Kidduschin — Blatt 61b

1so erfolgt dies zur Verdoppelung der Bedingung. —

2Und R. Ḥanina b. Gamliél!? — Er kann dir erwidern: wenn der Allbarmherzige nicht im Lande Kenaa͑n geschrieben hätte, könnte man verstehen: so sollen sie in eurer Mitte Besitz erhalten, im Lande Gilea͑d, nicht aber im Lande Kenaa͑n. — Und R. Meír!? — Unter in eurer Mitte ist zu verstehen: überall, wo ihr [Besitz] habt.

3Es wird gelehrt: R. Ḥanina b. Gamliél sagte: Dies gleicht dem Falle, wenn jemand seine Güter an seine Söhne verteilt und spricht: mein Sohn N. erbe jenes Feld, mein Sohn N. erbe jenes Feld und mein Sohn N. zahle zweihundert Zuz heraus und erbe jenes Feld; wenn er aber nicht herauszahlt, so erbe er mit seinen Brüdern an den anderen Gütern.

4Die Verdoppelung ist es, die veranlaßt, daß er mit seinen Brüdern an den anderen Gütern erbe. —

5Dies gleicht ja aber nicht [seinen Worten] in unserer Mišna; in dieser heißt es: könnte man verstehen, daß sie auch im Lande Kenaa͑n keinen Anteil erhalten, wonach die Verdoppelung sich auf das Land Gilea͑d bezieht,

6hier aber heißt es: die Verdoppelung ist es, die veranlaßt, daß er mit seinen Brüdern an den übrigen Gütern erbe, wonach die Verdoppelung sich nur auf die übrigen Güter bezieht!? —

7Das ist kein Einwand; das eine [sagte er] bevor R. Meír ihm [den Schriftvers] Besitz erhalten

8erwiderte, das andere [sagte er] nachdem R. Meír ihm [den Schriftvers] Besitz erhalten erwiderte. —

9Erklärlich ist es nach R. Meír, daß es heißt: wenn du gut handelst, erhältst du einen Lohn, wenn du aber nicht gut handelst, so lagert die Sünde vor der Tür, wozu aber ist dies nach R. Ḥanina nötig!? — Man könnte glauben; wenn du gut handelst, erhältst du einen Lohn, wenn du nicht gut handelst, weder Lohn noch Strafe, so lehrt er uns. —

10Erklärlich ist es nach R. Meír, daß es heißt: so bist du meines Eids frei, wozu aber ist dies nach R. Ḥanina b. Gamliél nötig!? —

11Dies ist nötig; man könnte glauben: wenn sie selbst es wünschen sollte, jene aber nicht, müsse er sie gegen den Willen jener holen, so lehrt er uns. —

12Wozu heißt es: wenn die Frau aber nicht will!? — Man könnte glauben: wenn jene es wünschen sollten, sie selbst aber nicht, müsse er sie gegen ihren Willen holen, so lehrt er uns. —

13Erklärlich ist es nach R. Meír, daß es heißt: wenn ihr in meinen Satzungen wandeln werdet, und: wenn ihr meine Satzungen mißachten werdet, wozu aber ist dies nach R. Ḥanina b. Gamliél nötig!? — Dies ist nötig; man könnte glauben: wenn ihr in meinen Satzungen wandeln werdet, zum Segen, wenn ihr meine Satzungen mißachten werdet, weder zum Segen noch zum Fluche, so lehrt er uns. —

14Erklärlich ist es nach R. Meír, daß es heißt: wenn ihr willig seid und höret &c. und wenn ihr euch weigert und widerspenstig seid &c., wozu aber ist dies nach R. Ḥanina b. Gamliél nötig!? — Dies ist nötig; man könnte glauben: wenn ihr willig seid, dafür Gutes, wenn ihr euch weigert, weder Gutes noch Böses, so lehrt er uns. —

15Was heißt:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.