Megilla — Blatt 11a
1Denn Knechte sind wir, doch hat uns unser Gott in unserer Knechtschaft nicht verlassen, sondern hat es gefügt, daß wir vor den Königen von Paras Gnade fanden; wann? Zur Zeit Hamans.
2R. Ḥenana b. Papa leitete diesen Abschnitt mit folgendem Schriftverse ein: Du hast Menschen über unser Haupt dahinfahren lassen, ins Feuer und ins Wasser sind wir gekommen. Ins Feuer, zur Zeit des gottlosen Nebukhadneçar; ins Wasser, zur Zeit des [gottlosen] Pareo͑; du hast uns ins Freie hinausgeführt, in den Tagen Hamans.
3R. Joḥanan leitete diesen Abschnitt mit folgendem Schriftverse ein: Er gedachte seiner Gnade und seiner Treue gegen das Haus Jisraél; alle Enden der Erde sahen das Heil unseres Gottes. Wann sahen alle Enden der Erde das Heil unseres Gottes? In den Tagen von Mordekhaj und Ester.
4Reš Laqiš leitete diesen Abschnitt mit folgendem Schriftverse ein: Wie ein brüllender Löwe und ein gieriger Bär, so ist ein gottloser Herrscher über ein geringes Volk. Ein brüllender Löwe, das ist der gottlose Nebukhadneçar, von dem es heißt: heraufgestiegen ist der Löwe aus seinem Dickicht. Ein gieriger Bär, das ist Aḥašveroš, von dem es heißt: darauf erschien ein anderes, zweites Tier, das glich einem Bären, und R. Joseph lehrte, dies seien die Perser, die gleich einem Bären essen und trinken, gleich einem Bären beleibt sind, gleich einem Bären das Haar wachsen lassen und gleich einem Bären keine Ruhe haben.
5Ein gottloser Herrscher, das ist Haman; ein geringes Volk, das sind die Jisraéliten, die arm an gottgefälligen Werken waren.
6R. Elea͑zar leitete diesen Abschnitt mit folgendem Schriftverse ein: Durch Faulheit senkt sich das Gebälk [jimakh hameqare] und durch Schlaffheit der Hände träufelt das Haus; wegen der Faulheit Jisraéls, sich mit der Tora zu befassen, ist der Feind des Heiligen, gepriesen sei er, arm geworden. ‘Makh’ bedeutet nämlich ‘arm’, wie es heißt: und wenn er zu arm [makh] ist, um den Schätzungswert zu entrichten, und ‘meqare’ deutet auf den Heiligen, gepriesen sei er, denn es heißt: der seine Söller im Wasser bälkt [meqare].
7R. Naḥman b. Jiçḥaq leitete diesen Abschnitt mit folgendem Schriftverse ein: Stufenlied. Wäre es nicht der Herr gewesen, der für ans war, so spreche Jisraél, wäre es nicht der Herr gewesen, der für uns war, als sich ein Mensch wider uns erhob; ein Mensch, aber kein König.
8Raba leitete diesen Abschnitt mit folgendem Schriftverse ein: Wenn die Frommen sich mehren, freut sich das Volk, aber unter einem gottlosen Herrscher seufzt das Volk. Wenn sich die Frommen mehren, freut sich das Volk, das sind Mordekhaj und Ester, wie es heißt: und die Stadt Šušan jauchzte und freute sich; unter einem gottlosen Herrscher seufzt das Volk, das ist Haman, wie es heißt: und die Stadt Šušan geriet in Bestürzung.
9R. Mathna zitierte folgenden Schriftvers: Denn wo wäre irgend eine große Nation, die einen Gott hätte, der ihr so nahe ist. R. Aši zitierte folgenden Schriftvers: Oder ob je ein Gott den Versuch gemacht hat &c.
10Und es war in den Tagen des Aḥašveroš. Rabh sagte: Wehe und ach! Hierauf bezieht sich der Schriftvers: und dort werdet ihr euren Feinden als Sklaven und Sklavinnen feilgeboten werden.
11Šemuél zitierte: Ich verwerfe sie nicht und verabscheue sie nicht, daß ich sie vertilgen sollte. Ich verwerfe sie nicht, in den Tagen der Griechen; und verabscheue sie nicht, in den Tagen des Kaisers Vespasian; daß ich sie vertilgen sollte, in den Tagen Hamans; daß ich meinen Bund mit ihnen brechen sollte, in den Tagen der Römer; denn ich bin der Herr, euer Gott, [dereinst] in den Tagen von Gog und Magog.
12In einer Barajtha wird gelehrt: Ich verwerfe sie nicht, in den Tagen der Kasdim, wo ich für sie Daniél, Ḥananja, Mišaél und A͑zarja auftreten ließ; und verabscheue sie nicht, in den Tagen der Griechen, wo ich für sie Šimo͑n den Gerechten, den Hašmonäer mit seinen Söhnen und Matithjahu den Hochpriester auftreten ließ; daß ich sie vertilgen sollte, in den Tagen Hamans, wo ich für sie Mordekhaj und Ester auftreten ließ; daß ich meinen Bund mit ihnen brechen sollte, in den Tagen der Römer, wo ich für sie das Haus Rabbis und die Weisen des Zeitalters auftreten ließ; denn ich bin der Herr, euer Gott, in Zukunft, daß nämlich keine Nation und kein Sprachstamm über sie Gewalt haben soll.
