Megilla — Blatt 17b

1sie sollen sein, sie sollen bei ihrem Sein verbleiben. – Was ist der Grund der Rabbanan? – Die Schrift sagt: höre, in jeder Sprache, die du hörst. –

2Und Rabbi, es heißt ja höre!? – Dies deutet darauf, daß man die Ohren hören lasse, was der Mund spricht. – Und die Rabbanan!? – Sie sind der Ansicht desjenigen, welcher sagt, wer das Šema͑ liest, ohne es seine Ohren hören zu lassen, habe seiner Pflicht genügt. –

3Und die Rabbanan, es heißt ja: sie sollen sein!? – Dies deutet darauf, daß man es nicht rückwärts lese!? – Woher entnimmt Rabbi, daß man es nicht rückwärts lese!? – Aus [dem Artikel] die Worte. – Und die Rabbanan!? – Sie folgern nichts aus [dem Artikel] die Worte. –

4Es ist anzunehmen, daß Rabbi der Ansicht ist, die ganze Tora dürfe in jeder Sprache gelesen werden, denn wollte man sagen, nur in der Heiligensprache, wozu heißt es: sie sollen sein!? –

5Dies ist nötig; man könnte das höre nach den Rabbanan auslegen, daher schrieb der Allbarmherzige: sie sollen sein. –

6Es wäre anzunehmen, daß die Rabbanan der Ansicht sind, die ganze Tora dürfe nur in der Heiligensprache gelesen werden; denn wollte man sagen, sie dürfe in jeder anderen Sprache gelesen werden, so brauchte er ja nicht höre zu schreiben? –

7Dies ist nötig; man könnte [die Worte] sie sollen sein nach Rabbi auslegen, so schrieb der Allbarmherzige: höre. –

8Woher dies vom Gebete? – Es wird gelehrt: Šimo͑n der Flachsmann ordnete vor R. Gamliél in Jabne die achtzehn Segenssprüche in ihrer Reihenfolge an. R. Joḥanan sagte, und wie manche sagen, wurde es in einer Barajtha gelehrt: Hundertundzwanzig Greise, unter ihnen viele Propheten, ordneten die achtzehn Segenssprüche in ihrer Reihenfolge an.

9Die Rabbanan lehrten: Woher, daß man den Vätersegen spricht? Es heißt:gebt dem Herrn, ihr Mächtigen. Woher, daß man [den Segen] von der [Regen]kraft spricht? Es heißt: gebt dem Herrn Herrlichkeit und Stärke. Woher, daß man [den Segen] von der Heiligung [Gottes] spricht? Es heißt: gebt dem Herrn die Herrlichkeit seines Namens, werft euch vor dem Herrn nieder in heiligem Schmucke. –

10Weshalb setzten sie [den Segen] von der Einsicht hinter den von der Heiligung Gottes? – Es heißt: sie werden den Heiligen Ja͑qobs heilig halten und vor dem Gotte Jisraéls Schrecken empfinden, und hierauf folgt: die verirrten Geistes waren, werden Einsicht lernen. – Weshalb setzten sie [den Segen] von der Buße hinter den von der Einsicht? – Es heißt: und sein Herz einsichtig werde und Buße tue und Heilung erfahre. –

11Demnach sollte man ja [den Segen] von der Heilung hinter den von der Buße setzen!? – Dies ist nicht einleuchtend, denn es heißt: er möge sich zum Herrn bekehren, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserem Gotte, denn er wird reichlich vergeben. –

12Was veranlaßt dich, dich auf diesen Schriftvers zu stützen, stütze dich auf jenen!? – Es gibt noch einen zweiten Schriftvers: der dir alle deine Schuld vergab, alle deine Gebrechen heilte und dein Leben aus der Grube erlöste. – Demnach sind [der Segen] von der Erlösung und der von der Heilung hinter den von der Vergebung zu setzen, während es ja heißt: und Buße tue und Heilung erfahre!? – Dies gilt nicht von der Heilung [physischer] Krankheiten, sondern von der Vergebung. –

13Weshalb setzten sie den Segen von der Erlösung als siebenten? Raba erwiderte: Da sie dereinst im siebenten erlöst werden, so setzte man ihn als siebenten. – Der Meister sagte ja aber, daß im sechsten Jahre Stimmen erschallen, im siebenten Kriege entstehen werden und am Ausgange des siebenten Jahres der Sohn Davids kommen werde!? – Die Kriege sind eben Beginn der Erlösung. –

14Weshalb setzten sie [den Segen] von der Heilung als achten? R. Aḥa erwiderte: Da die Beschneidung, die der Heilung bedarf, am achten [Tage] erfolgt, so setzte man ihn als achten. –

15Weshalb setzten sie den Jahressegen als neunten? R. Alexandri erwiderte: Wider die Preistreiber, [von denen] es heißt: zerbrich den Arm des Gottlosen, und dies sagte David im neunten Psalm.

16Weshalb setzten sie [den Segen] von der Einsammlung der Exulanten hinter den Jahressegen? – Es heißt: ihr aber, ihr Berge Jisraéls, laßt euer Laub sprossen and tragt eure Frucht für mein Volk Jisraél; denn bald werden sie heimkehren. Sobald die Exulanten gesammelt sind, wird über die Gottlosen Gericht gehalten, denn es heißt: Ich will wieder meine Hand gegen dich kehren und will wie mit Lauge dein unedles Metall ausschmelzen; und darauf folgt: ich will dir wieder Richter geben, wie zuvor.

17Sobald über die Gottlosen Gericht gehalten worden ist, gehen auch die Minäer zugrunde, und mit ihnen die Frevler, denn es heißt: Zerschmetterung über die Frevler und die Sünder insgesamt.

18Sobald die Minäer zugrunde gegangen sind, erhebt sich das Horn der Frommen, denn es heißt: alle Hörner der Gottlosen will ich abhauen, und die Hörner der Frommen sollen hoch erhoben sein, und mit den Frommen auch die Proselyten, denn es heißt: vor einem grauen Haupte sollst du aufstehen und die Person eines Greises ehren, und darauf folgt: wenn ein Fremder sich bei dir aufhält. –

19Wo erhebt sich deren Horn? – In Jerušalem, denn es heißt: erbittet Frieden für Jerušalem; mögen deine Liebenden Ruhe finden.

20Sobald Jerušalem erbaut ist, kommt David, denn es heißt:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.