Kidduschin — Blatt 82a
1denn Šemuél sagte, alles im Namen des Himmels.
2EIN LEDIGER DARF NICHT KINDERLEHRER SEIN, EBENSO DARF EINE FRAU NICHT KINDERLEHRERIN SEIN. R. ELEA͑ZAR SAGT, AUCH WER KEINE FRAU HAT, DÜRFE NICHT KINDERLEHRER SEIN. R. JEHUDA SAGT, EIN LEDIGER DÜRFE NICHT VIEHHIRT SEIN, AUCH DÜRFEN ZWEI LEDIGE NICHT UNTER EINER DECKE SCHLAFEN; DIE WEISEN ERLAUBEN DIES.
3GEMARA. Aus welchem Grunde, wollte man sagen, wegen der Kinder, so wird ja gelehrt: Sie sprachen zu R. Jehuda: Die Jisraéliten sind weder der Päderastie noch der Bestialität verdächtig!? – Vielmehr, ein Lediger wegen der Mütter der Kinder, eine Frau wegen der Väter der Kinder.
4R. ELEA͑ZAR SAGT, AUCH WER KEINE FRAU HAT &C. Sie fragten: Wer überhaupt keine Frau hat, oder dessen Frau nicht bei ihm weilt? – Komm und höre: Auch wer eine hat, die aber nicht bei ihm weilt, dürfe nicht Kinderlehrer sein.
5R. Jehuda sagt, ein Lediger dürfe nicht Viehhirt sein &c. Es wird gelehrt: Sie sprachen zu R. Jehuda: Die Jisraéliten sind weder der Päderastie noch der Bestialität verdächtig.
6WER BERUFLICH MIT FRAUEN ZU TUN HAT, SEI NICHT MIT FRAUEN ALLEIN. MAN LEHRE SEINEN SOHN KEIN FRAUENGEWERBE. R. MEÍR SAGTE: STETS LEHRE MAN SEINEN SOHN EIN SAUBERES UND LEICHTES HANDWERK, UND FLEHE ZU DEM, DEM DER REICHTUM UND DIE GÜTER GEHÖREN, DENN ES GIBT KEIN HANDWERK, MIT DEM NICHT REICHTUM UND ARMUT VERBUNDEN WÄRE. NICHT VOM GEWERBE KOMMT DIE ARMUT, NICHT VOM GEWERBE KOMMT DER REICHTUM, SONDERN ALLES NACH SEINEM VERDIENSTE.
7R. ŠIMO͑N B. ELEA͑ZAR SAGTE: HAST DU JE IN DEINEM LEBEN EIN TIER ODER EINEN VOGEL EIN GEWERBE TREIBEN SEHEN? DIESE WERDEN OHNE MÜHSAL ERNÄHRT, OBGLEICH SIE ERSCHAFFEN WORDEN SIND, NUR UM MICH ZU BEDIENEN, UM WIEVIEL MEHR SOLLTE ICH, WO ICH ERSCHAFFEN WORDEN BIN, MEINEM SCHÖPFER ZU DIENEN, OHNE MÜHSAL ERNÄHRT WERDEN. ABER ICH HABE MEINE WERKE VERDORBEN UND MEINE ERNÄHRUNG BEEINTRÄCHTIGT.
8ABBA GORJON AUS ÇADJAN SAGTE IM NAMEN DES ABBA GORJA: MAN MACHE SEINEN SOHN NICHT ZUM ESELTREIBER, KAMELFÜHRER, KUTSCHER, SCHIFFER, VIEHHIRT ODER KRÄMER, DENN IHR GEWERBE IST EIN RÄUBERGEWERBE. R. JEHUDA SAGTE IN SEINEM NAMEN: ESELTREIBER SIND MEIST FREVELHAFT, KAMELTREIBER SIND MEIST EHRLICH, SCHIFFER SIND MEIST FROMM. DER BESTE UNTER DEN ÄRZTEN FÜR DAS FEGEFEUER UND DER EHRLICHSTE UNTER DEN SCHLÄCHTERN IST EIN GESELLSCHAFTER A͑MALEQS.
9R. NEHORAJ SAGTE: ICH LASSE JEDES GEWERBE DER WELT UND LEHRE MEINEN SOHN NUR DIE TORA; VON IHREM LOHNE GENIESST DER MENSCH AUF DIESER WELT, UND DER STAMM BLEIBT IHM FÜR DIE ZUKÜNFTIGE WELT ERHALTEN, WAS ABER BEI JEDEM ANDEREN GEWERBE NICHT DER FALL IST. WENN EIN MENSCH KRANK, ALT ODER LEIDEND WIRD UND SEIN GEWERBE NICHT AUSÜBEN KANN, SO STIRBT ER VOR HUNGER, WAS ABER BEI DER TORA NICHT DER FALL IST. SIE BEHÜTET IHN VIELMEHR IN SEINER JUGEND VOR ALLEM BÖSEN UND GEWÄHRT IHM ZUKUNFT UND ZUVERSICHT IM ALTER.
10VON DER JUGEND HEISST ES: die auf den Herrn hoffen, legen neue Kraft an, UND VOM ALTER HEISST ES: noch im Greisenalter sprossen sie. SO HEISST ES VON UNSEREM VATER ABRAHAM: Abraham war alt &c. und der Herr hatte Abraham mit allem gesegnet. WIR FINDEN, DASS UNSER VATER ABRAHAM DIE GANZE TORA AUSGEÜBT HAT, NOCH BEVOR SIE VERLIEHEN WORDEN WAR, DENN ES HEISST: weil Abraham meiner Stimme gehorcht hat, meine Vorschrift bewahrt hat, meine Gebote, meine Satzungen und meine Lehren.
11GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Wer sich mit Frauen zu befassen hat, dessen Umgang ist schlecht, beispielsweise Goldschmiede, Flachshechler, Mühlenreiniger, Hausierer, Walker, Haarschneider und Wäscher. Von Badern, Bademeistern und Gerbern ist weder ein König noch ein Hochpriester zu wählen. – Weshalb? – Nicht etwa, weil sie makelhaft wären, sondern weil ihr Gewerbe verächtlich ist.
12Die Rabbanan lehrten: Zehn Dinge sagt man dem Bader nach: er geht nach der Seite geneigt, er ist hochmütig, er sitzt schwebend, er ist geizig, er ist mißgünstig, er ißt viel und scheidet wenig aus, und er ist verdächtig der Unzucht, des Raubs und des Blutvergießens.
13Bar Qappara trug vor: Stets lehre man seinen Sohn ein sauberes und leichtes Handwerk. – Welches ist dies? R. Jehuda erwiderte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.