Menachot — Blatt 18a
1R. Jehuda ist der Ansicht, über jene Fälle streitensie, und wenn zurückzulassen, sei es nach aller Ansicht untauglich, denn bei einem Teile des Blutes ist das vollständige Blut zu berücksichtigen, und wenn diesbeim vollständigen Blute erfolgt, ist es nach der Tora verboten.
2Es wird nämlich gelehrt: R. Jehuda sprach zu ihnen: Ihr pflichtet mir doch wohl bei, daß es untauglich ist, wenn man es zum folgenden Tage zurückgelassen hat, somit ist es untauglich, auch wenn man beabsichtigt hat, es zum folgenden Tage zurückzulassen.
3Hierzu sagte R. Elea͑zar, auch in diesem Falle sei es nach R. Elie͑zer untauglich und nach den Weisen tauglich. –
4Ist R. Jehuda denn der Ansicht, es sei nach aller Ansicht untauglich, wenn man das Blut zum folgenden Tage zurückzulassen beabsichtigt, es wird ja gelehrt: Rabbi erzählte: Als ich meine Maße bei R. Elea͑zar b. Šammua͑ auszupressenging, manche lesen: die Maße des R. Elea͑zar b. Šammua͑ auszupressen, traf ich Joseph den Babylonier vor ihm sitzen, und alles war ihm sehr lieb, bis auf eines. Er sprach zu ihm: Meister, wie ist es, wenn man ein Schlachtopfer schlachtet [in der Absicht], vom Blute zum folgenden Tage zurückzulassen?
5Dieser erwiderte: Es ist tauglich. Abends sagte er ihm, es sei tauglich; morgens sagte er ihm, es sei tauglich; mittags sagte er ihm, es sei tauglich; nachmittags aber sagte er ihm, es sei tauglich, nach R. Elie͑zer aber untauglich. Da leuchtete das Gesicht Joseph des Babyloniers auf.
6Hierauf sprach jener zu ihm: Joseph, ich glaube, daß wir bis jetzt einander inbetreff unserer Lehren nicht verstanden haben. Dieser erwiderte: Doch, Meister, nur lehrte mich R. Jehuda, es sei untauglich, und ich suchte unter all seinen Schülern einen Genossen, ohne einen gefundenzu haben; jetzt nun, wo du mich gelehrt hast, es sei untauglich, hast du mir meinen Verlust wiedergegeben.
7Da rieselten Tränen aus den Augen des R. Elea͑zar b. Šammua͑, und er sprach: Heil euch, Schriftgelehrte, daß euch die Worte der Tora so sehr lieb sind. Und er las über ihn folgenden Schriftvers:Wie liebe ich deine Lehre, allezeit ist sie mein Sinnen &c. R. Jehuda ist ein Sohn des R. Ilea͑j, und R. Ilea͑j ist ein Schüler des R. Elie͑zer, daher lehrte er dich die Ansicht R. Elie͑zers.
8Wieso sagte er nun, wenn man sagen wollte, jener habe ihn gelehrt, es sei nach aller Ansicht untauglich, er habe ihm seinen Verlust wiedergegeben, er lehrte ihn ja, daß hierüber ein Streitbestehe!? –
9Wieso sagte dieser zu ihm: ‘daher’, wenn man sagen wollte, er habe ihn gelehrt, es sei tauglich und nach R. Elie͑zer untauglich, auch wir haben ja eine Lehre, daß hierüber ein Streit bestehe!?
10Vielmehr lehrte jener ihn tatsächlich, es sei nach aller Ansicht untauglich, und er sagte ihm deshalb, er habe ihm seinen Verlust wiedergegeben, weil er ihm [das Wort] ‘untauglich’ nannte.
11HAT ER NICHT GEGOSSEN, NICHT UMGERÜHRT, NICHT ZERBROCKT, NICHT GESALZEN, NICHT GESCHWUNGEN, NICHT HERANGEBRACHT, ZU GROSS GEBROCKT, ODER NICHT BE STRICHEN, SO IST ES TAUGLICH.
12GEMARA. Was heißt nicht gegossen: wollte man sagen, überhaupt kein [Öl] darauf gegossen, so macht es ja die Schrift davon abhängig!? – Vielmehr, wenn nicht ein Priester, sondern ein Gemeiner es gegossen hat. – Demnach ist ja unter ‘nicht umgerührt’ ebenfalls zu verstehen, wenn nicht ein Priester, sondern ein Gemeiner es umgerührt hat, wonach es untauglich ist, wenn es überhaupt nicht umgerührt worden ist;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.