Nasir — Blatt 40a

1da nicht vom Schwereren auf das Leichtere erschwerendzu folgern ist.

2Rabbi sagt, dies sei nicht nötig; es heißt: ein Schermesser soll nicht über sein Haupt gehen bis zum Vollwerden, und damit sagt die Tora, daß nach dem Vollwerden das Scheren nur mit einem Schermesser zu erfolgen habe. –

3Es heißt ja auch: ein Schermesser soll nicht über sein Haupt gehen!? –

4Dies lehrt, daß er dadurchzwei Verbote begehe.

5R. Ḥisda sagte: Geißelungerfolgt wegen eines [Haares], abhängig ist esvon zwei, hinfällig ist esbeim größeren Teile des Kopfes, wenn es mit einem Schermesser erfolgt ist. –

6Nur mit einem Schermesser, nicht aber mit etwas anderem, und [dem widersprechend] lehrt er : Woher, daß alles einbegriffen ist, was [das Haar] entfernt!?– Lies vielmehr: wiemit einem Schermesser.

7Ebenso wird auch gelehrt : Wenn ein Nazir etwas [vom Haare] ausgerissen, gerupft oder gezwickt hat, [so ist er schuldig,] hinfällig ist es nur, wenn es am größeren Teile des Kopfes mit einem Schermesser erfolgt ist. R. Šimo͑n b. Jehuda sagte im Namen R. Šimo͑ns : Wie [das Scheren] von zwei Haaren abhängigist, ebenso ist [das Nazirat] bei zwei Haaren hinfällig.

8Dort haben wir gelernt: Drei müssen sich scheren, und ihre Schur ist Gebot: der Nazir, der Aussätzige und die Leviten. Diese alle haben, wenn sie sich nicht mit einem Schermesser geschoren oder zwei Haare zurückgelassen haben, nichts getan.

9Der Meister sagte: Drei müssen sich scheren und ihre Schur ist Gebot. Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, da dies wegen der Entfernung des Haares erfolgt, sei auch das Bestreichen mit einem Enthaarungsmittel zulässig, so lehrt er uns, daß dem nicht so sei. –

10Er lehrt : wenn sie sich nicht mit einem Schermesser geschoren. Einleuchtend ist dies vom Nazir, denn es heißt: ein Schermesser soll nicht über sein Haupt gehen, ebenso heißt es auch von den Leviten :sie sollen ein Schermesser über ihren ganzen Leib gehen lassen, woher aber, daß es beim Aussätzigen mit einem Schermesser erfolgen muß?

11Wolltest du sagen, dies sei von den Leviten zu entnehmen, wie bei den Leviten, die des Scherens benötigen, das Scheren nur mit einem Schermesser erfolgen muß, ebenso muß beim Aussätzigen, der des Scherens benötigt, das Scheren nur mit einem Schermesser erfolgen, so ist zu erwidern : wohl gilt dies von den Leviten, die auch des Schwingens des Körpersbenötigen, was aber beim Aussätzigen nicht der Fall ist.

12Wollte man es vom Nazir entnehmen, [so ist zu erwidern :] wohl gilt dies vom Nazir, dessen Opfer der Brotebenötigt, was beim Aussätzigen nicht der Fall ist. – Vielmehr, wenn dies von einem nicht zu entnehmen ist, so entnehme man es von beiden.

13Wenn man es von den Leviten entnimmt und erwidert: wohl gilt dies von den Leviten, die des Schwingens des Körpers benötigen, so beweist der Nazir [das Entgegengesetzte] ; [erwidert man :] wohl gilt dies vom Nazir, dessen Opfer der Brote benötigt, so beweisen die Leviten [das Entgegengesetzte].

14Die Replikation wiederholt sich nun : die Eigenheit des einen gleicht nicht der Eigenheit des anderen und die Eigenheit des anderen gleicht nicht der Eigenheit des einen ; das Gemeinsame bei ihnen ist, daß sie des Scherens benötigen, und das Scheren muß mit einem Schermesser erfolgen, somit muß auch heim Aussätzigen, der des Scherens benötigt, das Scheren mit einem Schermesser erfolgen.

15Raba aus Barniš sprach zu R. Aši : Es ist ja zu erwidern: das Gemeinsame bei ihnen ist,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.