Megilla — Blatt 5b
1auch badete er am siebzehnten Tammuz in der Quelle von Sepphoris. Ferner wollte er auch die Trauer des Neunten Ab aufheben, man pflichtete ihm aber nicht bei.
2R. Abba b. Zabhda sprach vor ihm: Meister, nicht so verhielt es sich; der Neunte Ab fiel dann auf einen Šabbath und wir verlegten ihn auf Sonntag, da sagte Rabbi: Da er verdrängt worden ist, so möge er ganz verdrängt werden. Jedoch stimmten ihm die Weisen nicht bei. Da sprach er über ihn: Besser sind zwei als einer. –
3Wieso pflanzte Rabbi einen Setzling am Purimfeste, R. Joseph lehrte ja: Fröhlichkeit, Gasterei und Festlichkeit; Fröhlichkeit, dies lehrt, daß die Trauer verboten ist; Gasterei, dies lehrt, daß das Fasten verboten ist; Festlichkeit, dies lehrt, daß die Arbeit verboten ist!? – Rabbi gehörte zu denen, die am vierzehnten lesen, und er pflanzte ihn am fünfzehnten. –
4Dem ist ja aber nicht so, Rabbi wohnte ja in Tiberias, und Tiberias war ja seit den Tagen Jehošua͑s, des Sohnes Nuns, mit einer Mauer umgeben!? – Vielmehr, Rabbi gehörte zu denen, die am fünfzehnten lesen, und er pflanzte ihn am vierzehnten. –
5War er denn sicher, daß Tiberias in den Tagen Jehošua͑s, des Sohnes Nuns, mit einer Mauer umgeben war, Ḥizqija las ja in Tiberias am vierzehnten und am fünfzehnten, weil es ihm zweifelhaft war, ob es in den Tagen Jehošua͑s, des Sohnes Nuns, mit einer Mauer umgeben war oder nicht!? – Ḥizqija war es zweifelhaft, Rabbi war es entschieden. –
6Ist es denn erlaubt, auch wenn man es weiß, es heißt ja in der Fastenrolle, der vierzehnte und der fünfzehnte [Adar] seien Tage des Purimfestes, an denen die Trauer verboten ist,
7und hierzu sagte Raba, dies lehre, daß es für diejenigen, die [die Esterrolle] an einem dieser Tage lesen, auch am anderen verboten sei!? – Dies gilt nur von der Trauer und dem Fasten, die Arbeit aber ist nur an einem Tage und nicht mehr verboten. –
8Dem ist ja aber nicht so, Rabh sah einst, wie jemand am Purimfeste Flachs säete, da fluchte er darüber, und der Flachs sproßte nicht hervor!? – Da war es am von ihm [zu feiernden] Tage gewesen.
9Rabba, Sohn des Raba, erwiderte: Du kannst auch sagen, daß [Rabbi] dies am von ihm [zu feiernden] Tage tat, denn sie nahmen auf sich nur die [Unterlassung der] Trauer und das Fasten, nicht aber die [Unterlassung der] Arbeit.
10Zuerst heißt es nämlich: Fröhlichkeit, Gasterei und Festlichkeit, nachher aber: sie als Tage der Gasterei und Fröhlichkeit zu begehen, von einer Festlichkeit wird aber nichts erwähnt. –
11Weshalb fluchte nun Rabh über jenen Mann? – Dies gehört zu den Dingen, die zwar erlaubt sind, hinsichtlich welcher aber das Volk Verbot eingeführt hatte; in der Ortschaft Rabbis aber war kein [Verbot] eingeführt.
12Wenn du aber willst, sage ich, tatsächlich war auch [in der Ortschaft Rabbis Verbot] eingeführt, nur hatte er ihn zu Festlichkeitszwecken gepflanzt. Wir haben nämlich gelernt: Sind auch diese [Fasttage] vorüber, ohne daß man erhört worden ist, so sind Kauf und Verkauf, Bauten, Pflanzungen, Verlobungen und Heiraten einzuschränken.
13Hierzu wird gelehrt: Unter Bauten sind Festlichkeitsbauten und unter Pflanzungen sind Luxuspflanzungen zu verstehen. Welches heißt Festlichkeitsbau!? Wenn man ein Haus zur Verheiratung seines Sohnes baut. Welches heißt Luxuspflanzung? Wenn man königliche Vorgärten anlegt.
14Der Text. Ḥizqija las [die Esterrolle] in Tiberias am vierzehnten und am fünfzehnten. Ihm war es nämlich zweifelhaft, ob es in den Tagen Jehošua͑s, des Sohnes Nuns, mit einer Mauer umgeben war oder nicht. – Wieso konnte ihm dies zweifelhaft sein, es heißt ja und feste Städte, Çiddim, Çer, Ḥammath, Raqqath und Kinnereth, und es ist uns bekannt, daß Raqqath Tiberias ist!? – Ihm war es deswegen zweifelhaft, weil es an einer Seite durch das Meer abgeschlossen ist. –
15Wieso war es ihm demnach zweifelhaft, [das Meer] ist ja selbstverständlich keine Mauer!? Es wird nämlich gelehrt: Die eine Mauer hat, nicht aber eine durch die Häuser gebildete Mauer; ringsum, ausgenommen ist Tiberias, für das das Meer als Mauer dient!? –
16Hinsichtlich des Verfallens war es ihm auch nicht zweifelhaft, zweifelhaft war es ihm nur hinsichtlich des Lesens der Esterrolle. Was heißt beim Lesen der Esterrolle offen und was heißt umgeben: besteht der Unterschied darin, daß die einen frei liegen und die anderen nicht frei liegen, so liegt [Tiberias] ebenfalls frei, und besteht der Unterschied darin, daß die einen geschützt sind und die anderen nicht geschützt sind, so ist [Tiberias] ebenfalls geschützt. Daher war es ihm zweifelhaft.
17R. Asi las die Esterrolle in Huçal am vierzehnten und am fünfzehnten. Ihm war es nämlich zweifelhaft, ob es in den Tagen Jehošua͑s, des Sohnes Nuns, mit einer Mauer umgeben war oder nicht. Manche lesen: R. Asi sagte: Das binjaminitische Huçal war in den Tagen Jehošua͑s, des Sohnes Nuns, mit einer Mauer umgeben.
18R. Joḥanan sagte: Als ich Jüngling war, sagte ich etwas, hinsichtlich dessen ich Greise gefragt hatte,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.