Nasir — Blatt 23a
1unsere Mišna aber spricht von dem Falle, wenn er gesagt hat: ich will Nazir sein, du auch? er kann daher ihres aufheben und seines bleibt bestehen.
2WENN EINE FREI EIN NAZIRAT GELOBT UND WEIN GETRUNKEN ODER SICH AN TOTEN VERUNREINIGT HAT, SO ERHÄLT SIE DIE VIERZIG [GEISSELHIEBE]. WENN IHR MANN ES IHR AUFGEHOBEN HAT UND SIE, OHNE ZU WISSEN, DASS IHR MANN ES IHR AUFGEHOBEN HAT, WEIN GETRUNKEN ODER SICH AN TOTEN VERUNREINIGT HAT, SO ERHÄLT SIE NICHT DIE VIERZIG [GEISSELHIEBE]. R. JEHUDA SAGT, WENN SIE AUCH DIE VIERZIG GEISSELHIEBE NICHT ERHÄLT, SO ERHÄLT SIE DENNOCH GEISSELHIEBE DER WIDERSPENSTIGKEIT.
3GEMARA. Die Rabbanan lehrten:Ihr Mann hat sie aufgehoben, und der Herr wird ihr verzeihen. Die Schrift spricht von einer Frau, der ihr Mann [das Gelübde] aufgehoben und sie es nicht gewußthat, daß sie der Sühne und der Vergebung benötige.
4Wenn R. A͑qiba an diesen Vers herankam, weinte er: wenn einer, der Schweinefleisch [essen] wollte und Lammfleisch ihm in die Hand gekommen ist, der Sühne und der Vergebung benötigt, um wieviel mehr derjenige, der Schweinefleisch [essen] wollte und Schweinefleisch ihm in die Hand gekommen ist.
5Desgleichen heißt es:und er es nicht wußte und sich verschuldet, so trage er seine Sünde;
6wenn die Schrift von einem, der Lammfleisch [essen] wollte und Schweinefleisch ihm in die Hand gekommen ist, wenn es beispielsweise zweifelhaft ist, ob es ein Stück Fett oder ein Stück Talg war, sagt: so trage er seine Sünde, um wieviel mehr gilt dies von dem, der Schweinefleisch [essen] wollte und Schweinefleisch ihm in die Hand gekommen ist.
7Isi b. Jehuda sagte: Und er es nicht wußte und sich verschuldet, so trage er seine Sünde; wenn einer, der Lammfleisch [essen] wollte und Schweinefleisch ihm in die Hand gekommen ist, wenn es beispielsweise zwei Stücke waren, eines Talg und eines Fett, seine Sünde trägt, um wieviel mehr derjenige, der Schweinefleisch [essen] wollte und Schweinefleisch ihm in die Hand gekommen ist.
8Hierüber sind die Betrübten betrübt. –
9Wozu sind all diese [Fälle] nötig? – Sie sind nötig. Würde er es nur von der Frau gelehrt haben, [so könnte man glauben,] nur diese benötige der Sühne und der Vergebung, weil sie von vornherein Verbotenesbeabsichtigt hat, bei einem Stücke aber, hinsichtlich dessen es zweifelhaft ist, ob es Talg oder Fett war, wobei er Erlaubtes [essen] wollte, benötige er nicht der Sühne und der Vergebung.
10Würden nur die anderen gelehrt worden sein, [so könnte man glauben,] weil Verbotenes vorhandenwar, eine Frau aber, der ihr Mann [das Gelöbnis] aufgehoben hat, die somit Erlaubtes getan hat, benötige nicht der Sühne und Vergebung.
11Und würden nur diese beiden gelehrt worden sein, so könnte man glauben, nur in diesen beiden Fällen genügen Sühne und Vergebung, weil das Verbotene nicht festgestellt ist, bei zwei Stücken aber, eines Talg und eines Fett, wobei das Verbotene festgestelltist, seien Sühne und Vergebung nichtausreichend, so lehrt er uns, daß es hierbei keinen Unterschied gebe.
12Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Es heißt:Gerade sind die Wege des Herrn, die Frommen wandeln auf ihnen, aber die Frevler kommen auf ihnen zu Fall; dies ist zu vergleichen mit dem Falle, wenn zwei Personen ihr Pesaḥlamm gebraten und der eine es zur Ausübung des Gebotes und der andere es zur Völlerei gegessen hat. Über den, der es zur Ausübung des Gebotes gegessen hat, heißt es: die Frommen wandeln auf ihnen, und über den, der es zur Völlerei gegessen hat, heißt es: und die Frevler kommen auf ihnen zu Fall.
13Reš Laqiš sprach zu ihm: Wieso nennst du ihn einen Frevler; zugegeben, daß er das Gebot nicht auf das Vorzügliche ausgeübt hat, aber das Pesaḥopfer hat er ja hergerichtet!? Vielmehr ist dies mit folgendem Falle zu vergleichen; wenn zwei Personen Frau und Schwester bei sich hatten, und einer zu seiner Frau und der andere zu seiner Schwester geriet. Über den, der zu seiner Frau geriet, heißt es: die Frommen wandeln auf ihnen, und über den, der zu seiner Schwester geriet, heißt es: und die Frevler kommen auf ihnen zu Fall. –
14Ist es denn gleich, wir sprechen von einem Wege, hierbei aber sind es zweiWege!? Vielmehr, dies ist mit Loṭ und seinen beiden Töchtern zu vergleichen; über sie, die eine gute Handlungbezweckten, heißt es: die Frommen wandeln auf ihnen, über ihn, der eine Sünde bezweckte, heißt es: und die Frevler kommen auf ihnen zu Fall. –
15Vielleicht hatte er ebenfalls eine gute Handlung bezweckt!? R. Joḥanan erwiderte: Der ganze Schriftvers deutetdarauf, daß er nur eine Sünde bezweckt hatte.
16Loṭ erhob, [und es heißt:]da erhob die Frau seines Herrn ihre Augen.Seine Augen, [und es heißt:] denn sie ist recht in meinen Augen.
17Und sah, [und es heißt:]da sah Šekhem, der Sohn Ḥamors.Den ganzen Umkreis [kikar] des Jarden, [und es heißt:]denn durch ein Hurenweib [kommt man herunter] bis auf einen Laib [kikar] Brot.Daß er ganz durchtränkt war, [und es heißt:]ich will meinen Buhlen folgen, die mir Brot und Wasser, Wolle und Flachs, Öl und Getränke spenden. –
18Bei ihmwar es ja ein Zwangsfall!? – Im Namen des R. Jose b. R. Ḥoni wurde gelehrt: Auf dem u im [Worte] ubequma, das bei der älteren [Tochter gebraucht wird], befindet sich deshalb ein Punkt, um anzudeuten, daß er es zwar bei ihrem Sichniederlegen nicht gemerkt hatte, wohl aber bei ihrem Aufstehen. –
19Was sollte er dann machen, was geschehen, war ja bereits geschehen!? – Er sollte am folgenden Abend keinen Wein trinken.
20Raba trug vor: Es heißt:Ein Bruder, der treulos wird der festen
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.