Menachot — Blatt 85b
1und die Barajtha lehrt, daß man dies wiederhole!? –
2Dies ist kein Einwand; eines gilt von einem bearbeiteten und eines von einem unbearbeiteten [Felde]. –
3Wie bleibt es damit? – Komm und höre, es wird gelehrt: Man brache die Hälfte und bestelle die Hälfte, brache die Hälfte und bestelle die Hälfte.
4R. Joḥanan sagte: Man bringe die Schwingegarbe nur von den südlichen Feldern im Jisraéllande, auf die die Sonne beim Aufgange und beim Untergange fällt.
5Ebenso wird auch gelehrt: Abba Šaúl sagte: Die Schwingegarbe wurde aus der Ebene Beth Maqle geholt; sie hatte eine Fläche von drei Seá [Aussaat], lag südlich und die Sonne fiel auf sie beim Aufgange und beim Untergange; die Hälfte brachte man und die Hälfte bestellte man, die Hälfte brachte man und die Hälfte bestellte man.
6R. Ḥilqija b. Ṭobija hatte ein Grundstück, das er abwechselnd zur Hälfte brachte und zur Hälfte bestellte, zur Hälfte brachte und zur Hälfte bestellte, und es brachte doppelten Ertrag; er verkaufte den Weizen zu Feinmehl.
7IST ES MADIG, SO IST ES UNTAUGLICH. Die Rabbanan lehrten: Wenn das Mehl größtenteils madig ist, so ist es untauglich, und wenn der Weizen größtenteils madig ist, so ist er untauglich. R. Jirmeja fragte: Die größere Hälfte jedes Weizenkornes, oder des Maßes? – Dies bleibt unentschieden.
8Raba fragte: Ist, wenn man solches [als Speisopfer] geweiht hat, dieserhalb wegen des Fehlerbehafteten zu geißeln: gleicht es, da es untauglich ist, einem fehlerbehafteten [Vieh], oder gibt es Leibesfehler nur bei einem Vieh? – Dies bleibt unentschieden.
9Dort haben wir gelernt: Jedes Holz, in dem ein Wurm sich befindet, ist für den Altar untauglich. Šemuél sagte: Dies gilt nur von feuchtem, von trockenem aber kratze man ihn fort und es ist tauglich.
10Raba fragte: Ist, wenn man solches geweiht hat, dieserhalb wegen des Fehlerbehafteten zu geißeln: gleicht es, da es untauglich ist, einem fehlerbehafteten [Vieh], oder gibt es Leibesfehler nur bei einem Vieh? – Dies bleibt unentschieden.
11TEQOA͑ LIEFERT DAS ALPHA IN ÖL. ABBA ŠAÚL SAGTE: DIESEM FOLGT REGEB, JENSEITS DES JARDEN. TAUGLICH WAR ES AUS ALLEN PROVINZEN, NUR BRACHTE MAN ES VON DIESEN [ORTSCHAFTEN].
12MAN BRINGE ES NICHT VON EINEM DUNG-, EINEM BEWÄSSERUNGS- ODER EINEM MIT SAATEN BESÄETEN FELDE; HAT MAN ES GEBRACHT, SO IST ES TAUGLICH. MAN BRINGE KEIN OMPHAKINON, HAT MAN ES GEBRACHT, SO IST ES TAUGLICH. MAN BRINGE ES NICHT VON IM WASSER GEWEICHTEN BEEREN, EINGELEGTEN ODER GEBRÜHTEN; HAT MAN ES GEBRACHT, SO IST ES UNTAUGLICH.
13GEMARA.Da schickte Joáb nach Teqoa͑ und ließ von dort eine kluge Frau holen. Weshalb gerade aus Teqoa͑? R. Joḥanan erwiderte: Da sie dort an Olivenöl gewöhnt waren, waren sie weise.
14Die Rabbanan lehrten:Er tauche seinen Fuß in Öl, das ist das Gebiet Ašers, in dem das Öl sich wie aus einer Quelle hinzog. Man erzählt, daß einst die Leute von Laodicea, als sie Öl brauchten, einen Beamtenwählten und ihn beauftragten, für hundert Myriaden Öl zu holen.
15Da ging er nach Jerušalem, und man sagte ihm, daß er nach Çor gehe; als er nach Çor kam, sagte man ihm, daß er nach Guš Ḥalabgehe, und als er nach Guš Ḥalab kam, sagte man ihm, daß er sich an jenen Mann auf jenem Felde wende. Als er ihn hierauf um seine Olivenbäume graben traf, sprach er zu ihm: Hast du für hundert Myriaden Öl, das ich brauche? Dieser erwiderte: Warte, bis ich meine Arbeit beendet habe. Da wartete er, bis er seine Arbeit beendet hatte.
16Nachdem er seine Arbeit beendet hatte, warf er seine Geräte über den Rücken und ging den Weg entsteinigend entlang. Nun sprach er zu ihm: Hast du auch für hundert Myriaden Öl? Ich glaube, daß die Juden mich angeführt haben. Als er in seiner Stadt angelangt war, brachte ihm seine Magd eine Schüssel warmes Wasser und er wusch Hände und Füße; dann holte sie ein goldenes Becken mit Öl und er tauchte Hände und Füße darein. Damit gehen in Erfüllung die Worte: er tauche, seinen Fuß in Öl.
17Nachdem sie gegessen und getrunken hatten, maß er ihm für hundert Myriaden Öl ein, und fragte ihn, ob er noch mehr brauche. Dieser erwiderte: Allerdings, nur habe ich kein Geld mehr. Jener sprach: Wenn du willst, nimm, und ich gehe dann mit dir, um das Geld in Empfang zu nehmen. Sodann maß er ihm für noch achtzehn Myriaden ein. Man erzählt, daß dieser Mann im Jisraéllande kein Pferd, kein Maultier, kein Kamel und keinen Esel zurückließ, die er nicht gemietet hätte.
18Als sie in seiner Stadt angelangt waren, kamen ihm die Leute der Stadt entgegen, um ihm zu huldigen. Dieser aber sprach: Huldiget nicht mir, sondern diesem Manne, der mit mir kommt; er maß mir für hundert Myriaden Öl ein, und noch achtzehn Myriaden hat er von mir zu erhalten. Damit gehen in Erfüllung die Worte:mancher zeigt sich reich und hat nichts, mancher zeigt sich arm und hat großes Vermögen.
19MAN BRINGE ES NICHT VON EINEM DUNGFELDE &C. Es wird ja aber gelehrt, man bringe kein Omphakinon,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.