Kidduschin — Blatt 70b

1man darf einer Frau keinen Gruß entbieten. – Durch ihren Ehemann? Jener erwiderte: Folgendes sagte Šemuél: man darf einer Frau in keiner Weise einen Gruß entbieten. Hierauf ließ seine Frau ihm sagen: Schlichte seinen Streit, damit er dich nicht zum Menschen aus dem gemeinen Volke mache.

2Hierauf fragte er ihn: Was führte den Meister her? Jener erwiderte: Der Meister schickte mir eine Vorladung. Dieser entgegnete: Ich verstehe nicht einmal die Worte des Meisters, und ich sollte ihm eine Vorladung geschickt haben!? Da holte er die Vorladung aus seinem Busen hervor und zeigte sie ihm, indem er sprach: Da ist der Mann und da ist die Vorladung. Da sprach dieser: Da nun der Meister hergekommen ist, so mag er mir seine Angelegenheit vortragen, damit man nicht sage, die Gelehrten begünstigen einander.

3Alsdann fragte er ihn: Weshalb hat der Meister jenen Mann in den Bann getan? Jener erwiderte: Er kränkte den Boten eines Gelehrten. –

4Weshalb ließ der Meister über ihn bekannt machen, er sei ein Sklave? Jener erwiderte: Er pflegt andere Leute Sklaven zu nennen, und es wird gelehrt: wer [andere] berüchtigt, ist selber berüchtigt; nie spricht er Lobendes. Ferner sagte Šemuél, er berüchtige seinen eigenen Makel. – Allerdings sagte Šemuél, daß man dies berücksichtige, sagte er etwa, daß man solches über ihn bekannt mache!?

5Währenddessen kam sein Gegner, [der Mann] aus Nehardea͑, und sprach zu R. Jehuda: Mich nennst du einen Sklaven!? Ich stamme aus dem königlichen Hause der Ḥasmonäer. Hierauf sprach jener: Folgendes sagte Šemuél: wer aus dem Hause der Ḥasmonäer abzustammen behauptet, ist ein Sklave.

6Da sprach dieser: Hält denn der Meister nichts von dem, was R. Abba im Namen R. Honas im Namen Rabhs gesagt hat, wenn nämlich ein Gelehrter eine Lehre vorträgt und der Fall eintritt, man auf ihn höre, wenn er es vor Eintritt des Falles gesagt hat, sonst aber nicht!? Jener erwiderte: Da ist R. Mathna, der es mir bestätigen kann.

7R. Mathna hatte Nehardea͑ dreizehn Jahre nicht gesehen, und gerade an jenem Tage traf er da ein. Jener fragte ihn: Erinnert sich der Meister, was Šemuél, als er mit einem Fuße auf dem Ufer und mit dem anderen Fuße auf der Fähre stand, gesagt hat? Dieser erwiderte: Folgendes sagte dann Šemuél: wer aus dem königlichen Hause der Ḥasmonäer abzustammen behauptet, ist ein Sklave. Aus diesem war nur ein Mädchen zurückgeblieben, und dieses stieg aufs Dach, erhob ihre Stimme und rief: Wenn jemand behauptet, er stamme aus dem Hause der Ḥasmonäer, so ist er ein Sklave.

8Alsdann stürzte sie sich vom Dache herab und starb. Hierauf ließ er über ihn bekannt machen, daß er ein Sklave sei.

9An jenem Tage wurden viele Ehekontrakte in Nehardea͑ zerrissen. Als er hinausging, gingen sie hinter ihm, um ihn zu steinigen. Da sprach er zu ihnen: Wollt ihr ruhig sein, so ist es recht, wenn aber nicht, so verrate ich das, was Šemuél gesagt hat, daß es nämlich zwei Geschlechter in Nehardea͑ gebe, eines heiße das der Tauben und eines heiße das der Raben. Als Merkzeichen diene dir: Unreines ist unrein, Reines ist rein. Hierauf warfen sie die Wurfsteine aus den Händen, sodaß eine Verstopfung im Königsstrome entstand.

10R. Jehuda ließ in Pumbeditha bekannt machen: Ada und Jonathan sind Sklaven. Jehuda b. Papa ist ein Hurenkind. Baṭi b. Ṭobija nahm in seinem Hochmute keinen Freilassungsbrief. Raba ließ in Maḥoza bekannt machen: Die Balaíten, die Danaíten, die Ṭalaíten, die Malaíten und die Zagaíten sind sämtlich bemakelt. R. Jehuda sagte: Die Gobäer sind Gibeo͑niten. Durninutha ist ein Dorf von Nethinim. R. Joseph sagte: Be Kube bei Pumbeditha besteht ganz aus Sklaven.

11R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Vierhundert Sklaven, manche sagen, viertausend Sklaven hatte Pašḥur, der Sohn Immers, und sie alle haben sich mit den Priestern vermischt. Ein Priester, dem Frechheit eigen ist, stammt von ihnen. Abajje sagte: Sie alle wohnen in Sura und Nehardea͑. Er streitet gegen R. Elea͑zar, denn R. Elea͑zar sagte: Wenn du einen Priester siehst, dem Frechheit eigen ist, so mache dir keine Gedanken über ihn, denn es heißt: und dein Volk wie die streitigen Priester.

12R. Abin b. R. Ada sagte im Namen Rabhs: Wer eine für ihn unwürdige Frau nimmt, für den legt der Heilige, gepriesen sei er, wenn er für alle Stämme Zeugnis ablegt, kein Zeugnis ab, denn es heißt: die Stämme des Herrn, ein Zeugnis für Jisraél; ein Zeugnis für Jisraél nur dann, wenn sie Stämme des Herrn sind.

13R. Hama b. R. Ḥanina sagte: Wenn der Heilige, gepriesen sei er, seine Göttlichkeit weilen läßt, so läßt er sie nur über den reinen Geschlechtern in Jisraél weilen, denn es heißt: zu jener Zeit, Spruch des Herrn, werde ich zum Gott sein für all die Geschlechter Jisraéls; es heißt nicht: für ganz Jisraél, sondern: für all die Geschlechter.

14Und sie werden mir zum Volke sein. Rabba b. R. Hona sagte: Hierin sind die Jisraéliten den Proselyten überlegen; von den Jisraéliten heißt es: ich werde ihnen zum Gott sein und sie werden mir zum Volke sein, von den Proselyten aber heißt es: wer ist es, der sich getrauet, mir zu nahen, Spruch des Herrn; ihr sollt mir zum Volke sein und ich werde euch zum Gott sein.

15R. Ḥelbo sagte: Proselyten sind für Jisraél wie ein Ausschlag unangenehm, denn es heißt: es schließt sich ihnen der Fremdling an, und sie schlagen sich zum Hause Ja͑qobs; von diesen heißt es schlagen und dort heißt es: Geschwulst und Ausschlag.

16R. Ḥama b. Ḥanina sagte: Wenn der Heilige, gepriesen sei er,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.