Kidduschin — Blatt 69b

1Streitigkeiten vor deinen Toren, sosollst du dich aufmachen und hinaufgehen, woher aber, daß das Jisraélland höher ist als alle übrigen Länder? – Es heißt: Siehe, es werden Tage kommen, Spruch des Herrn, daß man nicht mehr sagen wird: so wahr der Herr lebt, der die Kinder Jisraél aus dem Lande Miçrajim heraufgeführt hat, sondern: so wahr der Herr lebt, der die Kinder Jisraél heraufgeführt und gebracht hat, aus dem Lande des Nordens und aus all den Ländern, dahin ich sie verstoßen habe. –

2Weshalb lehrt er: zogen aus Babylonien herauf, sollte er doch lehren: zogen nach dem Jisraéllande hinauf!? – Dies ist eine Stütze für R. Elea͑zar, denn R. Elea͑zar sagte: E͑zra zog aus Babylonien herauf, erst nachdem er es wie feines Mehl [gesiebt] hatte.

3Es wurde gelehrt: Abajje sagt, die Lehre laute: zogen herauf, (freiwillig,) und Raba sagte, die Lehre laute: brachte man herauf. Sie streiten über die Lehre R. Elea͑zars, denn R. Elea͑zar sagte: E͑zra zog aus Babylonien herauf, erst nachdem er es wie feines Mehl [gesiebt] hatte.

4Abajje hält nichts von der Lehre R. Elea͑zars und Raba hält wohl von der Lehre R. Elea͑zars. Wenn du aber willst, sage ich: beide halten sie von der Lehre R. Elea͑zars, und hier besteht ihr Streit in folgendem: einer ist der Ansicht, er schied sie aus und sie zogen freiwillig hinauf, und einer ist der Ansicht, er brachte sie gezwungen hinauf. –

5Einleuchtend ist es nach demjenigen, der ‘zogen herauf’ liest, daß R. Jehuda im Namen Šemuéls sagte, alle Länder seien ein Gemisch gegenüber dem Jisraéllande und das Jisraélland sei ein Gemisch gegenüber Babylonien, nach demjenigen aber, der ‘brachte man herauf’ liest, kannte man sie ja!? – Zugegeben, daß man jene Generation kannte, die folgenden Generationen aber kannte man nicht. –

6Erklärlich ist nach demjenigen, der ‘zogen herauf’ liest, der Schriftvers: ich versammelte sie an dem Strome, der in Ahava fließt, und wir lagerten dort drei Tage, und ich sah mich um unter dem Volke und den Priestern, und ich fand dort keinen von den Söhnen Levi;

7nach demjenigen aber, der ‘brachte man herauf’ liest, war man ja vorsichtig!? – Man war wohl mit den Bemakelten vorsichtig, mit den Makellosen aber war man nicht vorsichtig.

8PRIESTER, LEVITEN, JISRAÉLITEN. Woher, daß diese heraufkamen? – Es heißt: und die Priester und die Leviten und manche vom Volke und die Sänger und die Pförtner und die Nethinim wohnten in ihren Städten, und ganz Jisraél in seinen Städten.

9ENTWEIHTE, PROSELYTEN, FREIGELASSENE. Woher dies von den Entweihten? – Es wird gelehrt: R. Jose sagte: Bedeutend ist die Belassung, denn es heißt: Und von den Söhnen der Priester: die Söhne des Ḥabaja, die Söhne des Haqoç, die Söhne des Barzilaj, der eine Frau von den Töchtern Barzilaj des Gilea͑diten genommen hatte und nach ihrem Namen benannt wurde. Diese suchten ihre Schrift der Geschlechtsverzeichnisse, sie ward aber nicht gefunden, und wurden daher aus dem Priestertume ausgestoßen. Und der Tiršatha sprach zu ihnen, daß sie vom Hochheiligen nicht essen dürfen, bis ein Priester den Urim und Tummim vorstehen wird.

10Er sprach nämlich zu ihnen: Bleibt beim bisherigen Zustande; in der Diaspora habt ihr Heiliges der Provinz gegessen, auch hier sollt ihr Heiliges der Provinz essen. –

11Nach demjenigen, welcher sagt, daß die Hebe in den [Priester]stand setze, könnte man sie ja, da sie Hebe aßen, [in den Priesterstand] setzen!? – Anders verhielt es sich bei diesen, da die Belassung bei ihnen suspekt war. –

12Wieso ist demnach die Belassung bedeutend!? – Vorher aßen sie rabbanitische Hebe und nachher aßen sie Hebe der Tora.

13Wenn du aber willst, sage ich: tatsächlich aßen sie auch nachher nur rabbanitische Hebe, nicht aber der Tora, und nur Hebe der Tora setzt in den [Priester]stand, nicht aber rabbanitische. –

14Wieso ist demnach die Belassung bedeutend!? – Vorher war Hebe der Tora nicht zu berücksichtigen, nachher aber war Hebe der Tora zu berücksichtigen, dennoch durften sie rabbanitische essen. – Aßen sie denn nicht auch solche der Tora,

15es heißt ja: und der Tiršatha sprach zu ihnen, daß sie vom Hochheiligen nicht essen dürfen, wonach sie nur Hochheiliges nicht essen durften, wohl aber durften sie alles andere essen!? –

16Er meinte es wie folgt: nicht das, was ‘heilig’ genannt wird, und nicht das, was ‘Geheiligtes’ genannt wird. Nicht das, was ‘heilig’ genannt wird, wovon es heißt: und kein Gemeiner soll Heiliges essen; nicht das, was ‘Geheiligtes’ genannt wird, wovon es heißt: und eine Priesterstochter, die einem Gemeinen zu teil wird, darf die Hebe vom Geheiligten nicht essen, und der Meister erklärte,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.