Menachot — Blatt 93b

1Man folgere hinsichtlich eines einzelnen von einem einzelnen, nicht aber hinsichtlich eines einzelnen von einer Gemeinde. –

2Weshalb folgert es derjenige, der es vom [Opfer] der Ältesten der Gemeinde entnimmt, nicht vom Brandopfer des Erscheinens? – Man folgere hinsichtlich einer Sache, bei der das Stützen geschrieben steht, von einer Sache, bei der das Stützen geschrieben steht, während hinsichtlich des Brandopfers des Erscheinens dies vom freiwilligen Brandopfer gefolgert wird.

3Ein Jünger rezitierte nämlich vor R. Jiçḥaq b. Abba:Er brachte das Brandopfer dar und richtete es nach Vorschrift her, nach Vorschrift des freiwilligen Brandopfers; dies lehrt, daß das pflichtige Brandopferdes Stützens benötige.

4EIN SKLAVE, EIN VERTRETER UND EINE FRAU. Die Rabbanan lehrten: Seine Hand, nicht aber die Hand seines Sklaven;seine Hand, nicht aber die Hand seines Vertreters;seine Hand, nicht aber die Hand seiner Frau.

5Wozu ist dies allesnötig? – Dies ist nötig. Würde der Allbarmherzige es nur einmal geschrieben haben, so könnte man glauben, dies schließe nur einen Sklaven aus, der den Geboten nicht unterworfen ist, ein Vertreter aber, der den Geboten unterworfen ist, dürfe, da ein Vertreter seinem Auftraggeber gleicht, wohl stützen.

6Und würde er es nur von diesen beiden gelehrt haben, so könnte man glauben, weil sie nicht seinemKörper gleichen, seine Frau aber, die seinem Körper gleicht, dürfe wohl stützen. Daher sind alle nötig.

7DAS STÜTZEN IST NUR EIN ÜBERBLEIBSEL DES GEBOTES. Die Rabbanan lehrten:Er soll stützen, und es wird ihn wohlgefällig machen; sühnt denn das Stützen, die Sühne erfolgt ja durch das Blut, wie es heißt: denn das Blut sühnt mit dem Leben!? Dies besagt vielmehr, daß, wenn man das Stützen nur als Überbleibsel des Gebotes behandelt hat, die Schrift es ihm anrechnet, als hätte er nicht Sühne erlangt und ja Sühne erlangt.

8Desgleichen wird auch vom Schwingen gelehrt:Zur Schwingung, zu sühnen; sühnt denn das Schwingen, die Sühne erfolgt ja nur durch das Blut, wie es heißt: denn das Blut sühnt mit dem Leben!? Dies besagt vielmehr, daß, wenn man das Schwingen als Überbleibsel des Gebotes behandelt hat, die Schrift es ihm anrechnet, als hätte er nicht Sühne erlangt und ja Sühne erlangt.

9AUF DEN KOPF. Die Rabbanan lehrten:Seine Hand auf den Kopf, nicht aber seine Hand auf den Hals; seine Hand auf den Kopf, nicht aber seine Hand auf den Rücken; seine Hand auf den Kopf, nicht aber seine Hand auf die Brust.

10Wozu ist dies allesnötig? – Dies ist nötig; würde der Allbarmherzige es nur einmal geschrieben haben, so könnte man glauben, dies schließe nur den Hals aus, der sich nicht in gleicher Höhe mit dem Kopfe befindet, nicht aber gilt dies vom Rücken, der sich in gleicher Höhe mit dem Kopfe befindet; daher ist es nötig.

11Und würde er es nur von diesen beiden gelehrt haben, so könnte man glauben, weil sie auch beim Schwingen nicht einbegriffen sind, nicht aber gilt dies von der Brust, die beim Schwingen einbegriffen ist. Daher sind alle nötig.

12Sie fragten: Wie ist es, wenn man die Hand auf die Seitelegt? – Komm und höre, es wird gelehrt: Abba Biraá lehrte im Namen der Schuledes R. Elie͑zer b. Ja͑qob: Seine Hand auf den Kopf, nicht aber seine Hand auf die Seite.

13R. Jirmeja fragte: Gilt ein Lappenals Trennung? – Komm und höre: Nur darf nichts zwischen ihm und dem Schlachtopfer trennen.

14MIT BEIDEN HÄNDEN. Woher dies? Reš Laqiš erwiderte: Die Schrift sagt:Ahron stütze seine beiden Hände, es heißt Handund es heißt beiden? Dies ist eine Hauptnorm, daß überall, wo es Hand heißt, beide [Hände] zu verstehen seien, es sei denn, daß die Schrift ausdrücklich ‘eine’ sagt.

15R. Elea͑zar ging und sagte dies im Lehrhause, sagte es aber nicht im Namen des Reš Laqiš, und als Reš Laqiš davon hörte, nahm er es übel. Er sprach dann zu ihm: Wozu heißt es, wenn man sagen wollte, überall, wo es Hand heißt, seien beide zu verstehen, Hände!?

16Diesen Einwand erhob er gegen ihn aus vierundzwanzig [Stellen, wo es] Hände heißt: seine Hände sollen bringen;seine Hände streiten für ihn;er kreuzte seine Hände. Da schwieg dieser.

17Nachdem er sich beruhigt hatte, sprach er zu ihm: Weshalb erwiderst du mir nicht, ich spreche von Hand, das beim Stützen gebraucht wird. –

18Auch beim Stützen heißt es ja:da stützte er seine Hände auf ihn und befahl ihm!? – Ich spreche vom Stützen bei einem Vieh.

19WO DAS STÜTZEN ERFOLGT, DA SCHLACHTE MAN AUCH; SOFORT NACH DEM STÜTZEN FOLGE DAS SCHLACHTEN. Wie meint eres? – Er meint es wie folgt: wo das Stützen erfolgt, da schlachte man auch, denn sofort nach dem Stützen muß das Schlachten folgen.

20STRENGER IST ES BEIM STÜTZEN ALS BEIM SCHWINGEN, UND BEIM SCHWINGEN ALS BEIM STÜTZEN. EINER SCHWINGT FÜR ALLE TEILNEHMER, NICHT ABER KANN EINER FÜR ALLE TEILNEHMER STÜTZEN. STRENGER IST ES BEIM SCHWINGEN, DENN DAS SCHWINGEN ERFOLGT BEI PRIVATOPFERN UND BEI GEMEINDEOPFERN,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.