Meïla — Blatt 17b
1Möge R. Šimo͑n b. Joḥaj gehen, der an Wunder gewöhntist. – Wer soll nach ihmgehen? – R. Elea͑zar b. R. Jose.
2Da sprach R. Josezu ihnen: Würdet ihr, wenn mein Vater Ḥalaphta gelebt hätte, zu ihm gesagt haben: Gib deinen Sohn zur Hinrichtung hin? Hierauf sprach R. Šimo͑n zu ihnen: Würdet ihr, wenn mein Vater Joḥaj gelebt hätte, zu ihm gesagt haben: Gib deinen Sohn zur Hinrichtung hin?
3Da sprach R.Jose zu ihnen: Ich will gehen, denn ich fürchte nur, R. Šimo͑n könnte Strafe über ihn bringen. Da nahm er es auf sich, keine Strafe über ihn zu bringen. Aber dennoch brachte er über ihn eine Strafe.
4Als sie unterwegs waren, wurde ihnen folgende Frage vorgetragen: Woher, daß das Blut eines Kriechtieres unrein ist? Da verzog R. Elea͑zar b. R. Jose den Mundund sprach: Dies sei euch unrein. Da sprach R. Šimo͑n zu ihm: Aus dem Verziehen deines Mundes ist zu erkennen, daß du ein Gelehrter bist; doch mag der Sohn nicht zu seinem Vater [in Frieden] zurückkehren.
5Hierauf kam ihnen Ben Tamaljonentgegen [und sprach zu ihnen:] Wollt ihr, daß ich mit euchgehe? Da weinte R. Šimo͑n und sprach: Einer Magd im Hause meiner Vorfahrengesellte sich ein Engel dreimal, mir aber nicht ein einziges Mal! Mag aber das Wunder geschehen, woher es auch kommt.
6Jener aber ging voraus und fuhr in die Tochter des Kaisers. Als er da hinkam, sprach er: Hinaus, Ben Tamaljon. hinaus, Ben Tamaljon! Und als er ihm dies zurief, verließ er sie und ging fort. Hierauf sprach [der Kaiser] zu ihnen: Verlanget von mir, was ihr wollt. Alsdann führte man sie in die Schatzkammer, um nach Belieben zu nehmen, und als sie jene Urkundefanden, nahmen sie sie und zerrissen sie.
7Das ist es, was R. Elea͑zar b. R. Jose sagte: Ich sah ihnin Rom und es waren an ihm viele Tropfen Blut.
8VERWERFLICHES UND ÜBRIGGEBLIEBENES WERDEN MITEINANDER NICHT VEREINIGT, WEIL ES VERSCHIEDENE NAMEN SIND. KRIECHTIER UND AAS, EBENSO AAS UND FLEISCH VON EINER LEICHE WERDEN MITEINANDER NICHT ZUM VERUNREINIGUNGSFÄHIGEN [QUANTUM] VEREINIGT, NICHT EINMAL WIE DAS LEICHTERE UNTER IHNEN.
9GEMARA. R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Dies gilt nur von der Unreinheit der Hände, die rabbanitischist, hinsichtlich des Essens aber werden sie vereinigt. Es wird nämlich gelehrt: R. Elie͑zer sagte:Es darf nicht gegessen werden, denn sie sindheilig; alles, was vom Heiligen untauglich ist, und die Schrift belegt das Essen mit einem Verbote.
10EINE SPEISE, DIE DURCH EINE HAUPTUNREINHEITUNREIN GEWORDEN IST, UND EINE, DIE DURCH EINE ABSTAMMENDE UNREINHEITUNREIN GEWORDEN IST, WERDEN MITEINANDER VEREINIGT, UM WIE DIE LEICHTERE VON BEIDEN ZU VERUNREINIGEN. ALLE SPEISEN WERDEN MITEINANDER VEREINIGT, UM IM QUANTUM EINES HALBEN PERAS DEN KÖRPER UNTAUGLICHZU MACHEN,
11ZU EINER SPEISE FÜR ZWEI MAHLZEITEN FÜR EINEN E͑RUB, ZUM QUANTUM EINES EIES HINSICHTLICH DER VERUNREINIGUNGSFÄHIGKEITVON SPEISEN, ZUM QUANTUM EINER DÖRRFEIGE HINSICHTLICH DES HINAUSBRINGENS AM SABBATH, UND ZUM QUANTUM EINER DATTEL HINSICHTLICH DES VERSÖHNUNGSTAGES. ALLE GETRÄNKE WERDEN MITEINANDER VEREINIGT, UM IM QUANTUM EINES VIERTEL[LOGS] DEN KÖRPER UNTAUGLICHZU MACHEN UND ZU EINEM MUNDVOLL HINSICHTLICH DES VERSÖHNUNGSTAGES.
12GEMARA. Es wird gelehrt: R.Šimo͑n sagte: Aus dem Grunde, weil die zweitgradige [Unreinheit] erstgradig machen kann. – Kann denn die zweitgradige erstgradig machen, dies ist ja nicht möglich!?
13Raba erwiderte: Er meint es wie folgt: die erstgradige ist es, die zweitgradig gemacht hat. R. Aši erklärte: Die erstgradige und die zweitgradige gehören der drittgradigen gegenüber zur selben Klasse.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.