Nasir — Blatt 31b

1und jemand ihnen entgegenkommt, und einer spricht: ich will Nazir sein, wenndieser N. ist, darauf ein anderer: ich will Nazir sein, wenn es nicht N. ist, [darauf ein anderer:] ich will Nazir sein, wenn einer von euch Nazir ist, [darauf ein anderer:] wenn einer von euch nicht Nazir ist, [darauf ein anderer:] wenn ihr beide Naziräer seid, [und darauf ein anderer:] wenn ihr alle Naziräer seid, so sind, wie die Schule Šammajs sagt, alle Naziräer.

2Hierbei ist es ja eine irrtümlicheHeiligung, und er lehrt, daß alle Naziräer seien!? – Ich will dir sagen, hieraus ist zu entnehmen, daß die Schule Šammajs der Ansicht ist, die irrtümliche Heiligung gelte als Heiligung, aus jener Lehre aber nicht.

3Abajje erklärte: Hier wird nicht von dem Falle gesprochen, wenn es morgenserfolgt, sondern wenn es mittagserfolgt; wenn er nämlich gesagt hat: der zuerst aus meinem Hause herauskommende schwarze Ochs sei geheiligt, und als man zu ihm sagte, ein weißer sei zuerst herausgekommen, er erwidert: wenn ich gewußt hätte, daß ein weißer herausgekommen ist, würde ich nicht ‘schwarzer’ gesagt haben. –

4Wieso kannst du sagen, hier werdevon dem Falle gesprochen, wenn es mittags erfolgt, es heißt ja: der [zuerst] kommendeGolddenar!? – Lies: gekommene. – Das zuerst kommende Faß Wein!? – Lies: gekommene.

5R. Ḥisda sagte: Ein schwarzes [Rind] unter weißen ist ein: Fehler, dennoch sind weiße [Flecke] an einem schwarzen ein Fehler. – Es wird gelehrt: Der zuerst aus meinem Hause herauskommende schwarze Ochs sei geheiligt. Er glaubte, wer etwas heiligt, tue es ja mit mißgönnendemAuge, und die Schule Šammajs sagt, daß ergeheiligt sei!? –

6Erfolgt etwa die Heiligung mit gönnendemAuge, [es wird ja gelehrt:] der in meine Hand zuerst kommende Golddenar [sei geheiligt], und einer aus Silber [in seine Hand] gekommen ist, so ist er, wie die Schule Šammajs sagt, geheiligt. –

7Erfolgt etwa die Heiligung mit mißgönnendem Auge, [es wird ja gelehrt:] Das in meine Hand zuerst kommende Faß Wein [sei geheiligt], und eines mit Öl [in seine Hand] gekommen ist, so ist es, wie die Schule Šammajs sagt, geheiligt. Öl ist ja wertvoller als Wein!? – Wenn nur dies, so ist dies kein Einwand, diese Lehre gilt für Galiläa, wo Wein wertvoller ist als Öl;

8aus dem ersten Falle aber ist ein Einwand gegen R. Ḥisda zu entnehmen. – R. Ḥisda kann dir erwidern: ich spreche von den carmanischen Ochsen.

9Ferner sagte R. Ḥisda: Ein schwarzes [Rind]wegen der Haut, ein rotes wegen des Fleisches und ein weißes zum Pflügen. – R. Ḥisda sagte ja aber, ein schwarzes unter weißen sei ein Fehler!? – Er sagte dies von den carmanischen Ochsen.

10WENN JEMAND EIN NAZIRAT GELOBT, DIESBEZÜGLICH EINEN GELEHRTEN BEFRAGTUND DIESER ES ALS VERBINDLICH ERKLÄRT HAT, SO BEGINNT DIE ZÄHLUNG MIT DER STUNDE DES GELOBENS. WENN ER EINEN GELEHRTEN BEFRAGT UND DIESER ES ALS UNVERBINDLICH ERKLÄRT HAT, SO DARF DAS BEREITS ABGESONDERTE VIEH IN DIE HERDE KOMMEN UND WEIDEN.

11DIE SCHULE HILLELS SPRACH ZU DER SCHULE ŠAMMAJS: PFLICHTET IHR ETWA NICHT BEI, DASS HIERBEI EINE IRRTÜMLICHE HEILIGUNG ERFOLGT IST UND [DAS VIEH] IN DIE HERDE KOMMT UND WEIDET!? DIE SCHULE ŠAMMAJS ERWIDERTE: PFLICHTET IHR ETWA NICHT BEI, DASS, WENN JEMANDSICH GEIRRT UND DAS NEUNTE ALS ZEHNTES, DAS ZEHNTE ALS NEUNTES ODER DAS ELFTE ALS ZEHNTES BEZEICHNET HAT, ES GEHEILIGTIST!?

12DIE SCHULE HILLELS ERWIDERTE: NICHT DER STAB HEILIGT ES; IST ES DENN VON WIRKUNG, WENN ER DEN STAB AUF DAS ACHTE ODER AUF DAS ZWÖLFTE GELEGTHAT!? VIELMEHR HAT DIE SCHRIFT, DIE DAS ZEHNTE FÜR HEILIG ERKLÄRT HAT, AUCH DAS NEUNTE

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.