Megilla — Blatt 18a
1darnach werden die Kinder Jisraéls umkehren und den Herrn, ihren Gott, und David, ihren König, suchen. Sobald David gekommen ist, kommt das Gebet, denn es heißt: ich bringe sie zu meinem heiligen Berge und erfreue sie in meinem Bethause.
2Sobald das Gebet da ist, kommt der Tempeldienst, denn es heißt: ihre Brandopfer und ihre Schlachtopfer sollen mir wohlgefällig sein auf meinem Altar. Und sobald der Tempeldienst da ist, kommt das Dankopfer, denn es heißt: wer Dank opfert, ehrt mich. –
3Weshalb setzten sie den Priestersegen hinter den Danksegen? – Es heißt: sodann erhob Ahron seine Hände nach dem Volke und segnete sie; und er stieg herab, nachdem er das Sündopfer, das Brandopfer und das Heilsopfer besorgt hatte. –
4Vielleicht vor [dem Segen] vom Tempeldienste? – Dies ist nicht einleuchtend, denn es heißt: er stieg herab, nachdem er besorgt hatte das Sündopfer &c.; es heißt nicht: um zu besorgen, sondern: nachdem er besorgt hatte. –
5Sollte man ihn nach dem Segen vom Tempeldienste sprechen!? – Dies ist nicht einleuchtend, denn es heißt: wer Dank opfert, ehrt mich. –
6Was veranlaßt dich, dich auf diesen Schriftvers zu stützen, stütze dich auf jenen!? – Es ist einleuchtend, weil der Tempeldienst und das Dankopfer im Zusammenhange stehen. –
7Weshalb setzten sie [den Segen] ‘Setze Frieden’ hinter den Priestersegen? – Es heißt: sie sollen meinen Namen auf die Kinder Jisraél legen, und ich will ihnen Segen zuteil werden lassen, und der Segen des Heiligen, gepriesen sei er, ist Frieden, denn es heißt: der Herr segnet sein Volk mit Frieden. –
8Worin bestand, wenn hundertundzwanzig Greise, darunter viele Propheten, bereits vorher das Gebet in seiner Reihenfolge angeordnet hatten, die Ordnung Šimo͑n des Flachsmannes!? – Unter ‘ordnete’ ist zu verstehen, man hatte sie vergessen und er setzte die Reihenfolge wieder fest.
9Weiter darf man die Lobpreisung des Heiligen, gepriesen sei er, nicht ausdehnen. R. Elea͑zar sagte nämlich: Es heißt: wer kann die Machttaten des Herrn ausreden, all seinen Ruhm verkünden; wem gebührt es, die Machttaten des Herrn auszureden? Dem, der all seinen Ruhm verkünden könnte.
10Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Wer den Ruhm des Heiligen, gepriesen sei er, übermäßig aufzählt, wird aus der Welt entwurzelt, denn es heißt: soll ihm erzählt werden, wenn ich reden will? Hat ein Mensch gefordert, daß er vernichtet werde?
11R. Jehuda aus Kephar Neburja, manche sagen, aus Kephar Nebur Ḥajil, trug vor: Es heißt: Schweigen ist deine Lobpreisung; Schweigsamkeit ist die beste Würze. Als R. Dimi kam, erzählte er: Im Westen sagen sie: Ein Wort um einen Sela͑, Schweigen um zwei.
12HAT MAN SIE AUSWENDIG &C. GELESEN, SO HAT MAN SEINER PFLICHT NICHT GENÜGT. Woher dies? Raba erwiderte: Dies ist aus dem Worte Erinnerung zu entnehmen; hier heißt es: diese Tage sollen in Erinnerung bleiben, und dort heißt es: schreibe dies als Erinnerung in das Buch; wie dort in ein Buch, ebenso hierbei aus einem Buche. –
13Woher daß die Erinnerung durch [lautes] Lesen erfolgen muß, vielleicht genügt auch das Denken!? – Dies ist nicht einleuchtend, denn es wird gelehrt: Erinnere; man könnte glauben, im Herzen, so heißt es:du sollst nicht vergessen, womit es bereits vom Vergessen im Herzen gesagt ist; somit muß die Erinnerung mit dem Munde erfolgen.
14HAT MAN SIE TARGUMISGH GELESEN, SO HAT MAN SEINER PFLICHT NIGHT GENÜGT &C. In welchem Falle? Wollte man sagen, wenn sie hebräisch geschrieben ist und man sie targumisch gelesen hat, so ist dies ja ‘auswendig’!? – Dies ist für den Fall nötig, wenn sie targumisch geschrieben ist und man sie targumisch gelesen hat.
