deshalb: wenn ein Mann eine Frau nimmt, nicht aber: wenn eine Frau von einem Manne genommen wird, weil es die Art des Mannes ist, nach einer Frau zu suchen, nicht aber ist es die Art der Frau, nach einem Manne zu suchen. Dies ist mit dem zu vergleichen, der etwas verloren hat; wer sucht wen? Der Verlierende sucht das Verlorene. –

14Wir haben gelernt: nach sieben Richtungen untersuche man den Flußbehafteten; sollte er doch ‘Dinge’ lehren!? – Da lehrt er uns, daß es die Art des übermäßigen Essens ist, Samenfluß zu verursachen, daß es die Art des übermäßigen Trinkens ist, Samenfluß zu verursachen. –

15Wir haben gelernt: der Etrog gleicht in drei Hinsichten dem Baume; sollte er doch ‘Dinge’ lehren!? –Weil er im Schlußsatze lehren will: und dem Kraute in einer Hinsicht. – Sollte er auch im Schlußsatze ‘Ding’ lehren!? –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.