Megilla — Blatt 19a
1SCHWÄRZE: Schusterschwärze. DIPHTHERA. [Eine Haut], die mit Salz und Mehl, jedoch nicht mit Galläpfeln bearbeitet wurde. PAPIER: Staudenpapier.
2IN ASSYRISCHER SCHRIFT GESCHRIEBEN. Denn es heißt: gemäß ihrer Schrift und ihrer Zeit.
3AUF PERGAMENT UND MIT TINTE &C. Woher dies? – Dies ist aus [dem Ausdrucke] schreiben zu entnehmen; hier heißt es: und die Königin Ester schrieb, und dort heißt es: Barukh antwortete ihnen: Er sagte mir mündlich all diese Worte vor, während ich sie mit Tinte in das Buch schrieb.
4WENN EIN EINWOHNER EINER [OFFENEN] STADT SICH IN EINE BEFESTIGTE STADT ODER EIN EINWOHNER EINER BEFESTIGTEN STADT SICH IN EINE [OFFENE] STADT BEGEBEN HAT, SO LESE ER, FALLS ER NACH SEINEM ORTE ZURÜCKKEHREN WIRD, NACH DEM BRAUCHE SEINES ORTES, WENN ABER NICHT, SO LESE ER MIT IHNEN.
5WO BEGINNE MAN DIE ESTERROLLE ZU LESEN, UM SEINER PFLICHT ZU GENÜGEN? R. MEÍR SAGT, MAN LESE SIE VOLLSTÄNDIG; R. JEHUDA SAGT, [VOM ABSATZ] ‘EIN JUDÄER’; R. JOSE SAGT, [VOM ABSATZ] ‘NACH DIESEN BEGEBENHEITEN.
6GEMARA. Raba sagte: Dies bezieht sich nur auf den Fall, wenn er zur Nacht des vierzehnten zurückkehren wird, wenn er aber zur Nacht des vierzehnten nicht zurückkehren wird, so lese er mit ihnen. Raba sprach: Woher entnehme ich dies? Es heißt: daher machen die Judäer auf dem offenen Lande, die in offenen Städten wohnen; wozu heißt es: die in offenen Städten wohnen, wo es schon heißt: die Judäer auf dem offenen Lande? Dies lehrt uns folgendes: wer einen Tag in einer offenen Stadt [wohnt], gilt als [Einwohner einer] offenen Stadt. –
7Wir wissen dies von der offenen Stadt, woher dies von der mit einer Mauer umgebenen Stadt!? – Dies ist einleuchtend; wenn man mit einem Tage [Einwohner einer] offenen Stadt heißt, so heißt man mit einem Tage auch [Einwohner einer] mit einer Mauer umgebenen Stadt.
8Ferner sagte Raba: Wenn ein Dörfling sich in eine Stadt begibt, so lese er auf jeden Fall mit ihnen. – Aus welchem Grunde? – Dieser sollte eigentlich wie die Städter lesen, nur haben die Rabbanan für die Dörflinge eine Erleichterung getroffen, damit sie Zeit haben, Wasser und Speise für ihre Brüder in den Großstädten zu besorgen; aber dies nur, wenn er in seinem Orte ist, wenn er aber in der Stadt ist, lese er mit den Städtern.
9Abajje wandte gegen ihn ein: Wenn ein Einwohner einer befestigten Stadt sich in eine [offene] Stadt begibt, so lese er auf jeden Fall wie in seinem Orte. Wie ist dies bei einem Einwohner einer befestigten Stadt möglich, bei diesem hängt es ja davon ab, ob er zurückkommt!? Wahrscheinlich ist ‘Dörfling’ zu lesen. –
10Du mußt ja korrigieren, so lies: er lese mit ihnen.
11WO BEGINNE MAN DIE ESTERROLLE ZU LESEN &C. Es Wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Joḥaj sagte: [Vom Absatz:] ‘In jener Nacht’.
12R. Joḥanan sprach: Alle folgerten sie aus ein und demselben Schriftverse: Und die Königin Ester und der Judäer Mordekhaj schrieben mit der ganzen Macht. Nach demjenigen, welcher sagt, man müsse sie vollständig lesen, wird hier von der Macht des Aḥašveroš gesprochen;
13nach demjenigen, welcher sagt, [vom Absatz] ‘Ein Judäer’, wird hier von der Macht des Mordekhaj gesprochen; nach demjenigen, welcher sagt, [vom Absatz] ‘Nach diesen Begebenheiten’, wird hier von der Macht des Haman gesprochen; und nach demjenigen, welcher sagt, [vom Absatz] ‘In jener Nacht’, wird hier von der Macht des Wunders gesprochen.
14R. Hona sagte: Aus folgendem: was sie veranlaßt hat und was an sie gelangt war.
15Nach demjenigen, welcher sagt, man müsse sie ganz lesen: was Aḥašveroš veranlaßt hat, sich der Gefäße des Tempels zu bedienen, weil nämlich die siebzig Jahre verstrichen und [die Jisraéliten] nicht erlöst worden waren; und was an sie gelangt war: daß er Vašti tötete.
16Nach demjenigen, welcher sagt, [vom Absatz] ‘Ein Mann’: was Mordekhaj veranlaßt hat, Haman zu reizen, weil er sich als Götze ausgab; und was an sie gelangt war: daß ihnen ein Wunder geschah.
17Nach demjenigen, welcher sagt, [vom Absatz] ‘Nach diesen Begebenheiten’: was Haman veranlaßt hat, sich gegen alle Judäer zu empören, weil Mordekhaj sich vor ihm nicht bückte; und was an sie gelangt war: daß man ihn samt seinen Söhnen an den Galgen hängte.
18Und nach demjenigen, welcher sagt, [vom Absatz] ‘In jener Nacht’: was Aḥašveroš veranlaßt hat, das Buch der Denkwürdigkeiten holen zu lassen, weil Ester Haman zum Gastmahle lud; und was an sie gelangt war: daß ein Wunder geschah.
19R. Ḥelbo sagte im Namen des R. Ḥama b. Gorja im Namen Rabhs: Die Halakha ist wie derjenige, welcher sagt, man müsse sie vollständig lesen; und auch nach demjenigen, welcher sagt, [vom Absatz] ‘Ein Judäer’, muß sie vollständig geschrieben sein.
20Ferner sagte R. Ḥelbo im Namen Rabhs: Die Esterrolle heißt ‘Buch’ als auch ‘Brief’. Buch heißt sie insofern, als sie unbrauchbar ist, wenn man sie mit Leinenfäden zusammengenäht hat; Brief heißt sie insofern, als sie brauchbar ist, wenn man [beim Zusammennähen] drei Adern verwendet hat. R. Naḥman sagte: Nur müssen sie dreifaltig sein.
21R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Wenn jemand die Esterrolle aus [einem Buche der] Hagiographen liest, mit denen sie geschrieben ist, so hat er seiner Pflicht nicht genügt. Raba sprach: Dies nur, wenn sie nicht etwas kürzer oder länger ist, wenn sie aber etwas kürzer oder länger ist, ist nichts dabei.
22Levi b. Šemuél las vor R. Jehuda aus einer Esterrolle,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.