Megilla — Blatt 6a

1und es stellte sich heraus, daß ich recht hatte: Ḥammath ist Tiberias. Weshalb heißt es Ḥammath? Wegen seiner Warmbäder. Raqqath ist Sepphoris. Weshalb heißt es Raqqath? Weil es auf einer Erhöhung liegt, wie das Ufer eines Flusses. Kinnereth ist Genezaret: Weshalb heißt es Kinnereth? Weil dessen Früchte süß sind wie die Artischocke.

2Raba sprach: Wie kann denn jemand behaupten, Raqqath sei nicht Tiberias!? Wenn jemand hier [in Babylonien] stirbt, klagen sie dort [in Tiberias] wie folgt: Groß ist er in Šešakh und einen Namen hat er in Raqqath. Und wenn man die Bahre nach dort bringt, klagen sie wie folgt: Freunde der Entkommenen, Einwohner von Raqqath, geht hinaus, um die Toten des Tales zu empfangen.

3Und als die Seele R. Zeras zur Ruhe einkehrte, sprach ein Trauerredner über ihn: Das Land Šinea͑r war schwanger und gebar, das Land der Prachtzog seinen Liebling groß; wehe ihm, daß es sein kostbares Gerät verloren hat, spricht Raqqath.

4Vielmehr, erklärte Raba, Ḥammath ist (das Warmbad) Gerar, Raqqath ist Tiberias, und Kinnereth ist Genezaret. Weshalb heißt es Raqqath? Weil sogar die Leeren, die sich da befinden, voll guter Taten sind, wie ein Granatapfel. R. Jirmeja sagte: Der wirkliche Name ist Raqqath, und nur deshalb heißt es Tiberias, weil es auf dem Hochpunkte des Jisraéllandes liegt. Rabba sagte: Der wirkliche Name ist Raqqath, und nur deshalb heißt es Tiberias, weil es ein schönes Aussehen hat.

5Zee͑ri sagte: Qiṭron ist Sepphoris. Weshalb heißt es Sepphoris? Weil es auf der Spitze eines Berges liegt, wie ein Vogel. –

6Wieso kann Qiṭron Sepphoris sein, es liegt ja im Gebiete Zebuluns!? Es heißt:Zebulun vertrieb nicht die Bewohner von Qiṭron und die Bewohner von Nahalol. Zebulun war nämlich mürrisch über das ihm zuteil gewordene Los, denn es heißt: Zebulun ist ein Volk, das sein Leben dem Tode preisgibt, und zwar deshalb, weil: Naphtali auf den Höhen des Gefildes.

7Zebulun sprach nämlich vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, meinen Brüdern hast du Gefilde und Gärten gegeben, mir aber Gebirge und Hügel; meinen Brüdern hast du Ländereien gegeben, mir aber Seen und Flüsse! Er erwiderte ihm: Sie alle werden deiner benötigen, wegen der Purpurschnecke. Es heißt nämlich: die verborgenen Schätze des Sandes,

8und R. Joseph erklärte, Verborgenes sei die Purpurschnecke, Schätze sei der Triton, und Sand sei der Kristall. Alsdann sprach er vor ihm: Herr der Welt, wer bürgt mir dafür? Er erwiderte: Dort opfern sie Opfer der Gerechtigkeit; dies diene dir als Merkzeichen: wer etwas von dir ohne Geld nimmt, der hat keinen Erfolg in seinem Handel.

9Weshalb war er, wenn du sagst, Qiṭron sei Sepphoris, über das ihm zuteil gewordene Los mürrisch, Sepphoris ist ja sehr wertvoll!? Wolltest du sagen, da fließe keine Milch und kein Honig, so erzählte ja Reš Laqiš, er habe in Sepphoris Milch und Honig [in einer Ausdehnung] von sechzehn zu sechzehn Mil gesehen.

10Wolltest du sagen, dies sei nicht so viel, wie seine Brüder es hatten, so erzählte ja Rabba b. Bar Ḥana im Namen R. Joḥanans, er habe [die Ausdehnung] von Milch und Honig vom ganzen Jisraéllande gesehen, und sie sei so groß, wie von Be Kube bis zur Burg von Telbenkane, zweiundzwanzig Parasangen lang und sechs Parasangen breit!? –

11Dennoch wären ihm Gefilde und Gärten lieber. Dies ist auch zu beweisen, denn es heißt: Naphtali auf den Höhen des Gefildes.

12R. Abahu sagte: Und E͑qron wird entwurzelt werden, das ist das edomitische Cäsarea, das zwischen Sandsteppen liegt. Zur Griechenzeit war dasselbe ein festeingesetzter Pflock gegen Jisraél; als aber die Ḥašmonäischen Herrscher an Übermacht gewannen und jene besiegten, nannte man es ‘Festung der Burg Çor’.

13R. Jose b. Ḥanina sagte: Es heißt: ich entreiße ihm das Blut aus seinem Munde und seine Greuel aus den Zähnen; dann bleibt auch er für unseren Gott übrig. Ich entreiße ihm das Blut aus seinem Munde, das sind ihre Tempel; seine Greuel aus den Zähnen, das sind ihre Versammlungshäuser;

14dann bleibt auch er für unseren Gott übrig, das sind die Bet- und Lehrhäuser in Edom. Sie werden den Häuptlingen in Jehuda gleich sein, und die Leute von E͑qron den Jebusiten, das sind die Theater und Zirkusse in Edom, in denen dereinst die Fürsten Jehudas öffentlich die Tora lehren werden.

15R. Jiçḥaq sagte: Lešemist Paneas, E͑qron (wird entwurzelt werden) ist das edomitische Cäsarea, das Hauptstadt der Könige war. Manche sagen, die Könige werden da erzogen, und manche sagen, die Könige werden da gekrönt.

16Sagt dir jemand, Cäsarea und Jerušalem seien beide zerstört, so glaube es nicht; sie seien beide bewohnt, so glaube es nicht; Cäsarea sei zerstört und Jerušalem bewohnt, oder: Jerušalem sei zerstört und Cäsarea bewohnt, so glaube es. Es heißt: ich fülle mich durch ihre Zerstörung; ist diese gefüllt, so ist jene zerstört, ist jene gefüllt, so ist diese zerstört.

17R. Naḥman b. Jiçḥaq entnimmt dies hieraus: ein Stamm wird dem anderen überlegen sein.

18Ferner sagte R. Jiçḥaq: Es heißt: begnadet wird der Frevler, er lernt keine Gerechtigkeit. Jiçḥaq sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, möge doch E͑sav begnadet werden! Er erwiderte: Er ist ein Frevler. Jener sprach: Ist nicht bei ihm Gerechtigkeit zu finden? Er erwiderte: Im Lande der Redlichkeit frevelt er. Hierauf sprach jener: So sehe er die Hoheit des Herrn nicht.

19Ferner sagte R. Jiçḥaq: Es heißt: gewähre nicht, o Herr, den Begehr des Frevlers, seinen Anschlag laß nicht gelingen, er würde sich erheben. Sela. Ja͑qob sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, gewähre dem ruchlosen E͑sav nicht seine Herzenslust. Seinen Anschlag lasse nicht gelingen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.