Moed Katan — Blatt 5b
1Da las er über ihn: Wer seinen Weg schätzt, den will ich das Heil Gottes sehen lassen.
2Die Rabbanan lehrten: Man bezeichne nicht wegen eines olivengroßen Stückes von einem Leichnam, wegen eines gerstengroßen Knochens oder sonst etwas, das durch Bezeltung nicht verunreinigend ist, wohl aber bezeichne man wegen des Rückgrates, des Kopfes, des größeren Teiles oder der größeren Gliederzahl des Leichnams.
3Man braucht nicht entschiedene [Unreinheiten] zu bezeichnen, wohl aber muß man zweifelhafte bezeichnen. Folgende gehören zu den zweifelhaften: das Überhängende, das Vorstehende und der Gräberpflug. Man setze nicht das Mal direkt auf die Unreinheit, um nicht reine Sachen zu verderben; auch setze man das Mal nicht zu weit von der Unreinheit, um nicht jisraélländisches Gebiet zu verderben. –
4Ist denn ein olivengroßes Stück von einem Leichnam nicht durch Bezeltung verunreinigend, es wird ja gelehrt, daß zu den Dingen, die durch Bezeltung verunreinigen, auch ein olivengroßes Stück von einem Leichnam gehöre!?
5R. Papa erwiderte: Hier handelt es sich um ein genau olivengroßes Stück, das später kleiner wird. Lieber verbrenne man seinethalben Hebe und Geheiligtes vorübergehend, als daß man sie seinethalben dauernd verbrenne.
6«Folgende gehören zu den zweifelhaften: das Überhängende, das Vorstehende.»
7Überhängendes, wenn ein Baum über die Erde überhängt.
8Vorstehendes, wenn Steine aus einer Wand hervorragen. –
9[«Der Gräberpflug,» wie wir gelernt haben: Wer ein Grab umackert, bildet einen Gräberpflug. Wieviel? Eine Furchenlänge, hundert Ellen.] –
10Ist denn der Gräberpflug durch Bezeltung verunreinigend. R. Jehuda sagte ja im Namen Šemuéls, man dürfe auf einem Gräberpfluge [die Erde] wegblasen und weiter gehen.
11Auch sagte R. Jehuda b. Ami im Namen U͑las, ein ausgetretener Gräberpflug sei rein!?
12R. Papa erwiderte: Das ist kein Einwand; eines gilt von einem Felde, auf dem ein Grab verloren ging, und eines gilt von einem Felde, auf dem ein Grab aufgeackert wurde. –
13Heißt denn ein Feld, auf dem ein Grab verloren ging, Gräberpflug? – Freilich, denn es wird gelehrt: Es gibt dreierlei Gräberpflüge: ein Feld, auf dem ein Grab verloren ging, ein Feld, auf dem ein Grab aufgeackert wurde, und ein Feld der Weinenden. –
14Welches heißt ein Feld der Weinenden? R. Jehošua͑ b. Abba erwiderte im Namen U͑las: Ein Feld, da man die Toten absetzt. –
15Aus welchem Grunde? Abimi erwiderte: Hierbei wurde die Lossagung der Eigentümer berücksichtigt. –
16Braucht denn ein Feld, auf dem ein Grab aufgeackert wurde, nicht der Bezeichnung, es wird ja gelehrt: Wenn man ein bezeichnetes Feld sieht und nicht weiß, was dies zu bedeuten habe, so ist auf diesem, wenn da Bäume vorhanden sind, ein Grab aufgeackert worden, und wenn da keine Bäume vorhanden sind, ein Grab verloren gegangen;
17R. Jehuda sagt, nur wenn ein Greis oder ein Gelehrter dies bekundet, weil nicht jeder darüber Bescheid weiß!?
18R. Papa erwiderte: Diese Lehre spricht von einem Felde, auf dem ein Grab verloren ging, worauf man es bezeichnet hat; sind da Bäume vorhanden, so ist es sicher, daß später das Grab auch aufgeackert wurde, und sind da keine Bäume vorhanden, so ist es sicher, daß das Grab verloren ging. –
19Es ist ja zu berücksichtigen, vielleicht befinden sich die Bäume innerhalb und das Grab außerhalb!? –
20Wie U͑la erklärt hat, wenn sich [die Bäume] an der äußersten Grenze befinden, ebenso auch hierbei, wenn sie sich an der äußersten Grenze befinden. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.