Kidduschin — Blatt 53a

1sie stimmten ab und kamen überein, daß, wenn [ein Priester sich eine Frau] mit seinem Anteile angetraut hat, einerlei ob von Hochheiligem oder Minderheiligem, er sie sich nicht angetraut habe; Rabh aber sagte, der Streit bestehe noch. Abajje sprach: Die Ansicht R. Joḥanans ist einleuchtend,

2denn es wird gelehrt: Woher, daß man nicht Speisopfer gegen Schiachtopfer teile? Es heißt: und jedes Speisopfer, das im Ofen gebacken wird &c. soll allen Söhnen Ahrons gehören.

3Man könnte glauben, man dürfe nur Speisopfer gegen Schlachtopfer nicht teilen, da sie bei Armut nicht an deren Stelle treten, wohl aber Speisopfer gegen Geflügelopfer, da sie bei Armut an deren Stelle treten, so heißt es: alles, was im Tiegel bereitet wird, soll allen Söhnen Ahrons gehören.

4Man könnte glauben, man dürfe nur Speisopfer gegen Geflügelopfer nicht teilen, weil diese Blutopfer und jene Mahlopfer sind, wohl aber Geflügelopfer gegen Schlachtopfer, denn die einen wie die anderen sind Blutopfer, so heißt es: und auf der Pfanne.

5Man könnte glauben, man dürfe nur Geflügel gegen Schlachtopfer nicht teilen, weil die einen mit der Hand und die anderen mit einem Gerät hergerichtet werden, wohl aber Speisopfer gegen Speisopfer, da sowohl diese als auch jene mit der Hand hergerichtet werden, so heißt es: und jedes mit Öl gemengte Speisopfer &c. soll allen Söhnen Ahrons gehören.

6Man könnte glauben, man dürfe nur ein Pfannopfer gegen ein Tiegelopfer oder ein Tiegelopfer gegen ein Pfannopfer nicht teilen, weil das eine weich und das andere hart hergerichtet wird, wohl aber ein Pfannopfer gegen ein Pfannopfer oder ein Tiegelopfer gegen ein Tiegelopfer, da das eine wie das andere hart oder das eine wie das andere weich hergerichtet wird, so heißt es: oder trockne soll allen Söhnen Ahrons gehören.

7Man könnte glauben, man dürfe nur Hochheiliges nicht teilen, wohl aber Minderheiliges, so heißt es: einem wie dem anderen, und darauf folgt: wenn als Dank; wie sie Hochheiliges nicht teilen dürfen, ebenso dürfen sie Minderheiliges nicht teilen.

8Mann, ein. Mann erhält einen Anteil, selbst gebrechenbehaftet, nicht aber ein Minderjähriger, selbst gebrechenfrei. Eine anonyme Lehre im Siphra ist ja von R. Jehuda, und diese lehrt, daß hierbei eine Teilung überhaupt nicht erfolgen dürfe. Schließe hieraus.

9Raba sprach: Gibt es denn nicht eine Lehre nach Rabh, es wird ja gelehrt, daß die Gesitteten die Hand davon zurückzogen und die Gefräßigen unter sich teilten!? — Unter ‘teilten’ ist das Haschen zu verstehen, wie im Schlußsatze gelehrt wird: einst haschte jemand seinen Anteil und den Anteil seines Genossen, und man nannte ihn ‘Gewalttäter’ bis zum Tage seines Todes.

10Rabba b. R. Šila sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: mein Gott, befreie mich aus der Hand des Gottlosen, aus der Faust des Frevlers und des Gewalttäters. Raba entnimmt dies aus folgendem: lernt Gutes tun, forscht nach Recht, leitet den Vergewaltigten.

11WENN [EIN GEMEINER] MIT DEM ZWEITEN ZEHNTEN, EINERLEI OB VERSEHENTLICH ODER VORSÄTZLICH, SO HAT ER SIE SICH NICHT ANGETRAUT — SO R. MEÍR; R. JEHUDA SAGT, VERSEHENTLICH HABE ER SIE SICH NICHT ANGETRAUT, VORSÄTZLICH HABE ER SIE SICH ANGETRAUT. Woher dies? R. Aḥa, der Sohn Rabas, sagte im Namen einer Überlieferung: Und aller Zehnte des Landes, vom Saate des Landes und von der Baumfrucht, gehört dem Herrn; es gehört dem Herrn, nicht aber, um sich damit eine Frau anzutrauen. —

12Auch von der Zehnthebe heißt es ja: so sollt auch ihr eine Hebe für den Herrn abheben, dennoch wird gelehrt, wenn [ein Priester sich eine Frau] mit der Hebe antraut, sei sie ihm angetraut!? — Da heißt es nicht dem Herrn. —

13Bei der Teighebe heißt es ja: sollt ihr dem Herrn geben, dennoch wird gelehrt, wenn er sie sich mit den Heben antraut, sei sie ihm angetraut!? — Da heißt es nicht heilig. —

14Beim Siebentjahre heißt es ja: es ist ein Jobel, heilig soll es euch sein, dennoch wird gelehrt, wenn jemand sich [eine Frau] mit Früchten vom Siebentjahre antraut, sei sie ihm angetraut!? — Da heißt es nicht dem Herrn. —

15Von der Hebe heißt es ja: heilig ist Jisraél dem Herrn, der Erstling seines Ertrages, dennoch haben wir gelernt, wenn er sie sich mit der Hebe antraut, sei sie ihm angetraut!? — Dies bezieht sich auf Jisraél. —

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.