Megilla — Blatt 12a

1Ebenso wird auch gelehrt: Noch ein Jahr [fehlte] zur babylonischen [Gefangenschaft], und Darjaveš ergänzte es.

2Raba sagte: Auch Daniél hatte sich bei dieser Rechnung geirrt, denn es heißt: in seinem ersten Regierungsjahre achtete ich, Daniél, auf die Zahlen; aus [dem Worte] achtete ist zu entnehmen, daß er sich geirrt hatte. –

3Aber immerhin widersprechen ja die Verse einander; es heißt: volle [siebzig Jahre] für Babel, und es heißt: daß Jerušalem [siebzig Jahre] in Trümmern liege!?

4Raba erwiderte: Einer spricht nur vom Bedenken, und deshalb heißt es auch: so spricht Koreš, der König von Paras: Alle Königreiche auf Erden hat mir der Herr, der Gott des Himmels, übergeben und er beauftragte mich, ihm einen Tempel in Jerušalem zu bauen.

5R. Naḥman b. Ḥisda trug vor: Es heißt: so spricht der Herr zu seinem Gesalbten, zu Koreš, dessen Rechte ich ergriffen habe; war Koreš denn Gesalbter [Messias]? Vielmehr der Heilige, gepriesen sei er, sprach zum Messias: Ich klage bei dir Koreš an: ich beauftragte ihn meinen Tempel zu bauen und meine Gefangenen heimzuführen, er aber sprach: Wer irgend unter euch zu seinem Volke gehört &c. der ziehe hinauf.

6Das Heer von Paras und Madaj; dagegen aber heißt es: die Könige von Madaj und Paras!? Raba erwiderte: Sie verabredeten mit einander: wenn von uns Könige, dann Statthalter von euch, und wenn von euch Könige, dann Statthalter von uns.

7Wobei er den Reichtum seiner königlichen Herrlichkeit zeigte. R. Jose b. Ḥanina sagte: Dies lehrt, daß er die priesterlichen Gewänder angelegt hatte, denn hierheißt es: und die glänzende Pracht seiner Größe, und dortheißt es: zur Ehre und zur Pracht.

8Und nach Ablauf dieser Tage &c. Rabh und Šemuél [streiten hierüber]; einer sagt, er war ein weiser König, und einer sagt, er war ein törichter König. Nach demjenigen, welcher sagt, er war ein weiser König, handelte er vernünftig, daß er die Auswärtigen zuerst einlud, weil er die Einwohner seiner Stadt jeder Zeit besänftigen konnte; nach demjenigen aber, welcher sagt, er war ein törichter König, sollte er die Einwohner seiner Stadt zuerst einladen, denn, wenn jene abtrünnig geworden wären, so würden diese mit ihm gehalten haben.

9Die Schüler fragten R. Šimo͑n b. Joḥaj: Weshalb hatten die Feinde Jisraéls des damaligen Zeitalters den Untergang verdient? Dieser entgegnete: Sagt ihr es! Jene erwiderten: Weil sie von der Mahlzeit dieses Frevlers genossen hatten. – Demnach sollten doch nur die [Jisraéliten] in Šušan getötet werden, nicht aber die der ganzen Welt!? Darauf sprachen jene: Sage du es. Dieser erwiderte: Weil sie sich vor dem Götzenbilde gebückt hatten.

10Jene entgegneten: Würde man ihnen dies denn entschuldigt haben!? Dieser erwiderte: Sie taten es nur zum Scheine, und ebenso verfuhr der Heilige, gepriesen sei er, mit ihnen nur zum Scheine. Hierüber heißt es: denn nicht vom Herzen plagt er.

11Im Hofe des Gartens am, königlichen Palaste. Rabh und Šemuél [streiten hierüber]; einer sagt, je nach ihrer Würde, manche im Hofe, manche im Garten und manche im Palaste, und einer sagt, er ließ sie zuerst im Hofe sitzen, der sie aber nicht faßte, dann in dem Garten, der sie aber ebenfalls nicht faßte, bis er sie in den Palast brachte, der sie faßte. In einer Barajtha wird gelehrt: Er ließ sie im Hofe sitzen und öffnete ihnen zwei Türen, eine zum Garten und eine zum Palaste.

12Weißes Baumwollenzeug [ḥur, karpas] und purpurblaues Tuch. – Was heißt ḥur? – Rabh erklärte, Durchlöchertes, und Šemuél erklärte, weißes Linnen (habe er ihnen ausgebreitet). – Was heißt karpas? R. Jose b. Ḥanina erklärte: Gestreifte Polster.

13An silbernen Ringen und marmornen Säulen; Polster von Gold und Silber. Es wird gelehrt: R. Jehuda sagte: Die für silberne würdig waren, auf silbernen, und die für goldene würdig waren, auf goldenen. R. Neḥemja sprach zu ihm: Demnach wird ja Neid bei der Mahlzeit heraufbeschworen! Vielmehr waren diese selbst aus Silber und die Füße aus Gold.

14Alabaster und weißen Marmor. R. Asi erklärte: Steine, zu denen die Eigentümer durch Mühe gelangen. So heißt es auch: Diademsteine, die auf seinem Boden funkeln.

15Und Perlmutterstein und gefleckten Marmor. Rabh erklärte: Reihenweise. Šemuél erklärte: In den Seestädten gibt es einen Edelstein, der ‘Perlmutterstein’ heißt; diesen setzte er in die Mitte der Tafel, und er leuchtete ihnen. In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Er gewährte allen Händlern Freiheit.

16Die Getränke aber reichte man in goldenen Gefäßen und vielen anderen Gefäßen. Es sollte doch ‘verschiedenen’ heißen!? Raba erwiderte: Eine Hallstimme ertönte und sprach zu ihnen: Die früheren gingen wegender Gefäße zugrunde, und ihr trinkt aus ihnen zum ‘anderen’ Male. Und königlichen Wein. Rabh sagte: Dies lehrt, daß man jedem Wein reichte, der älter war als er.

17Das Trinken geschah nach Verordnung. Was heißt ‘nach Verordnung’? R. Ḥanan erwiderte im Namen R. Meírs: Nach Verordnung der Tora: wie nach Verordnung der Tora Speisen mehr verbraucht werden als Getränke, ebenso wurden bei der Mahlzeit dieses Frevlers mehr Speisen verbraucht als Getränke.

18Ohne Nötigung. R. Elea͑zar sagte: Dies lehrt, daß man jedem vom Wein seiner Heimat reichte. Den Wunsch jedes Mannes zu erfüllen. Raba erklärte: Den Wunsch Mordekhajs und den Wunsch Hamans zu erfüllen; von Mordekhaj heißt es:ein Mann, ein Judäer, und von Haman heißt es: ein Mann, ein Widersacher und Feind.

19Auch die Königin Vašti veranstaltete ein Gastmahl für die Frauen im königlichen Palaste. Dieses sollte doch im Frauenpalaste stattfinden!? Raba erwiderte: Beide hatten sie sündhafte Absichten. Das ist es, was die Leute sagen: Er mit Kürbissen und seine Frau

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.