Nedarim — Blatt 20b

1ihre Kinder so überaus schön seien, und sie erwiderte ihnen: Er unterhält sich mit mir weder bei Beginn der Nacht noch am Ende der Nacht, sondern nur um Mitternacht, und wenn er sich mit mir abgibt, entblößt er eine Handbreite und verhüllt eine Handbreite, und er benimmt sich so, als zwänge ihn ein Dämon dazu.

2Als ich ihn nach dem Grunde fragte, erwiderte er mir, damit er sein Auge nicht auf eine andere Frau richte, und seine Kinder zu Hurenkindern mache!? –

3Das ist kein Einwand; das eine gilt von Angelegenheiten der Beiwohnung und das andere von anderen Angelegenheiten.

4R. Joḥanan sagte: Dies ist die Ansicht des Joḥanan b. Dahabaj; die Weisen aber sagten, die Halakha sei nicht wie Joḥanan b. Dahabaj, vielmehr könne jeder mit seiner Frau machen, was ihm beliebt. Dies ist ebenso, als wenn man Fleisch vom Schlächter holt; will man es mit Salz essen, esse man es so, wenn gebraten, esse man es so, wenn gekocht, esse man es so, wenn gesotten, esse man es so. Oder ebenso, als wenn man einen Fisch vom Fänger holt.

5Amemar sagte: Unter Dienstengel sind die Rabbanan zu verstehen, denn wieso würde, wenn man wirkliche Dienstengel sagen wollte, R. Joḥanan gesagt haben, die Halakha sei nicht wie R. Joḥanan b. Dahabaj, diese sind ja in der Entwicklung des Embryos kundiger!? Er nennt sie deshalb Dienstengel, weil sie wie Dienstengel ausgezeichnet sind.

6Einst kam [eine Frau] vor Rabbi und sprach zu ihm: Meister, ich richtete ihm den Tisch her, und er drehteihn um. Er erwiderte ihr: Meine Tochter, die Tora hat dich ihm freigegeben, was kann ich dir helfen? Einst kam [eine Frau] vor Rabh und sprach zu ihm: Meister, ich richtete ihm den Tisch her, und er drehte ihn um. Er erwiderte ihr: Damit ist nicht anders als mit einem Fische.

7Ihr sollt nicht nach eurem Herzen umherspähen. Hierauf bezugnehmend sagte Rabbi: Man soll nicht aus einem Becher trinken und die Augen auf einen anderenrichten. Rabina sagte: Dies ist wegen des Falles nötig, wenn sogar beide seine Frauen sind.

8Und ich will von euch die Empörer und die Frevler ausscheiden. R. Levi sagte: Das sind die in folgenden neunFällen Erzeugten:

9in Angst Erzeugte, in Notzucht Erzeugte, im HaßErzeugte, im Banne Erzeugte, in VerwechselungErzeugte, im Streite Erzeugte, im Rausche Erzeugte, in beabsichtigter Scheidung Erzeugte, in MischungErzeugte und in SchamlosigkeitErzeugte. –

10Dem ist ja aber nicht so, R. Šemuél b. Naḥmani sagte ja im Namen R. Jonathans, daß, wenn einen seine Frau auffordert, er Kinder bekomme, wie solche sogar im Zeitalter unseres Meisters Moše nicht waren, denn es heißt:schafft euch Männer weise und einsichtig, und darauf folgt:und ich nahm euere Stammeshäupter, und es heißt nicht ‘einsichtig’,

11ferner heißt es:Jissakhar ist ein knochiger Esel, und es heißt:von den Söhnen Jissakhars solche, die Einsicht hatten in die Zeiten!? –

12Dies gilt von einer, die sich einschmeichelt.

13VIER GELÖBNISSCHWÜRE ERKLÄRTEN DIE WEISEN FÜR AUFGELÖST: ANSPORNUNGSGELÜBDE, ÜBERTREIBUNGSGELÜBDE, IRRTÜMLICHE GELÜBDE UND ZWANGSGELÜBDE. WAS HEISST ANSPORNUNGSGELÜBDE? WENN JEMAND, DER EINE SACHE VERKAUFEN WILL, SAGT: QONAM, DASS ICH DIR VON EINEM SELA͑ NICHTS NACHLASSE, UND DER ANDERE SAGT: QONAM, DASS ICH DIR NICHT MEHR ALS EINEN ŠEQEL GEBE,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.