Menachot — Blatt 7b

1Vom Hochheben des Tischesaber lehrt er nichts. –

2Dort erklärtest du ja, daß er nur die Reihenfolge der Dienstverrichtungen lehre, ebenso lehrt er auch hierbei nur die Reihenfolge der Dienstverrichtungen!? –

3Es ist ja nicht gleich; dort wird die Anzahl der Priester nicht angegeben, hierbei aber wird die Anzahl der Priester angegeben. Wenn demnun so wäre, so sollte er doch auch das Hochheben lehren; vielmehr ist hieraus zu entnehmen, daß man den Haufen aus einem auf der Erde befindlichen Gefäße abhebe. Schließe hieraus.

4Raba sagte: Es ist mir entschieden, daß man den Haufen aus einem auf der Erde befindlichen Gefäße abheben dürfe, denn wir finden dies bei der Fortnahme der Schalen, und daß man das Speisopfer mit einem auf der Erde befindlichen Gefäße heiligen dürfe, denn wir finden dies beim Anrichtender Schalen.

5Aber folgendes fragte Raba: Wie verhält es sich beim Heiligen des Haufens: vergleiche man ihn mit dem Speisopfer oder vergleiche man ihn mit dem Blute? Später entschied er es: man vergleiche ihn mit dem Blute. –

6Kann Raba dies denn gesagt haben, es wurde ja gelehrt, der Haufe sei, wenn man ihn in zwei Gefäße geteilt hat, wie R. Naḥman sagt, nicht heilig, und wie Raba sagt, heilig. Wenn dem nun sowäre, so sollte er ihn doch mit dem Blutevergleichen!? – Raba ist von dieser Lehre zurückgetreten, –

7Woher, daß das Blut geteilt nicht heilig ist? – R. Taḥlipha b. Šaúl lehrte, wenn man ein zur Besprengung nicht ausreichendes Quantumin einem Gefäße und ein zur Besprengung nicht ausreichendes Quantum in einem anderen Gefäße geheiligt hat, sei die Heiligung ungültig.

8Hierzu wurde gefragt, wie es sich beim Bluteverhalte; ist dieseine überlieferte Halakha, und von einer überlieferten Halakha ist nichts zu entnehmen,

9oder aber erfolgt dies da, weil es heißt:er tauche in dasWasser, und auch hierbei heißt es:er tauche &c. in dasBlut

10Dies wurde aus folgender Lehre entschieden: R. Zeriqa sagte im Namen R. Elea͑zars, auch beim Blute sei die Heiligung ungültig. Und hierzu sagte Raba: Demgemäß wird auch gelehrt: Tauchen, nicht aber wischen;

11in das Blut, das Blut muß von vornherein das zum Eintauchen erforderliche Quantum haben; vom Blute, von dem im Abschnitte gesprochen wird.

12Und [die Worte] tauchen und Blut sind beide nötig. Würde der Allbarmherzige nur tauchen geschrieben haben, so könnte man glauben, auch wenn man von vornherein das zum Eintauchen erforderliche Quantum für die sieben Sprengungen nicht aufgenommenhat, daher heißt es in das Blut.

13Und würde der Allbarmherzige nur in das Blut geschrieben haben, so könnte man glauben, auch wischen, daher heißt es tauchen. –

14«Vom Blute, von dem im Abschnitte gesprochen wird.» Was schließt dies aus? Raba erwiderte: Dies schließt den am Finger zurückbleibenden Rest aus. Dies ist eine Stütze für R. Elie͑zer, denn R. Elie͑zer sagte, der am Finger zurückbleibende Rest sei untauglich.

15Rabin, Sohn des R. Adas, sprach zu Raba: Deine Schüler erzählen, daß R. A͑mram [einen Einwand]aus folgender Lehre erhob: Wenn er beim Sprengen ist und vor der Besprengung etwas von seiner Hand verspritzt, so ist das Waschenerforderlich, wenn aber nach der Besprengung, so ist das Waschen nicht erforderlich.

16Dies ist wahrscheinlich zu verstehen: vor der Beendigung der Besprengungen, beziehungsweise nach der Beendigung der Besprengungen. Somit ist hieraus zu entnehmen, daß der am Finger zurückbleibende Rest tauglichist. –

17Nein, wenn bevor die Besprengung aus seiner Hand gekommen ist, so ist das Waschen erforderlich, und wenn nachdem die Besprengung aus seiner Hand gekommen ist etwas vom zurückbleibenden [Blute]verspritzt, so ist das Waschen nicht erforderlich.

18Abajje wandte gegen ihn ein: War ermit der Besprengung fertig, so wischte er die Hand am Körper der Kuh ab. Nur nachdem er fertig war, früher abernicht!?

19Jener erwiderte: War er fertig, so wischte er die Hand ab, war er nichtfertig, so wischte er nur den Finger ab. –

20Allerdings konnte er, wenn er fertig war, die Hand am Körper der Kuh abwischen, denn es heißt:man verbrenne die Kuhvor seinen Augen, woran aber wischte er den Finger ab, als er noch nicht fertig war!? (Wenn man nämlich sagen wollte, am Körper der Kuh, so sollte er doch lehren: wischte er die Hand und den Finger am Körper der Kuhab; da er dies aber nicht lehrt, so ist zu schließen, daß ein Abwischen nicht erforderlich war.)

21Abajje erwiderte: Am Rande des Sprengbeckens, wie es heißt:goldene Becken &c.

22Kann R. Elea͑zar diesdenn gesagt haben, es wurde ja gelehrt: Das Pfannenopfer des Hochpriestersist, wie R. Joḥanan sagt, geteiltnicht heilig; R. Elea͑zar sagt, da es geteilt dargebrachtwird, sei es auch geteilt heilig.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.