Megilla — Blatt 12b

1mit Gurken.

2Am siebenten Tage, als das Herz des Königs vom Weine fröhlich war. War denn sein Herz bis dahin nicht vom Weine fröhlich!? Raba erwiderte: Dieser siebente Tag war ein Šabbath, an dem die Jisraéliten, wenn sie essen und trinken, sich mit Worten der Tora und Lobgesängen befassen; wenn aber die weltlichen Völker essen und trinken, so befassen sie sich nur mit Worten der Ausgelassenheit.

3So geschah es auch bei der Mahlzeit dieses Frevlers; die einen sagten, die Mederinnen seien schöner, und die anderen sagten, die Perserinnen seien schöner. Hierauf sprach Aḥašveroš: Das Gerät, dessen ich mich bediene, ist weder aus Medien noch aus Persien, sondern aus Kasdim, wollt ihr es sehen? Diese erwiderten: Freilich, nur muß sie nackt sein.

4Wie der Mensch verfährt, so verfährt man mit ihm. Dies lehrt, daß die ruchlose Vašti Jisraélitinnen holen zu lassen, sie nackt auszuziehen und am Šabbath arbeiten zu lassen pflegte. Deshalb heißt es auch: nach diesen Begebenheiten, als sich der Zorn des Königs Aḥašveroš gelegt hatte, gedachte er der Vašti und dessen, was sie getan hatte, und dessen, was über sie beschlossen worden war; wie sie getan hatte, so wurde über sie beschlossen.

5Und die Königin Vašti weigerte sich. Merke, sie war ja ausgelassen, denn der Meister sagte, sie hatten beide sündhafte Absichten, weshalb nun kam sie nicht!? R. Jose b. Ḥanina erwiderte: Dies lehrt, daß sie vom Aussatz befallen wurde. In einer Barajtha wird gelehrt, Gabriél kam und setzte ihr einen Schwanz an.

6Und der König zürnte sehr. Weshalb entbrannte [sein Zorn] so sehr? Raba erwiderte: Sie ließ ihm antworten: Der Stallmeister meines Großvaters trank Wein vor Tausenden und betrank sich nicht, dieser Mann aber wurde in seinem Weinrausche sinnlos. Alsdann: und sein Zorn brannte in ihm.

7Da sprach der König zu den Weisen. Wer sind diese Weisen? – Die Rabbanan. Die sich auf die Zeiten verstehen; die die Interkalation der Jahre und die Festsetzung der Monate verstehen. Er sprach zu ihnen: Urteilt sie mir ab. Da sprachen sie: Was machen wir nun: sagen wir ihm, daß er sie töten lasse, so könnte er morgen, wenn sein Weinrausch vorüber ist, sie von uns fordern; sagen wir ihm, daß er sie zufrieden lasse, so hat sie ja seine Majestät beleidigt. Hierauf sprachen sie zu ihm: Seitdem der Tempel zerstört worden ist und wir aus unserem Lande verbannt worden sind, ist uns Rat genommen worden, und wir verstehen uns auf das Strafrecht nicht. Wende dich vielmehr an A͑mmon und Moab, die auf ihrem Platze weilen, wie der Wein auf seiner Hefe.

8Sie hatten auch Recht, denn es heißt: von Jugend auf hatte Moab Ruhe und lag ungestört auf seinen Hefen; es ward nicht aus einem Gefäße in ein anderes umgegossen, noch ist es in Gefangenschaft gewandert; darum hat es seinen Geschmack behalten und sein Duft hat sich nicht gewandelt. Alsdann: Und ihm am nächsten standen: Karšena, Šetar, Admata, Taršiš.

9R. Levi sagte: Dieser Schriftvers bezieht sich ganz auf die Opfer.

10Karšena: die Dienstengel sprachen vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, haben etwa auch die anderen vor dir erstjährige Fettschafe dargebracht, wie Jisraél solche vor dir dargebracht hat!? Šetar: haben etwa die anderen vor dir zwei Turteltauben dargebracht!? Admata: haben dir etwa auch die anderen einen irdenen Altar errichtet!? Taršiš: haben etwa auch die anderen vor dir Dienst in Priestergewändern getan, bei denen es heißt: Taršiš, Šoham und Jaspe. Meres: haben etwa auch die anderen [Opfer]blut vor dir umgerührt!? Marsena: haben etwa auch die anderen vor dir Speisopfer umgerührt!? Memukhan: haben dir etwa auch die anderen einen Tisch hergerichtet!?

11Da sprach Memukhan: Es wird gelehrt: Memukhan ist Haman, und nur deshalb wird er Memukhan genannt, weil er für das Unglück vorbereitet war. R. Kahana sagte: Hieraus, daß der Gemeine zuerst hervortritt.

12Daß jeder Mann herrsche in seinem Hause. Raba sagte: Wenn nicht diese ersten Briefe, würde von den Feinden Jisraéls kein Rest und kein Entkommener zurückgeblieben sein.

13Sie sprachen: Was sagt er uns da? Daß jeder Mann in seinem Hause herrsche, ist ja selbstverständlich! Auch der Glatzkopf ist ja Befehlshaber in seinem Hause.

14Und der König bestelle Beamte. Rabh sagte: Es heißt: der Kluge tut alles mit Verstand, ein Tor aber kramt Narrheit aus.

15Der Kluge tut alles mit Verstand, das ist der König David, bei dem es heißt: da sprachen seine Diener zu ihm: Man muß für meinen Herrn, den König, ein Mädchen, eine Jungfrau suchen; wer eine Tochter hatte, brachte sie ihm: Ein Tor aber kramt Narrheit aus, das ist Aḥašveroš, bei dem es heißt: und der König bestelle Beamte; wer eine Tochter hatte, versteckte sie vor ihm.

16Ein Mann, ein Judäer, war in der Burg Šušan &c. ein Binjaminite. Wozu [werden die Vorfahren genannt], wenn wegen seiner Abstammung, so sollte er sie doch bis Binjamin aufzählen, weshalb nur diese!? –

17Es wird gelehrt: All diese Namen deuten auf ihn selbst hin; der Sohn Jaírs: ein Sohn, der durch sein Gebet die Augen Jisraéls aufleuchten [heír] ließ; der Sohn Šimiš: ein Sohn, dessen Gebet Gott erhört [šama͑] hat; der Sohn Qiš’: ein Sohn, der an die Pforten der Barmherzigkeit geklopft [heqiš] hat, und sie ihm geöffnet wurden. –

18Er nennt ihn Judäer, wonach er von Jehuda stammte, dagegen nennt er ihn Binjaminite, wonach er von Binjamin stammte!? R. Naḥman erwiderte: Mordekhaj war mit Namen gekrönt.

19Raba b. Bar Ḥana erwiderte im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi: Sein Vater stammte von Binjamin und seine Mutter stammte von Jehuda, Die Rabbanan erwiderten: Die Stämme stritten miteinander um ihn: der Stamm Jehuda sagte, er habe die Geburt Mordekhajs veranlaßt, weil David den Šimi, den Sohn Geras, nicht tötete, und der Stamm Binjamin sagte, er stamme ja von ihm ab.

20Raba sagte: Die Gemeinde Jisraél spricht entgegengesetzt: Sehet, was ein Judäer mir getan hat und wie ein Binjaminite mir vergolten hat. Was ein Judäer mir getan hat:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.