Kidduschin — Blatt 82b
1Nadelstickerei.
2Es wird gelehrt: Rabbi sagte: Du hast kein Gewerbe, das aus der Welt abgeschafft werden könnte; aber wohl dem, der seine Eltern bei einem vornehmen Gewerbe sieht, und wehe dem, der seine Eltern bei einem verächtlichen Gewerbe sieht. Die Welt kann weder ohne Parfümeure noch ohne Gerber bestehen; wohl dem aber, dessen Gewerbe die Parfümerie ist, und wehe dem, dessen Gewerbe die Gerberei ist. Die Welt kann weder ohne Männer noch ohne Frauen bestehen; wohl dem aber, dessen Kinder männlich sind, und wehe dem, dessen Kinder weiblich sind.
3R. Meír sagte: Stets lehre man seinen Sohn ein sauberes und leichtes Handwerk, und flehe zu dem, dem der Reichtum und die Güter gehören. Die Armut kommt nicht vom Gewerbe und der Reichtum kommt nicht vom Gewerbe, sondern von dem, dem der Reichtum gehört, wie es heißt: denn mein ist das Silber und mein ist das Gold, spricht der Herr der Heerscharen.
4R. ŠIMO͑N B. ELEA͑ZAR SAGTE: HAST DU JE IN DEINEM LEBEN GESEHEN. Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte: Nie im Leben habe ich ein Reh als Feigentrockner, einen Löwen als Lastträger, oder einen Fuchs als Krämer gesehen, doch werden sie ohne Mühsal ernährt. Diese sind erschaffen worden, nur um mich zu bedienen, ich aber bin erschaffen worden, meinem Schöpfer zu dienen. Wenn diese, die erschaffen worden sind, um mich zu bedienen, ohne Mühsal ernährt werden, um wieviel mehr sollte ich, der ich erschaffen worden bin, meinem Schöpfer zu dienen, ohne Mühsal ernährt werden. Aber ich habe meine Werke verdorben und meine Ernährung beeinträchtigt, wie es heißt: eure Sünden hindern.
5R. NEHORAJ SAGTE: ICH LASSE JEDES GEWERBE &C. Es wird gelehrt: R. Nehoraj sagte: Ich lasse jedes Gewerbe der Welt und lehre meinen Sohn nur die Tora. Jedes Gewerbe steht dem Menschen nur in seiner Jugend bei, im Alter aber liegt er hungernd darnieder, was aber bei der Tora nicht der Fall ist. Sie steht dem Menschen in seiner Jugend bei und gewährt ihm Zukunft und Zuversicht im Alter. Von der Jugend heißt es: die auf den Herrn hoffen, legen neue Kraft an, treiben Schwingen gleich den Adlern, und vom Alter heißt es: noch im Greisenalter sprossen sie, sind markig und belaubt.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.