Kidduschin — Blatt 69a

1Wenn jemand zu seiner [schwangeren] Sklavin sagt: sei du frei und deine Geburt bleibe Sklave, so gleicht die Geburt ihr – so R. Jose der Galiläer; die Weisen sagen, seine Worte seien gültig, denn es heißt: das Weib und ihre Kinder bleiben ihrem Herrn. –

2Wieso geht dies hieraus hervor? Raba erwiderte: Dies bezieht sich auf die Ansicht R. Jose des Galiläers.

3R. TRYPHON SAGTE: HURENKINDER KÖNNEN REINIGUNG ERLANGEN, UND ZWAR: WENN DAS HURENKIND EINE SKLAVIN GEHEIRATET HAT, SO IST DER SOHN SKLAVE; WIRD ER FREIGELASSEN, SO ERGIBT ES SICH, DASS DER SOHN FREIER IST. R. ELIE͑ZER SAGT, ER SEI HURENSKLAVE.

4GEMARA. Sie fragten: Gilt dies nach R. Tryphon auch von vornherein, oder nur dann, wenn es erfolgt ist? – Komm und höre: Sie sprachen zu R. Tryphon: Du hast für die Reinigung der Männer, nicht aber für die der Frauen gesorgt.

5Wenn du sagst, dies gelte von vornherein, so kann ja auch ein Sklave ein Hurenkind heiraten!? – Ein Sklave hat keine Agnation. –

6Komm und höre: Einst sagte R. Šimlaj zu seinem Wirte, der Hurenkind war: Wenn ich dich früher gekannt hätte, würde ich deinen Kindern Reinigung verschafft haben. Allerdings könnte er es, wenn du sagst, dies gelte von vornherein, wieso aber, wenn du sagst, nur wenn es bereits erfolgt ist!? –

7Er würde ihm den Rat erteilt haben, einen Diebstahl zu begehen, um als hebräischer Sklave verkauft zu werden. – Gab es denn zur Zeit R. Šimlajs hebräische Sklaven, der Meister sagte ja, [das Gesetz vom] hebräischen Sklaven habe nur dann Geltung, wenn [das Gesetz] vom Jobeljahre Geltung hat!? Hieraus ist vielmehr zu entnehmen, daß dies nach R. Tryphon von vornherein gelte. Schließe hieraus. R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Die Halakha ist wie R. Tryphon.

8R. ELIE͑ZER SAGT, ER SEI HURENSKLAVE. R. Elea͑zar sagte: Folgendes ist der Grund R. Elie͑zers: ihm, man richte sich nach seiner Bemakelung.–

9Und die Rabbanan!? – Dies bezieht sich auf einen Jisraéliten, der ein Hurenkind geheiratet hat. Man könnte glauben, es heißt ja: nach ihren Familien, nach ihren Vaterhäusern, daher schließt das ihm dies aus. –

10Und R. Elie͑zer!? – Das ihm schließt dies aus, obgleich es heißt: nach ihren Familien, nach ihren Vaterhäusern, ebenso schließt das ihm jenen Fall aus, obgleich es heißt: die Frau und ihre Kinder bleiben ihrem Herrn. – Und die Rabbanan!? – Die Geburt im Leibe einer Sklavin gleicht der Geburt im Leibe eines Viehs.

11ZEHN GEBURTSKASTEN ZOGEN AUS BABYLONIEN HERAUF. PRIESTER, LEVITEN, JISRAÉLITEN, ENTWEIHTE, PROSELYTEN, FREIGELASSENE, HURENKINDER, NETHINIM, VERSCHWIEGENE UND FINDLINGE.

12PRIESTER, LEVITEN UND JISRAÉLITEN DÜRFEN UNTER EINANDER HEIRATEN; LEVITEN, JISRAÉLITEN, ENTWEIHTE, PROSELYTEN UND FREIGELASSENE DÜRFEN UNTER EINANDER HEIRATEN;

13PROSELYTEN, FREIGELASSENE, HURENKINDER, NETHINIM, VERSCHWIEGENE UND FINDLINGE DÜRFEN ALLE UNTER EINANDER HEIRATEN. VERSCHWIEGENER IST DERJENIGE, DER SEINE MUTTER UND NICHT SEINEN VATER KENNT; FINDLING IST DERJENIGE, DER AUF DER STRASSE AUFGEFUNDEN WURDE UND WEDER SEINEN VATER NOCH SEINE MUTTER KENNT. ABBA ŠAÚL NANNTE DEN VERSCHWIEGENEN UNTERSUCHTEN.

14GEMARA. ZEHN GEBURTSKASTEN ZOGEN AUS BABYLONIEN HERAUF. Weshalb lehrt er: zogen aus Babylonien herauf, sollte er doch lehren: gingen nach dem Jisraéllande? – Er lehrt uns etwas nebenbei. Es wird nämlich gelehrt: So sollst du dich aufmachen und hinaufgehen nach dem Orte, den der Herr, dein Gott, erwählen wird; dies lehrt, daß der Tempel höher als das ganze Jisraélland, und das Jisraélland höher als alle anderen Länder sei. –

15Allerdings, daß der Tempel höher ist als das ganze Jisraélland, denn es heißt:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.