Menachot — Blatt 20a
1das Bündnis ist hinsichtlich des Salzes gesprochen worden – so R. Jehuda. R. Šimo͑n sagte: Hierbei heißt es: ein ewiges Salzbündnis und dortheißt es: ein Bündnis ewigen Priestertums, wie die Opfer ohne Priester nicht möglich sind, ebenso wenig sind die Opfer ohne Salz möglich. R. Joseph erwiderte:
2Rabh ist der Ansicht unseres Autors, welcher sagt, es sei ungesalzen tauglich. Abajje sprach zu ihm: Demnach wäre auch unter ‘nicht gegossen’ zu verstehen, wenn man überhaupt kein [Öl] gegossenhat !? Vielmehr ist zu verstehen, wenn nicht ein Priester, sondern ein Gemeiner es gegossen hat, ebenso ist auch zu verstehen, wenn nicht ein Priester, sondern ein Gemeiner gesalzenhat.
3Jener erwiderte: Kann es dir denn in den Sinn kommen, ein Gemeiner sei zum Altardienste zulässig!?
4Wenn du aber willst, sage ich: hinsichtlich dessen heißt es Bündnis, und dies ist ebenso als würde die Schrift es wiederholt haben. –
5Hat die Schrift es denn nicht wiederholt, es heißt ja: und all deine Speisopfer sollst du mit Salz salzen!? – Dies ist für folgende Lehre nötig. Würde es nur Opfer mit Salz geheißen haben, so könnte man glauben, auch das Holzund das Blut, die ebenfalls Opfergenannt werden,
6daher heißt es Speisopfer; wie das Speisopfer sich dadurch auszeichnet, daß dazu anderes erforderlichist, ebenso auch alles andere, wobei anderes erforderlichist. Folgert man:
7wie das Speisopfer sich dadurch auszeichnet, daß es erlaubtmacht, ebenso auch alles andere, was erlaubt macht, wonach das Blut, das erlaubtmacht, einzuschließen ist, so heißt es:von deinen Speisopfern, nicht aber vom Blute.
8Man könnte glauben, das Salz sei zum ganzen Speisopfererforderlich, so heißt es Opfer, das Salz ist nur zum eigentlichen Opfererforderlich, nicht aber ist das Salz zum ganzen Speisopfer erforderlich.
9Ich weiß dies nur vom Haufen des Speisopfers, woher, daß auch der Weihrauch einbegriffenist? Ich begreife den Weihrauch ein, weil er mit diesem in einem Gefäße dargebracht wird.
10Woher, daß auch der besonders dargebrachteWeihrauch, der in den Schalendargebrachte Weihrauch, das Räucherwerk,
11das Speisopfer eines Priesters, das Speisopfer des gesalbten Priesters, das Speisopfer der Gußopfer, die Opferteile des Sündopfers, die Opferteile des Schuldopfers, die Opferteile der hochheiligen Opfer, die Opferteile der minderheiligen Opfer, die Opferteile des Brandopfers und das Geflügel-Brandopfer einbegriffen sind?
12Es heißt: zu all deinen Opfern sollst du Salz darbringen.
13Der Meister sagte: Ich weiß dies nur vom Haufen des Speisopfers, woher, daß auch der Weihrauch einbegriffen ist? Ich begreife den Weihrauch ein, weil er mit diesem in einem Gefäße dargebracht wird. Du sagtest ja aber: wie das Speisopfer sich dadurch auszeichnet, daß dazu anderes erforderlichist!? –
14Er meint es wie folgt: vielleicht ist [das Wort] Opfer eine Generalisierung und [das Wort] Speisopfer eine Spezialisierung, und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung folgt, so umfaßt die Generalisierung nur das, was die Spezialisierung nennt: nur das Speisopfer, anderes aber nicht.
15Hierauf sagt er: zu all deinen Opfern, dies ist wiederum eine Generalisierung, und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung und wiederum eine Generalisierung folgt, so richte man sich nach der Spezialisierung: wie das Speziellgenanntesich dadurch auszeichnet, daß dazu anderes erforderlich ist, ebenso auch alles andere, wobei anderes erforderlich ist.
16Was dazu erforderlich ist, das ist das Holz, ebenso auch alles andere, wobei Holz [erforderlich ist]. –
17Vielleicht der Weihrauch, somit ist auch das Blut einzuschließen, denn dazu gehört das Gußopfer!? – Das Gußopfer gehört zu den Opferteilen, denn Essen und Trinken [gehören zusammen]. – Im Gegenteil, Sühne und Freude [gehörenzusammen]!? –
18Vielmehr, der Weihrauch wird in einem Gefäße mit diesemdargebracht; mit dem Holze aber werden, wie damit das Speisopfer hergerichtet wird, auch alle anderen Opfer hergerichtet. –
19Vielleicht aber: wie das Speziellgenannte sich dadurch auszeichnet, daß anderes dazu erforderlich ist und erlaubt macht, ebenso auch alles andere, wobei anderes erforderlich ist und erlaubt macht, das ist nämlich der in den Schalen dargebrachte Weihrauch, der die Brote erlaubt macht, anderes aber nicht!? –
20Da [die Worte] von deinen Speisopfern zur Ausschließung des Bluteserforderlich sind, so ist zu entnehmen, daß alles andere durch die Vergleichung in einer Hinsicht zu folgern ist.
21Der Meister sagte: Von deinen Speisopfern, nicht aber vom Blute. Vielleicht: von deinen Speisopfern, nicht aber von den Opfergliedern!? –
22Es ist einleuchtend, daß die Opferglieder einzubegreifen sind,
23denn sie gleichen jenemhinsichtlich der Benötigung von anderem, der Verbrennung, [der Herrichtung] außerhalb, des Übriggebliebenen,
24der Unreinheit und der Veruntreuung. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.