Megilla — Blatt 10b

1erst jetzt, du sagtest ja, man brauche sie überhaupt nicht zu heiligen!? –

2Vielmehr, sie fanden diese vor und zählten sie mit auf. Und nicht nur diese, sondern in jeder Stadt, von der du eine Überlieferung von deinen Vorfahren hast, daß sie in den Tagen Jehošua͑s, des Sohnes Nuns, mit einer Mauer umgeben war, gelten all diese Gebote, weil die erste Heiligkeit sowohl für die damalige Zeit als auch für die Zukunft galt. Nun befindet sich ja R. Jišma͑él mit sich selbst in Widerspruch!?

3Wahrscheinlich streiten zwei Tannaím über die Ansicht des R. Jišma͑él b. Jose. Wenn du aber willst, sage ich: eines davon lehrte R. Elea͑zar b. Jose, denn es wird gelehrt: R. Elea͑zar b. Jose sagte: Die eine Mauer hatte, auch wenn sie jetzt keine hat, aber einst eine hatte.

4Und es war in den Tagen des Aḥašveroš. R. Levi, nach anderen R. Jonathan, sagte: Es ist eine Überlieferung von den Männern der Großsynode, daß, überall wo es es war heißt, ein Unglück sich zugetragen habe.

5Und es war in den Tagen des Aḥašveroš: da war Haman. Und es war in den Tagen, als die Richter regierten: da war eine Hungersnot. Und es war, als die Menschen anfingen, sich zu vermehren: da sah der Herr, daß die Bosheit der Menschen groß ward.

6Und es war, als sie im Osten umherzogen: wohlan, wir wollen uns eine Stadt bauen. Und es war in den Tagen Amraphels: da fingen sie Krieg an. Und es war, als sich Jehošua͑ in Jeriḥo befand:mit gezücktem Schwerte in der Hand. Und der Herr war mit Jehošua͑: da treulosten die Kinder Jisraél. Und es war ein Mann aus Ramathajim: Ḥanna hatte er lieber; der Herr hatte aber ihren Mutterschoß verschlossen.

7Und es war, als Šemuél alt geworden war: aber seine Söhne wandelten nicht in seinen Wegen. Und es war David erfolgreich: und Šaúl sah David scheel an. Und es war, als der König in seinem Hause saß: nur du wirst das Haus nicht bauen. –

8Es heißt ja aber: und es war am achten Tage, worüber gelehrt wird, dieser sei für den Heiligen, gepriesen sei er, ein Tag der Freude gewesen, gleich dem Tage, an dem Himmel und Erde erschaffen wurden, denn bei diesem heißt es: und es war am achten Tage, und bei jenem heißt es: und es war Morgen, ein Tag!? –

9An diesem starben ja Nadab und Abihu. –

10Es heißt ja aber: und es war im vierhundertundachtzigsten Jahre!? Ferner heißt es: und es war, als Ja͑qob die Raḥel sah!? Ferner heißt es: und es war Abend und es war Morgen, ein Tag, ein zweiter, ein dritter, und so weiter!?

11R. Aši erwiderte: Wenn es und es war heißt, so kann sich dieses oder anderes zugetragen haben, wenn es aber heißt: und es war in den Tagen, so hat sich nur ein Unglück zugetragen.

12An fünf [Stellen] heißt es: und es war in den Tagen: Und es war in den Tagen des Aḥašveroš. Und es war in den Tagen, als die Richter regierten. Und es war in den Tagen Amraphels. Und es war in den Tagen des Aḥaz. Und es war in den Tagen des Jehojaqim.

13Ferner sagte R. Levi: Es ist eine Überlieferung von unseren Vorfahren, daß Amoç und Amaçia Brüder waren.– Was lehrt er uns damit? –

14Das, was R. Šemuél b. Naḥmani im Namen R. Jonathans gesagt hat: Ist eine Schwiegertochter im Hause ihres Schwiegervaters keusch, so ist es ihr beschieden, daß Könige und Propheten aus ihr hervorgehen. – Woher dies? – Von Tamar. Es heißt: als Jehuda sie erblickte, hielt er sie für eine Buhldirne, denn sie hatte ihr Gesicht verhüllt; hielt er sie denn deshalb für eine Buhldirne, weil sie ihr Gesicht verhüllt hatte?

15Vielmehr, weil sie im Hause ihres Schwiegervaters das Gesicht zu verhüllen pflegte, sodaß er sie nicht erkannte. Daher war es ihr beschieden, daß Könige und Propheten aus ihr hervorgingen. Könige, das ist David, wieso Propheten? Das ist es, was R. Levi sagte, es sei eine Überlieferung von unseren Vorfahren, daß Amoç und Amaçia Brüder waren, und es heißt: die Offenbarung Ješa͑jas des Sohnes Amoç’.

