Moed Katan — Blatt 8b

1Weil der Tote dreißig Tage nicht aus dem Herzen kommt. – Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Wenn [die Trauer] unentgeltlich erfolgt.

2MAN DARF AM HALBFESTE KEINE GRABNISCHEN UND KEINE GRÄBER GRABEN, WOHL ABER DARF MAN AM HALBFESTE GRABNISCHEN VERVOLLSTÄNDIGEN. MAN DARF AM HALBFESTE EINE WASCHGRUBE UND IM HOFE DES TOTEN EINEN SARG MACHEN. R. JEHUDA VERBIETET DIES, ES SEI DENN, DASS MIT IHM BRETTER VORHANDEN SIND.

3GEMARA. Was sind Grabnischen und was sind Gräber? R. Jehuda erwiderte: Grabnischen werden gegraben, Gräber werden gebaut. Ebenso wird auch gelehrt: Folgende heißen Grabnischen und folgende heißen Gräber: Grabnischen werden gegraben, Gräber werden gebaut.

4WOHL ABER GRABNISCHEN VERVOLLSTÄNDIGEN. Was heißt vervollständigen? R. Jehuda erwiderte: Ist sie zu lang, so kürzt man sie. In einer Barajtha wurde gelehrt: Länger und breiter machen.

5EINE WASCHGRUBE GRABEN &C. Was heißt Waschgrube? R. Jehuda erwiderte: Ein Teich. Es wird ja aber gelehrt: Waschgrube und Teich!? Abajje, nach anderen R. Kahana, erwiderte: Der Teich und die Teichgrube.

6IM HOFE DES TOTEN EINEN SARG. Wir lernen also das, was die Rabbanan [in einer Barajtha] gelehrt haben: Man darf alles verrichten, was für den Toten nötig ist: man schneide ihm das Haar, wasche ihm das Gewand und fertige ihm einen Sarg aus Brettern, die seit vor dem Feste zugeschnitten sind; R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, man dürfe auch Holz holen und heimlich in der Wohnung Bretter fertigen.

7MAN DARF AM HALBFESTE KEINE FRAU HEIRATEN, WEDER EINE JUNGFRAU NOCH EINE WITWE, AUCH NICHT DIE SCHWAGEREHE VOLLZIEHEN, WEIL DIES EINE FREUDE FÜR IHN IST, WOHL ABER SEINE GESCHIEDENE WIEDERHEIRATEN.

8EINE FRAU DARF AM HALBFESTE IHRE SCHÖNHEITSMITTEL GEBRAUCHEN, R. JEHUDA SAGT, JEDOCH KEINEN KALK AUFTRAGEN, WEIL DIES SIE VERUNZIERT. DER LAIE DARF AUF GEWÖHNLICHE WEISE NÄHEN, DER HANDWERKER NUR IN HUNDEZAHN-STICHEN. MAN DARF DIE BETT[GURTE] FLECHTEN; R. JOSE SAGT, NUR SPANNEN.

9GEMARA. Was ist denn dabei, daß es für ihn eine Freude ist!? R. Jehuda erwiderte im Namen Šemuéls, ebenso sagte R. Elea͑zar im Namen Oša͑jas, und wie manche sagen, R. Elea͑zar im Namen R. Ḥaninas: Man mische nicht zwei Freuden miteinander. Rabba b. Hona erwiderte: Man würde dann die Festfreude lassen und sich der Freude an seiner Frau hingeben.

10Abajje sprach zu R. Joseph: Das, was Rabba b. Hona gesagt hat, ist von Rabh. R. Daniél b. Qaṭṭina sagte nämlich im Namen Rabhs: Woher, daß man am Feste nicht heirate? Es heißt: du sollst dich an deinem Feste freuen, nicht aber an deiner Frau.

11U͑la erklärte: Wegen der damit verbundenen Umstände. R. Jiçḥaq der Schmied erklärte: Wegen Unterlassung der Fortpflanzung.

12Man wandte ein: All diejenigen, von denen sie gesagt haben, sie dürfen am Halbfeste keine Frau heiraten,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.