Menachot — Blatt 109b
1weil er dadurch ein Pfaffe des Götzen geworden ist.
2R. Naḥman sagte: Dies entnehme ich aus folgender Lehre: Hat ein Priester Götzen gedient und Buße getan, so ist sein Opfer angenehmen Geruches.
3In welchem Falle: wenn unvorsätzlich, wieso heißt es ‘und Buße getan’, er ist ja bußfertig; doch wohl vorsätzlich; ferner: ist es beim Sprengen erfolgt, so nützt es ja nicht, daß er Buße getan hat, er hat ja Priesterdienst getan; doch wohl beim Schlachten. –
4Und R. Šešeth!? – Er kann dir erwidern: tatsächlich unvorsätzlich, und er meint es wie folgt: hatte er von vornherein Buße getan, wenn nämlich der Dienst unvorsätzlich erfolgt war, so ist sein Opfer angenehmen Geruches, wenn aber nicht, so ist sein Opfer nicht angenehmen Geruches.
5Hat er sich vor einem Götzen niedergeworfen, so ist, wie R. Naḥman sagt, sein Opfer angenehmen Geruches, und wie R. Šešeth sagt, sein Opfer nicht angenehmen Geruches. Hat er einen Götzen anerkannt, so ist, wie R. Naḥman sagt, sein Opfer angenehmen Geruches, und wie R. Šešeth sagt, sein Opfer nicht angenehmen Geruches.
6Und [alle Fälle] sind nötig. Würde er nur den ersten gelehrt haben, so könnte man glauben, R. Šešeth vertrete seine Ansicht nur da, wo er vor ihm Priesterdienst getan hat; hinsichtlich des Schlachtens aber, wobei er vor ihm keinen Priesterdienst getan hat, pflichte er R. Naḥman bei.
7Und würde er es nur vom Schlachten gelehrt haben, so könnte man glauben, weil er einen Dienst getan hat, nicht aber, wenn er sich niedergeworfen hat, wobei er keinen Dienst getan hat. (Daher ist dies nötig.)
8Und würde er es nur von Sichniederwerfens gelehrt haben, so könnte man glauben, weil er eine Tätigkeit ausgeübt hat, nicht aber, wenn er ihn anerkannt hat, wobei es nur Worte sind. Daher ist auch dies nötig.
9UND UM SO WENIGER, DIE ES FÜR EINE ANDERE SACHE GETAN HABEN. Wenn er sagt: um so weniger, die es für eine andere Sache getan haben, so ist hieraus zu entnehmen, daß der Ḥonjotempel kein Götzen[tempel] war.
10Es gibt somit eine Lehre übereinstimmend mit demjenigen, welcher sagt, der Ḥonjotempel war kein Götzen[tempel]. Es wird gelehrt: In dem Jahre, in dem Šimo͑n der Gerechte starb, sagte er, er werde in diesem Jahre sterben.
11Als man ihn fragte, woher er dies wisse, erwiderte er: An jedem Versöhnungstage gesellte sich mirein Greis, der weiß gekleidet war, weiß gehüllt war, und er pflegte mit mir hineinzugehen und mit mir herauszukommen; dieses Jahr aber gesellte sich mir ein Greis, der schwarz gekleidet war, schwarz gehüllt war, und er ging mit mir hinein, kam aber nicht mit mir heraus.
12Nach dem Feste war er sieben Tage krank und starb. Seine Priesterbrüder unterließen es dann, im [Priester]segen den Gottesnamen auszusprechen.
13Bei seinem Hinscheiden sprach er: Mein Sohn Ḥonjosoll mein Amtsnachfolger werden. Sein Bruder Šimi͑, der zweieinhalb Jahre älter war als er, und auf ihn neidisch war, sprach darauf zu ihm: Komm, ich will dich die Satzungen des Tempeldienstes lehren. Alsdann ließ er ihn einen Kittel anziehen und einen Gürtel anlegen und brachte ihn zum Altar. Hierauf sprach er zu seinen Priesterbrüdern: Schauet, was dieser seiner Geliebten versprochen und auch gehalten hat: Am Tage, an dem ich das Priesteramt antrete, werde ich deinen Kittel anziehen und deinen Gürtel anlegen.
14Da wollten seine Priesterbrüder ihn töten; er aber floh vor ihnen und sie setzten ihm nach. Hierauf ging er nach Alexandrien in Ägypten, wo er einen Altar errichtete und auf diesem den Götzen opferte. Als die Weisen davon hörten, sprachen sie: Wenn durch diesen, der dazunicht gelangt war, dies erfolgt ist, was sollte schon durch den erfolgen, der dazu gelangtwar. So geschah dies nach R. Meír.
15R. Jehuda sprach zu ihm: Nicht so trug sich dies zu, vielmehr wollte Ḥonjo das Amt nicht annehmen, weil sein Bruder Šimi͑ zweieinhalb Jahre älter war als er. Dennoch war Ḥonjo neidisch auf seinen Bruder Šimi͑. Er sprach zu ihm: Komm, ich will dich die Satzungen des Tempeldienstes lehren. Alsdann ließ er ihn einen Kittel anziehen und einen Gürtel anlegen und brachte ihn zum Altar. Hierauf sprach er zu seinen Priesterbrüdern: Schauet, was dieser seiner Geliebten versprochen und auch gehalten hat: Am Tage, an dem ich das Priesteramt antrete, werde ich deinen Kittel anziehen und deinen Gürtel anlegen.
16Seine Brüder, die Priester, wollten ihn töten, und er erzählte ihnen den ganzen Vorfall. Hierauf wollten sie Ḥonjo töten, er aber floh vor ihnen und sie setzten ihm nach; er flüchtete sich nach dem Königsberge, aber sie folgten ihm auch da, und wer ihn sah, rief: der ist es, der ist es. Hierauf ging er nach Alexandrien in Ägypten, wo er einen Altar errichtete und auf diesem auf den Namen Gottes opferte. So heißt es auch:An jenem Tage wird ein Altar für den Herrn inmitten des Landes Miçrajim sein und ein Mahlstein des Herrn an seiner Grenze.
17Als die Weisen davon hörten, sprachen sie: Wenn durch diesen, der es ausschlug, dies erfolgt ist, um wieviel mehr durch den, der es zu erreichen strebt.
18Es wird gelehrt: R. Jehošua͑ b. Peraḥja sagte: Früherwollte ich jeden, der zu mir sagte, daß ich hochsteigensoll, binden und vor einen Löwen werfen, jetzt aber würde ich auf jeden, der zu mir sagen sollte, daß ich hinabsteigen soll, einen Kessel kochenden Wassers gießen.
19Šaúl floh [den Thron]; nachdem er ihn aber bestiegen hatte, wollte er David töten.
20Mar Qašiša, Sohn des R. Ḥisda, sprach zu Abajje: Wofür verwendet R. Meír den von R. Jehuda angezogenen Schriftvers? –
21Er verwendet ihn für folgende Lehre: Nach der Niederlage des Sanḥeribging Ḥizqija hinaus und traf Königssöhne in goldenen Wagen sitzen; da beschwor er sie, keinen Götzendienst zu treiben, wie es heißt: an jenem Tage werden fünf Städte in Miçrajim die Sprache Kenaa͑ns reden
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.