Nedarim — Blatt 19a
1begreift man seine Person erst recht nicht ein.
2Abajje sprach zu ihm: Du hast also die Ansicht, beim Nazirat sei es im Zweifel zu erleichtern, R. Elie͑zer addiziert, wie ist demnach der Schlußsatz zu erklären: bei einem Zweifel hinsichtlich des Erstgeborenen, ob das Erstgeborene von Menschen oder das Erstgeborene von Vieh, ob von unreinem oder reinem, hat der, der vom anderenfordert, den Beweis anzutreten
3und hierzu wird gelehrt: jedoch ist [das Vieh] zu Schur und Arbeit verboten!?
4Dieser erwiderte: Wieso vergleichst du die von selbst entstehende Heiligkeitmit der durch Menschen hervorgerufenen Heiligkeit!?
5Wenn du einen Einwand erheben willst, ist vielmehr folgendes einzuwenden: Flüssigkeiten sind im Zweifelverunreinigungsfähig, um unrein zu sein, nicht aber anderes unrein zu machen – so R. Meír, und derselben Ansicht ist auch R. Elie͑zer.
6Ist R. Elie͑zer denn der Ansicht, sie seien verunreinigungsfähig, um unrein zu sein,
7es wird ja gelehrt: R. Elie͑zer sagt, für die Unreinheit von Flüssigkeiten gebe es [in der Tora] keinen Anhalt. Dies ist zu beweisen, denn Jose b. Joe͑zer aus Çereda bekundete, daß die Widderheuschreckerein sei, und daß die Flüssigkeiten im Schlachthauserein seien.
8Richtig ist es nach Šemuél, welcher sagt, sie seien rein, indem sie anderes nicht unrein machen, sie selber aber seien verunreinigungsfähig,
9wie ist es aber nach Rabh zu erklären, welcher sagt, sie seien überhaupt nicht verunreinigungsfähig!? –
10Vielmehr, das eine nach R. Jehuda und das andere nach R. Šimo͑n.
11Es wird nämlich gelehrt: [Sagt jemand:] ich will Nazir sein, wenn in diesem Getreidehaufen hundert Kor sind, und er hingeht und findet, daß er gestohlen worden oder abhanden gekommen ist, so ist er nach R. Jehuda nicht gebunden und nach R. Šimo͑n gebunden. –
12Ich will auf einen Widerspruch hinweisen, in dem R. Jehuda sich befindet: kann R. Jehuda denn gesagt haben, man gebe sich nicht hin im Falle eines Zweifels, ich will auf einen Widerspruch hinweisen: R. Jehuda sagt, wenn ‘Hebe’ schlechthin, sei es ihm in Judaä verboten und in Galiläa erlaubt, weil die Leute von Galiläa die Hebe der Tempelkammer nicht kennen. Nur deshalb, weil sie sie nicht kennen, würden
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.