Moed Katan — Blatt 9b
1und eines gilt von einem Gebote, das nicht durch andere ausgeübt werden kann.
2Sie saßen und wiesen ferner auf folgenden [Widerspruch] hin; es heißt: sie ist kostbarer als Korallen und all deine Angelegenheiten kommen ihr nicht gleich, wohl aber die himmlischen Angelegenheiten, dagegen heißt es: keine Angelegenheit kommt ihr gleich, auch himmlische Angelegenheiten kommen ihr nicht gleich!?
3Eines gilt von einem Gebote, das auch durch andere ausgeübt werden kann, und eines gilt von einem Gebote, das nicht durch andere ausgeübt werden kann.
4Alsdann fragten sie ihn: Was wünschest du hier? Dieser erwiderte: Mein Vater sagte zu mir: geh zu ihnen, daß sie dich segnen. Da sprachen sie zu ihm: Möge es [Gottes] Wille sein, daß du säest und nicht erntest, daß du heimbringest und nicht fortbringest, fortbringest und nicht heimbringest, daß dein Haus zerstört und dein Absteigequartier bewohnt sei, daß dein Brot in Verwirrung gerate und daß du kein neues Jahr erblickest.
5Als er zu seinem Vater zurückkehrte, sprach er: Nicht allein, daß sie mich nicht gesegnet haben, sie bereiteten mir auch Schmerz. Dieser fragte: Was sprachen sie zu dir? Jener erwiderte: Das und das sprachen sie zu mir. Da sprach dieser: Das sind alles Segnungen. Daß du säest und nicht erntest: daß du Kinder zeugest und sie nicht sterben. Daß du heimbringst und nicht fortbringst: daß du Schwiegertöchter heimführest und deine Söhne nicht sterben, sodaß sie nicht fortgehen. Daß du fortbringest und nicht heimbringest: daß du Töchter zeugest und ihre Männer nicht sterben, sodaß sie nicht zu dir zurückkehren.
6Daß dein Haus zerstört und dein Absteigequartier bewohnt sei: diese Welt ist ein Absteigequartier und jene Welt ist das richtige Wohnhaus, denn es heißt: ihr Inneres ist ihr Haus, und man lese nicht: qirbam [Inneres], sondern: qibram [ihr Grab].
7Daß dein Brot in Verwirrung gerate: durch viele Söhne und Töchter. Daß du kein neues Jahr erblickest: daß deine Frau nicht sterbe und du keine neue heiratest.
8Als R. Šimo͑n b. Ḥalaphta sich von Rabbi verabschiedete, sprach er zu seinem Sohne: Geh zu ihm hin, damit er dich segne. Jener sprach: Möge es [Gottes] Wille sein, daß du nicht beschämst und nicht beschämt wirst. Als er zu seinem Vater zurückkehrte, fragte er ihn: Was sagte er dir? Jener erwiderte: Er sagte zu mir nur gleichgiltige Worte.
9Dieser sprach: Er segnete dich mit demselben Segen, mit dem der Heilige, gepriesen sei er, Jisraél gesegnet und dies auch wiederholt hat, denn es heißt: ihr sollt reichlich zu essen haben und satt werden und sollt preisen &c. und in alle Zukunft soll mein Volk nimmermehr beschämt werden. Ihr sollt wissen, daß ich inmitten Jisraéls bin &c. und in alle Zukunft soll mein Volk nimmermehr beschämt werden.
10EINE FRAU DARF SCHÖNHEITSMITTEL GEBRAUCHEN. Die Rabbanan lehrten: Folgende sind Schönheitsmittel der Frauen: sie darf die Augen schminken, sich frisieren und das Gesicht schminken. Manche sagen, sie dürfe sich unten enthaaren.
11Die Frau Ḥisdas schmückte sich noch in Gegenwart ihrer Schwiegertochter. Da sprach R. Hona b. Henana, der vor R. Ḥisda saß: Dies lehrten sie nur von einer Jungen, nicht aber von einer Alten.
12Dieser erwiderte: Bei Gott, sogar deine Mutter, sogar deine Großmutter, und selbst eine, die am Rande ihres Grabes steht, denn die Leute sagen: Gleich der Sechsjährigen läuft die Sechzigjährige hinter der Pauke her.
13R. JEHUDA SAGT, JEDOCH KEINEN KALK AUFTRAGEN. ES wird gelehrt: R. Jehuda sagt, eine Frau dürfe [am Halbfeste] keinen Kalk auf tragen, weil dies sie verunziert; jedoch pflichtet R. Jehuda bei, daß sie den Kalk, den sie noch am Feste entfernen kann, am Feste auf tragen dürfe, denn wenn es ihr auch jetzt unangenehm ist, ist sie später froh. –
14Hält denn R. Jehuda von dieser Begründung, wir haben ja gelernt:
15R. Jehuda sagt, man dürfe von ihm eine Zahlung annehmen, weil ihm dies unangenehm ist. Sie sprachen zu ihm: Wenn es ihm jetzt auch unangenehm ist, so ist er später froh.
16R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Laß doch die Vorschriften über [Verrichtungen] am Feste; bei allen ist es zuerst beschwerlich, später aber ist man froh.
17Rabina erwiderte: Einem Nichtjuden ist eine Zahlungsleistung immer unangenehm.
18R. Jehuda sagte: Wenn die jisraélitischen Töchter vorzeitig entwickelt sind, so bestreicht man sie, wenn sie arm sind, mit Kalk, wenn sie reich sind, mit feinem Mehl, und Fürstentöchter mit Myrrhenöl, wie es heißt: sechs Monate mit Myrrhenöl. –
19Was heißt Myrrhenöl? R. Hona b. Hija erwiderte: Setakhet. R. Jirmeja b. Abba erwiderte: Öl aus Oliven, die noch kein Drittel [der Reife] erlangt haben. Es wird gelehrt:
20R. Jehuda sagte: Anpikinun ist ein Öl aus Oliven, die noch kein Drittel [der Reife] erlangt haben. – Wozu schmiert man sich damit? – Weil es das Haar entfernt und die Haut geschmeidig macht.
21R. Bebaj hatte eine Tochter, die sich damit jedes Glied besonders salbte, und er erhielt für sie vierhundert Zuz. In seiner Nachbarschaft wohnte ein Nichtjude, der eine Tochter hatte, die sich mit einem Male salbte, und sie starb. Da sprach er: Bebaj hat meine Tochter getötet. R. Naḥman sagte: Die Töchter R. Bebajs, der berauschende Getränke trinkt, benötigen des Salbens, unsere Töchter benötigen des Salbens nicht, da wir keine berauschenden Getränke trinken.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.