16Ferner sagte R. Levi: Es ist eine Überlieferung von unseren Vorfahren, daß die Bundeslade keinen Raum einnahm.

17Ebenso wird auch gelehrt: Die Bundeslade, die Moše gefertigt hatte, hatte an jeder Seite zehn Ellen freien Raum. Es heißt nämlich: vor dem Hinterraume zwanzig Ellen lang; ferner heißt es, daß die Flügel des einen Kerub zehn Ellen hatten und die Flügel des anderen Kerub zehn Ellen hatten. Wo stand nun die Bundeslade selbst!? Schließe hieraus, daß sie durch ein Wunder gestanden hat.

18R. Jonathan leitete diesen Abschnitt mit folgendem Schriftverse ein: Und ich will mich wider sie erheben &c. und ich will von Babel ausrotten Namen und Rest, Schoß und Sproß, Spruch des Herrn. Namen, das ist die Schrift, Rest, das ist die Sprache, Schoß, das ist die Herrschaft, Sproß, das ist Vašti.

19R. Šemuél b. Naḥmani leitete diesen Abschnitt mit folgendem Schriftverse ein: Statt Dorngestrüpp wird die Cypresse emporwachsen und statt der Nesseln werden Myrten emporwachsen.

20Statt Dorngestrüpp, statt des gottlosen Haman, der sich als Götze ausgab, denn es heißt: in allen Dornsträuchern und in allen Triften;

21wird die Cypresse emporwachsen, das ist Mordekhaj, der das Haupt aller Gewürze ist, denn es heißt: du aber nimm dir die Hauptspezereien, die edelsten Myrrhen, was wir ‘mare dekhi’ übersetzen.

22Statt der Nesseln, statt der gottlosen Vašti, der Tochter des Sohnes des Frevlers Nebukhadneçar, der die Decke des Gotteshauses verbrannte, von der es heißt: seine Decke aus Gold;

23werden Myrten emporwachsen, das ist die fromme Ester, die Myrte genannt wird, wie es heißt: und er war Pflegevater der Hadasa [Myrte].Und es wird dem Herrn zum Ruhme gereichen, das ist das Lesen der Esterrolle; zu einem ewigen unvertilgbaren Merkzeichen, das sind die Purimtage.

24R. Jehošua͑ b. Levi leitete diesen Abschnitt mit folgendem Schriftverse ein: Und wie der Herr daran Freude hatte, euch Gutes zukommen zu lassen, so wird er daran Freude haben, euch Böses zukommen zu lassen.

25Freut sich denn der Heilige, gepriesen sei er, über das Unglück der Frevler, es heißt ja: während sie vor den Kampfgerüsteten einherzogen, sprachen sie: Danket dem Herrn, denn ewig währet seine Gnade, und hierzu sagte R. Joḥanan, in diesem Danksegen heiße es deshalb nicht denn gut ist er, weil der Heilige, gepriesen sei er, sich über das Unglück der Frevler nicht freue!?

26Ferner sagte auch R. Joḥanan: Es heißt: und sie kamen sich die ganze Nacht hindurch nicht zu nahe; die Dienstengel wollten nämlich ein Lied anstimmen, da sprach der Heilige, gepriesen sei er, zu ihnen: Mein Händewerk ertrinkt im Meere, und ihr wollt ein Lied anstimmen!?

27R. Elea͑zar erwiderte: Er selbst freut sich darüber nicht, andere aber läßt er sich freuen. Dies ist auch zu beweisen: es heißt ja: sich freuen lassen, nicht: sich freuen.

28R. Abba b. Kahana leitete diesen Abschnitt mit folgendem Schriftverse ein: Dem, der ihm gefällt, gibt er Weisheit und Erkenntnis und Freude, das ist der fromme Mordekhaj; dem Sünder aber gibt er das Geschäft, zu sammeln und aufzuhäufen, das ist Haman; um es dem zu geben, der Gott gefällt, das sind Mordekhaj und Ester, wie es heißt: Ester aber setzte Mordekhaj über das Haus Hamans.

29Rabba b. O͑phran leitete diesen Abschnitt mit folgendem Schriftverse ein: Ich will meinen Stuhl in E͑lam aufstellen und von dort König und Fürsten hinwegtilgen. König, das ist Vašti; Fürsten, das sind Haman und seine zehn Söhne.

30R. Dimi b. Jiçḥaq leitete diesen Abschnitt mit folgendem Schriftverse ein:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.