Kidduschin — Blatt 71a
1die Stämme reinigt, so reinigt er den Stamm Levi zuerst, denn es heißt: und er wird sitzen schmelzend und reinigend das Silber, und er wird die Söhne Levi reinigen und sie läutern wie Gold und wie Silber, daß sie dem Herrn Opfergaben in Frömmigkeit darbringen.
2R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Silber reinigt Hurenkinder, denn es heißt: und er wird sitzen schmelzend und reinigend das Silber. – Was heißt: Opfergaben in Frömmigkeit darbringen? R. Jiçḥaq sagte: Der Heilige, gepriesen sei er, erwies Jisraél eine Wohltat, indem er jede Familie, die sich vermischt hat, vermischt sein ließ.
3Der Text. R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Alle Länder sind ein Gemisch gegenüber Babylonien. In den Tagen Rabbis wollten sie Babylonien zu einem Gemische gegenüber dem Jisraéllande machen, da sprach er zu ihnen: Ihr stoßt mir Dornen zwischen die Augen; wenn ihr wollt, mag R. Ḥanina b. Ḥama mit euch verhandeln.
4R. Ḥanina b. Ḥama verhandelte mit ihnen und sprach dann zu ihnen: Es ist mir überliefert von R. Jišmaél b. R. Jose, der es im Namen seines Vaters sagte: alle Länder sind ein Gemisch gegenüber dem Jisraéllande, und das Jisraélland ist ein Gemisch gegenüber Babylonien.
5In den Tagen des R. Pinḥas wollten sie Babylonien zu einem Gemische gegenüber dem Jisraéllande machen, da sprach er zu seinen Dienern: Sobald ich zwei Dinge im Lehrhause vorgetragen habe, setzt mich in die Sänfte und laufet. Als er in [das Lehrhaus] kam, sprach er: Nach der Tora benötigt das Geflügel nicht des Schlachtens.
6Während sie saßen und darüber nachdachten, sprach er weiter: Alle Länder sind ein Gemisch gegenüber dem Jisraéllande, und das Jisraélland ist ein Gemisch gegenüber Babylonien. Alsdann setzten sie ihn in die Sänfte und liefen [mit ihm] fort. Jene liefen hinter ihm her, sie erreichten ihn aber nicht. Hierauf ließen sie sich nieder und stellten Untersuchungen an; als sie aber dadurch in Gefahr gerieten, unterließen sie es.
7R. Joḥanan sagte: Beim Tempel, es ist in unserer Hand, was aber soll ich machen, auch die Großen des Zeitalters sind mit ihnen vermischt. Er ist der Ansicht R. Jiçḥaqs, denn R. Jiçḥaq sagte, eine Familie, die vermischt worden ist, bleibe vermischt.
8Abajje sagte: Auch wir haben demgemäß gelernt: In Trans-Jarden war eine Familie, namens Beth Çeripha, die Ben Çijon gewaltsam entfernte; eine andere war da, die Ben Çijon gewaltsam aufnahm. Solche wird Elijahu bei seiner Ankunft als unrein oder rein erklären. Nur diejenigen von denen man es wußte, eine Familie aber, die vermischt worden ist, bleibe vermischt.
9Es wird gelehrt: Noch eine war da vorhanden, nur wollten die Weisen sie nicht nennen; jedoch vertrauen die Weisen es einander [und] ihren Schülern einmal im Septennium an, und manche sagen, zweimal im Septennium. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Die Ansicht desjenigen, der einmal im Septennium sagt, ist einleuchtend, denn es wird gelehrt: [Sagt jemand:] ich will Nazir sein, wenn ich nicht Familien bloßstelle, so sei er lieber Nazir und stelle keine Familie bloß.
10Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Den vierbuchstabigen Gottesnamen vertrauen die Weisen ihren Schülern einmal im Septennium an, und manche sagen, zweimal im Septennium. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Die Ansicht desjenigen, der einmal im Septennium sagt, ist einleuchtend, denn es heißt: das ist mein Name für ewig [leo͑lam], und die Schreibweise ist lea͑lem [zu verheimlichen]. Raba wollte es in der Vorlesung vortragen, da sprach ein Greis zu ihm: es heißt: lea͑lem.
11R. Abina wies auf einen Widerspruch hin. Es heißt: das ist mein Name, und es heißt: das ist meine Benennung!? Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: nicht wie ich geschrieben werde, werde ich genannt; Jod He werde ich geschrieben, aber Aleph Daleth genannt.
12Die Rabbanan lehrten: Früher vertraute man den zwölfbuchstabigen Gottesnamen jedem Menschen an, seitdem aber die Zuchtlosen sich mehrten, vertraute man ihn nur den Frommen der Priesterschaft an, und die Frommen der Priesterschaft verschluckten ihn bei der Melodie ihrer Priesterbrüder. Es wird gelehrt: R. Tryphon erzählte: Einst folgte ich dem Bruder meiner Mutter auf die Estrade und neigte mein Ohr zum Hochpriester; da hörte ich, wie er den Gottesnamen bei der Melodie seiner Priesterbrüder verschluckte.
13R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Den zweiundvierzigbuchstabigen Gottesnamen darf man nur dem anvertrauen, der fromm und bescheiden ist, sich in der Mitte des Lebensalters befindet, nicht in Zorn gerät, sich nicht betrinkt, und nicht auf seinem Rechte besteht. Wer ihn kennt, mit ihm behutsam ist, und ihn in Reinheit wahrt, ist droben beliebt und hienieden begehrt; seine Ehrfurcht ruht auf den Mitmenschen und er erbt beide Welten, diese Welt und die zukünftige Welt.
14Šemuél sagte im Namen eines Greises: In Babylonien befindet sich jeder im Zustande der Makellosigkeit, bis dir bekannt wird, wieso er bemakelt ist; in anderen Ländern befindet sich jeder im Zustande der Bemakelung, bis dir bekannt wird, wieso er makellos ist; im Jisraéllande gilt jeder, der als bemakelt angesehen wird, als bemakelt, und der als unbemakelt angesehen wird, als unbemakelt. –
15Dies widerspricht sich ja selbst: zuerst heißt es, wenn er als bemakelt angesehen wird, gelte er als bemakelt, wonach er, wenn nichts bekannt ist, als unbemakelt gilt, und nachher heißt es, wenn er als unbemakelt angesehen wird, gelte er als unbemakelt, wonach er, wenn nichts bekannt ist, als bemakelt gilt!? R. Hona b. Taḥlipha erwiderte im Namen Rabhs: Das ist kein Widerspruch;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.