Nedarim — Blatt 29a

1R. Hamnuna sprach zu ihm: Wo kommt die ihnen anhaftende Heiligkeit hin!? Geht denn eine Frau, zu der jemand sagt: sei heute meine Frau, morgen aber sei nicht mehr meine Frau, frei ohne Scheidebriefaus!?

2Raba erwiderte ihm: Wieso vergleichst du die Heiligkeit des Geldwertes mit der Heiligkeit des Körpers; die Heiligkeit des Geldwertes kann von selbst schwinden, die Heiligkeit des Körpers kann nicht von selbst schwinden.

3Abajje sprach zu ihm: Kann denn die Heiligkeit des Körpers nicht von selbst schwinden, es wird ja gelehrt, daß, [wenn jemand sagt:] dieses Rind sei dreißig Tage Brandopfer und nach dreißig TagenHeilsopfer, es dreißig Tage Brandopfer und nach dreißig Tagen Heilsopfer sei. Auch hierbei handelt es sich um die Heiligkeit des Körpers, und es schwindet von selbst!? –

4Hier wird von dem Falle gesprochen, wenn er vom Geldwerte spricht. –

5Wie ist demnach der Schlußsatz zu erklären: [Sagt er:] nach dreißig Tagen Brandopfer und von jetzt abHeilsopfer. Erklärlich ist es, daß der Autor beides zu lehren braucht, wenn du sagst, das erste gelte von der Heiligkeit des Körpers und das andere von der Heiligkeit des Geldwertes,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.