Menachot — Blatt 62a
1Wie verfährt er dabei? Er lege die Opferteile auf die Handfläche und Brust und Schenkel auf diese, und in Fällen, wo Brote vorhanden sind, die Brote oben. – Wobei?
2R. Papa erwiderte: Beim Einweihungsopfer. –
3Aus welchem Grunde, wollte man sagen, weil es heißt:den Schenkel der Hebe und die Brust der Schwingung auf den Feueropfern der Fettstücke sollen sie bringen, mit ihnen eine Schwingung zu machen, so heißt es ja:das Fett auf der Brust soll er bringen!?
4Abajje erwiderte: Dies erfolgt, wenn der Priester sie aus dem Schlachtraumebringt. –
5Es heißt ja:sie legten die Fettstücke auf die Bruststücke!? – Dies erfolgt, wenn er es einem anderen Priestergibt, damit er gehe und es aufräuchere.
6Er lehrt uns, daß hierbei drei Priester erforderlich sind, denn es heißt:in der Menge des Volkes die Herrlichkeit des Königs.
7DIE ZWEI BROTE UND DIE ZWEI LÄMMER DES WOCHENFESTES &C. Die Rabbanan lehrten:Der Priester schwinge sie aufden Erstlingsbroten;
8man könnte glauben, er lege die Lämmer auf die Brote, so heißt es: auf den beiden Lämmern. Wenn auf den beiden Lämmern, so könnte man glauben, [er lege] die Brote auf die Lämmer, so heißt es: auf den Erstlingsbroten.
9Der Schriftvers hält die Wageund man weiß nicht, ob das Brot auf den Lämmern oder die Lämmer auf dem Brote; wie wir aber sonst finden, das Brot oben, ebenso auch hierbei das Brot oben. – Wobei? R. Papa erwiderte: Beim Einweihungsopfer.
10R. Jose b. Hamešullam sagte: Die Lämmer oben, und [die Worte] auf den beiden Lämmern schließen die siebenaus.
11Ḥanina b. Ḥakhinaj sagte: Er lege die beiden Brote zwischen die Schenkel der Lämmer und schwinge sie. Es werden dann beide Schriftverse aufrecht erhalten, die Brote auf den Lämmern und die Lämmer auf den Broten. Rabbi sprach: Wenn man solches für einen König aus Fleisch und Blut nichttut, wie sollte man es für den König der Könige, den Heiligen, gepriesen sei er, tun!? Vielmehr lege er das eine neben das andere und schwinge. –
12Es heißt ja auf!? R. Ḥisda sprach zu R. Hamnuna, manche sagen, R. Hamnuna zu R. Ḥisda: Rabbi vertritt hierbei seine Ansicht, unter ‘auf’ sei die Nähe zu verstehen.
13Es wird nämlich gelehrt:Und lege auf jede Schicht reinen Weihrauch; Rabbi sagte: Unter auf ist die Nähe zu verstehen. Du sagst, unter auf sei die Nähe zu verstehen, vielleicht ist dem nicht so, sondern wörtlich auf? Es heißt:du sollst auf die Lade den Vorhang breiten, demnachist unter auf die Nähe zu verstehen.
14HIN UND HER, NACH OBEN UND NACH UNTEN &C. R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Hin und her, dem, dessen alle Windrichtungen sind; nach oben und nach unten, dem, dessen Himmel und Erde sind.
15Im Westen lehrten sie wie folgt: R. Ḥama b. U͑qaba sagte im Namen des R. Jose b. R. Ḥanina: Hin und her, um die schlechten Winde fern zu halten, nach oben und nach unten, um die schlechten Niederschläge fern zu halten.
16R. Jose b. R. Abin sagte: Dies besagt, daß auch die Anhängsel der GeboteHeimsuchungen fern halten. Das Schwingen ist ja nur ein Anhängsel des Gebotes, dennoch hält es schlechte Winde und schlechte Niederschläge fern. Rabba sagte: Ebenso auch den Feststrauß.
17R. Aḥa b. Ja͑qob zielte dabei hin und her, indem er sprach: Ein Pfeil in die Augen des Satans. Dies ist jedoch keine Art, weil man ihm zum Angriff herausfordert.
18Die Rabbanan lehrten: Heilsopfer der Gemeinde benötigen des Schwingens [auch] nach dem Schlachten und das Schwingen erfolgt in dem Zustande, wie sie sind– so Rabbi; die Weisen sagen, nur Brust und Schenkel. –
19Worin besteht ihr Streit? R. Ḥisda sprach zu R. Hamnuna, manche sagen, R. Hamnuna zu R. Ḥisda: Sie streiten darüber, ob man eine Sache in jeder Beziehung folgereoder man sie folgere und bei ihrer Bestimmunglasse.
20Die Rabbanan sind der Ansicht, man folgere sie in jeder Beziehung; wie das Heilsopfer eines einzelnen des Schwingens nach dem Schlachten benötigt, ebenso benötigt auch das Heilsopfer der Gemeinde des Schwingensnach dem Schlachten, somitgilt dies, wie bei jenem von Brust und Schenkel, ebenso auch bei diesem von Brust und Schenkel.
21Rabbi aber ist der Ansicht, man folgere sie und lasse sie bei ihrer Bestimmung: wie das Heilsopfer eines einzelnen des Schwingens nach dem Schlachten benötigt, ebenso benötigt auch das Heilsopfer der Gemeinde des Schwingens nach dem Schlachten, man lasse es aber bei seiner Bestimmung, bei jenem Brust und Schenkel, bei diesem aber wie im lebendenZustande.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.