15FREMDSPRACHIGEN LESE MAN SIE IN FREMDER SPRACHE VOR &C. Du sagtest ja, man habe seiner Pflicht nicht genügt, wenn man sie in einer anderen Sprache gelesen hat!? – Rabh und Šemuél erklärten beide: Unter ‘Fremdsprache’ ist das Griechische zu verstehen. –
16In welchem Falle: wollte man sagen, wenn sie assyrisch geschrieben ist und man sie griechisch gelesen hat, so ist dies ja ‘auswendig’!?
17R. Aḥa erwiderte im Namen R. Elea͑zars: Wenn sie griechisch geschrieben ist. Ferner sagte R. Aḥa im Namen R. Elea͑zars: Woher, daß der Heilige, gepriesen sei er, Ja͑qob ‘El’ [Gott] nannte? Es heißt: und er nannte ihn El, der Gott Jisraéls; wollte man sagen, Ja͑qob habe den Altar ‘El’ genannt, so müßte es ja heißen: und Ja͑qob nannte ihn. Vielmehr heißt dies: und er nannte Ja͑qob ‘El’. Wer nannte ihn ‘El’? Der Gott Jisraéls.
18Man wandte ein: Hat man sie ägyptisch, hebräisch, e͑lamisch, medisch oder griechisch gelesen, so hat man seiner Pflicht nicht genügt!? –
19Dieser Fall gleicht folgender Lehre: Hat man sie ägyptisch für Ägypter, hebräisch für Hebräer, e͑lamisch für E͑lamer oder griechisch für Griechen gelesen, so hat man seiner Pflicht genügt. –
20Wozu brauchen demnach Rabh und Šamuel zu erklären, unter Fremdsprache in unserer Mišna sei das Griechische zu verstehen, sie können dies ja auf jede andere Fremdsprache beziehen!? – Die Lehre von Rabh und Šemuél ist anderweitig gelehrt worden. Rabh und Šemuél sagten nämlich beide, das fremdländische Griechisch sei für jeden zulässig. –
21Er lehrt ja aber, Griechisch für Griechen sei zulässig; also nur für Griechen, für andere aber nicht!? – Sie sind der Ansicht des R. Šimo͑n b. Gamliél, denn wir haben gelernt: R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, auch Bücher [der heiligen Schrift] habe man nur griechisch zu schreiben erlaubt. –
22Sollten sie doch sagen, die Halakha sei wie R. Šimo͑n b. Gamliél!? – Würden sie gesagt haben, die Halakha sei wie R. Šimo͑n b. Gamliél, so könnte man glauben, dies gelte nur von den übrigen Büchern, nicht aber von der Esterrolle, von der es heißt: gemäß ihrer Schrift, so lehrt er uns.
23HAT EIN FREMDSPRACHIGER SIE ASSYRISCH GEHÖRT, SO HAT ER SEINER PFLICHT GENÜGT &C. Er versteht ja aber nicht, was gesprochen wird!? – So verhält es sich auch bei Frauen und Leuten aus dem gemeinen Volke.
24Rabina wandte ein: Wissen wir denn, was die Aḥaštranim, Kinder der Ramakhim, sind? Vielmehr ist das Lesen an sich Gebot, zur Bekanntmachung des Wunders, ebenso ist auch in diesem Falle das Lesen an sich Gebot, zur Bekanntmachung des Wunders.
25HAT MAN SIE UNTERBRECHEND &C. SO HAT MAN SEINER PFLICHT GENÜGT. Die Jünger wußten nicht, was serugin [unterbrechend] bedeute; da hörten sie einst, wie die Magd Rabbis den einzeln eintretenden Jüngern zurief: Wie lange noch werdet ihr serugin gehen!?
26Die Jünger wußten nicht, was Ḥaluglugoth bedeute; da hörten sie einst, wie die Magd Rabbis einem Manne, der ein Bündel Portulak löste, zurief: Wie lange noch wirst du deine Ḥaluglugoth ausstreuen!?
27Die Jünger wußten nicht die Bedeutung [des Verses]: salseleha, so wird sie dich erheben; da hörten sie einst, wie die Magd Rabbis einem Manne, der sein Haar kräuselte, zurief: Wie lange noch wirst du dein Haar salsel tun!?
28Die Jünger kannten nicht die Bedeutung [des Verses]: wirf dein Jehab [Bürde] auf den Herrn; da erzählte Rabba b. Bar Ḥana: Einst ging ich, eine Bürde tragend, mit einem Araber, und er sprach zu mir: Lege dein Jehab auf mein Kamel.
29Die Jünger kannten nicht die Bedeutung [des Verses]: ich werde sie mit einem Meṭaṭa [Besen] der Vernichtung wegfegen; da hörten sie einst, wie die Magd Rabbis zu ihrer Genossin sprach: Nimm ein Taṭita und fege das Zimmer aus.
30Die Rabbanan lehrten: Hat man sie unterbrechend gelesen, so hat man seiner Pflicht genügt,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.