Nasir — Blatt 17b
1Vielmehr, wenn er in einer Truhe, einer Kiste oder einem Schranke hinaufgekommen istund jemand das Verdeck entfernt hat;
2ist das Verweilen nur beim Tempelerforderlich, nicht aber außerhalb desselben, oder gibt es hierbei keinen Unterschied? – Dies bleibt unentschieden.
3R. Aši fragte: Benötigt derjenige, der sich auf einem Begräbnisplatze befindet und ein Nazirat gelobt, des Scherens oder nicht? Benötigt nur ein Reiner, der unrein wird, des Scherens, weil er sein Nazirat verunreinigt hat, nicht aber ein Unreiner, der ein Nazirat gelobthat, oder gibt es hierbei keinen Unterschied? –
4Komm und höre: Wenn jemand sich auf einem Begräbnisplatze befindet und ein Nazirat gelobt, so werden ihm, selbst wenn er sich da dreißig Tage aufhält, diese nicht angerechnet und er braucht das Unreinheitsopfer nicht darzubringen. Nur das Unreinheitsopfer braucht er nicht darzubringen, wohl aber benötigt er des Scherens. – Eben aus diesem Grunde: das Unreinheitsopfer braucht er deshalb nicht darzubringen, weil er des Scherens nicht benötigt. –
5Komm und höre: Der Unterschied zwischen einem Unreinen, der ein Nazirat gelobt hat, und einem reinen Nazir, der unrein wird, besteht nur hierin: einem Unreinen, der ein Nazirat gelobt hat, wird der siebente Tagangerechnet, und einem reinen Nazir, der unrein wird, wird der siebente Tag nicht angerechnet. Hinsichtlich des Scherens aber gleichen sie wohl einander. – Nein, sie gleichen einander hinsichtlich der Geißelung. –
6Sollte er doch, wenn der eine des Scherens benötigt und der andere des Scherens nicht benötigt, dies lehren!? – Er lehrt vom siebenten Tage und allem, was damit zusammenhängt. –
7Komm und höre: Ich weiß nur, daß die Tage seiner Unreinheitihm nicht angerechnet werden, woher dies von den Tagen des entschiedenenAussatzes? Es ist durch einen Schluß zu folgern: [nach] den Tagen der Unreinheit muß er sich scheren und ein Opfer darbringen und [nach] den Tagen des entschiedenen Aussatzes muß er sich scheren und ein Opfer darbringen, wie nun die Tage der Unreinheit ihm nicht angerechnet werden, ebenso werden ihm die Tage des entschiedenen Aussatzes nicht angerechnet.
8Nein, die Tage der Unreinheit heben die vorangehendenauf, daher werden sie ihm nicht angerechnet, die Tage des entschiedenen Aussatzes aber heben die vorangehenden nicht auf, daher sind sie ihm wohl anzurechnen.
9Ich will dir sagen: wenn siedemjenigen, der an einem Grabe ein Nazirat gelobt, dessen Haar zum Scheren geeignet ist, nicht angerechnet werden, um wieviel weniger sind ihm die Tage des entschiedenen Aussatzes anzurechnen, während welcher es zum Scheren nicht geeignetist.
10Wahrscheinlich doch das Scheren wegen der Unreinheit. – Nein, das Scheren der Reinheit. Dies ist auch einleuchtend;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.