13R. Levi zitierte folgenden Schriftvers: Würdet ihr aber die Bewohner des Landes nicht vor euch austreiben.
14R. Ḥija zitierte folgenden Schriftvers:Und ich werde mit euch verfahren, wie ich mit ihnen zu verfahren gedachte.
15Aḥašveroš; Rabh erklärte: Bruder des Hauptes und Wahlverwandter des Hauptes. Bruder des Hauptes, Bruder des gottlosen Nebukhadneçar, der Haupt genannt wird, wie es heißt: du bist das goldene Haupt. Wahlverwandter des Hauptes, jener hat gemordet, dieser wollte morden; jener hat [den Tempel] zerstört, dieser wollte ihn zerstören, wie es heißt: und während der Regierung des Aḥašveroš, am Anfang seiner Regierung, schrieben sie eine Anklageschrift gegen die Bewohner von Jehuda und Jerušalem.
16Šemuél erklärte: In dessen Tagen wurde das Gesicht Jisraéls geschwärzt wie der Rand des Topfes. R. Joḥanan erklärte: Wer ihn nennt, der spricht: Ach über sein Haupt! R. Ḥanina erklärte: In dessen Tagen wurden alle verarmt, denn es heißt: und der König Aḥašveroš legte dem Lande einen Tribut auf.
17Das ist der Aḥašveroš; der von seinem Anfang bis zu seinem Ende in seiner Gottlosigkeit verharrte. Das ist der E͑sav; der von seinem Anfang bis zu seinem Ende in seiner Gottlosigkeit verharrte. Das sind Dathan und Abiram; die von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende in ihrer Gottlosigkeit verharrten. Das ist der König Ahaz; der von seinem Anfang bis zu seinem Ende in seiner Gottlosigkeit verharrte.
18Abram, das ist Abraham; der von seinem Anfang bis zu seinem Ende in seiner Frömmigkeit verharrte. Das sind Moše und Ahron; die von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende in ihrer Frömmigkeit verharrten. David, der war der kleinste; der von seinem Anfang bis zu seinem Ende in seiner Kleinheit verharrte: wie er während seiner Kleinheit bescheiden war dem gegenüber, der in der Tora größer war als er, so war er auch während seiner Regierung dem gegenüber bescheiden, der in der Weisheit größer war als er.
19Der regierte. Rabh erklärte: Der durch sich selbst zur Regierung gelangt war. Manche erklären es zum Lobe und manche erklären es zum Tadel. Manche erklären es zum Lobe: niemand war für das Königtum würdiger als er; manche erklären es zum Tadel: er war für das Königtum unwürdig, nur gab er viel Geld und wurde zum Könige eingesetzt.
20Von Hodu bis Kuš. Rabh und Šemuél [streiten hierüber]; einer sagt, Hodu liege an einem Ende der Welt und Kuš am entgegengesetzten Ende der Welt, und einer sagt, Hodu und Kuš liegen nebeneinander, er herrschte aber von einem Ende der Welt bis zum anderen, wie er von Hodu bis Kuš herrschte.
21Desgleichen heißt es: Denn er hatte Gewalt über das ganze Gebiet jenseits des Stromes von Tiphsaḥ bis A͑za; [auch hierüber streiten] Rabh und Šemuél; einer sagt, Tiphsaḥ liege an einem Ende der Welt und A͑za liege den entgegengesetzten Ende der Welt, und einer sagt, Tiphsaḥ und A͑za liegen nebeneinander, er herrschte aber über die ganze Welt, wie er über Tiphsaḥ und A͑za herrschte.
22Hundertsiebenundzwanzig Provinzen. R. Ḥisda sagte: Zuerst herrschte er über sieben, dann über zwanzig und später über hundert. – Es heißt ja: das Leben A͑mrams betrug hundertsiebenunddreißig Jahre, wie willst du nun dies auslegen!? – Anders ist es hierbei, wo der Schriftvers überflüssig ist; merke, es heißt ja bereits: von Hodu bis Kuš, wozu weiter: hundertsiebenundzwanzig Provinzen? Doch wohl zur Auslegung.
23Die Rabbanan lehrten: Drei beherrschten die ganze Himmelswölbung, und zwar: Aḥáb, Aḥašveroš und Nebukhadneçar. Aḥáb, denn es heißt: so wahr der Herr, dein Gott lebt: es gibt kein Volk noch Königreich, dahin mein Herr nicht gesandt hätte, dich zu suchen; wieso könnte er es beschwören, wenn seine Herrschaft nicht überall gereicht hätte.
24Nebukhadneçar, denn es heißt: dasjenige Volk und Königreich aber &c., das seinen Hals nicht in das Joch des Königs von Babel stecken will. Aḥašveroš, wie wir bereits erklärt haben. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.