Nasir — Blatt 58a
1so könnte man glauben, dies gelte auch von einem Aussätzigen, so heißt es: sein Haupt. Ferner lehrt ein Anderes: Sein Haupt; was lehrt dies? Da es beim Nazir heißt:ein Schermesser gehe nicht über sein Haupt, so könnte man glauben, dies gelte auch vom aussätzigen Nazir, so heißt es: sein Haupt.
2Der Streit dieser Tannaím besteht wahrscheinlich in folgendem: derjenige, der es auf den Nazir bezieht, ist der Ansicht, das Rundscheren des ganzen Kopfes gelte nicht als Rundscheren, und der Schriftvers lehrt die Verdrängung des Verbotes und des Gebotes, und, der andere ist der Ansicht, das Rundscheren des ganzen Kopfes gelte als Rundscheren, und der Schriftvers lehrt die Verdrängung dieses Verbotesallein.
3Raba erwiderte: Alle sind der Ansicht, das Rundscheren des ganzen Kopfes gelte nicht als Rundscheren, und der Schriftvers bezieht sich auf den Fall, wenn er zuerst [die Ecken] und nachher [den ganzen Kopf] geschoren hat. Er ist, da er nicht strafbar wäre, wenn er sich mit einem Male geschoren hätte, auch dann nicht strafbar, wenn er sich zuerst [die Ecken] und nachher [den ganzen Kopf] geschoren hat. –
4Lehrt denn die Schrift solches, Reš Laqiš sagte ja, überall, wo du ein Gebot mit einem Verbote [zusammenstoßen] findest, sei es, wenn du beide aufrecht erhalten kannst, recht, wenn aber nicht, so komme das Gebot und verdränge das Verbot!?
5Vielmehr sind alle der Ansicht, das Rundscheren des ganzen Kopfes gelte als Rundscheren. – Woher weiß derjenige, nach dem der Schriftvers lehrt, daß [das Gebot] das Verbot und Gebot verdränge, daß dies auch von einem Verbote alleingelte? –
6Er folgert dies von den Çiçithfaden. Die Schrift sagt:du sollst kein Mischgewebe tragen, und hierzu wird gelehrt: du sollst kein Mischgewebe tragen, wohl aber darfst du dir aus solchen Çiçithfaden machen. –
7Weshalb folgert derjenige, der dies aus [dem Worte] Haupt folgert, es nicht von den Çiçithfaden!? – Er kann dir erwidern: [dieser Schriftvers] deutet auf eine Lehre Rabas.
8Raba wies nämlich auf einen Widerspruch hin: es heißt:sie sollen an der Zipfelquaste einen purpurblauen Faden anbringen, von der Art des Zipfels, und es heißt:Wolle und Flachs zusammen;
9wie ist dieszu erklären? Wolle und Flachs sind zulässig sowohl für dieselbe Artals auch für andere Arten, alles andere aber ist zulässig nur für dieselbe Art, nicht aber für andere Arten. –
10Woher weiß der Autor, der aus [dem Worte] Haupt [die Verdrängung] eines Verbotes allein entnimmt, daß ein Gebot ein Verbot und Gebot verdränge!? – Er entnimmt dies aus [dem Worte] seinen Bart.
11Es wird nämlich gelehrt: Seinen Bart; was lehrt dies? Da es heißt:die Ecke ihres Bartes sollen sie nicht scheren, so könnte man glauben, dies gelte auch von einem aussätzigen Priester, so heißt es seinen Bart. –
12Sollte doch derjenige, der [die Verdrängung] eines Gebotes und Verbotes aus [dem Worte] sein Haupt entnimmt, es aus [dem Worte] seinen Bart entnehmen!? – Wir wissen, daß sonst
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.