Nedarim — Blatt 41a

1Und Mangel an allem. R. Ami sagte im Namen Rabhs: Ohne Leuchte und ohne Tisch. R. Ḥisda sagte: Ohne Frau. R. Šešeth sagte: Ohne Diener. R. Naḥman sagte: Ohne Verstand. Es wird gelehrt: Ohne Salz und ohne Fettmasse.

2Abajje sagte: Es ist uns überliefert, unter arm sei nur einer an Verstand zu verstehen. Im Westen sagten sie: Bei wem dies ist, bei dem ist alles, bei wem dies nicht ist, was ist bei ihm? Wer dies erworben hat, was fehlt ihm, wer dies nicht erworben hat, was hat er?

3R. Alexandri sagte im Namen des R. Ḥija b. Abba: Der Kranke steht nicht eher von seiner Krankheit auf, als bis man ihm all seine Sünden vergeben hat, denn es heißt:der all deine Sünden vergibt, der all deine Krankheiten heilt. R. Hamnuna sagte: Er erlangt seine Jugend zurück, denn es heißt:feist wird sein Fleisch von Jugendfrische, er kehrt in die Tage seiner Jugend zurück. Sein ganzes Bett kehrst du um in seiner Krankheit. R. Joseph sagte: Dies besagt, daß er sein Studium vergißt.

4R. Joseph war nämlich krank gewesen und hatte sein ganzes Studium vergessen, und Abajje wiederholte es vor ihm. Deshalb heißt es an vielen Stellen: R. Joseph sprach: Ich hörte diese Lehre nicht. Und Abajje sprach zu ihm: Du selbst sagtest sie uns, und du hast sie aus folgender Barajtha entnommen.

5Als Rabbi seine Lehre auf dreizehn Arten studiert hatte, lehrte er sieben von ihnen R. Ḥija. Nachdem Rabbi erkrankt war, wiederholte ihm R. Ḥija die sieben Arten, die er ihn lehrte, sechs aber gingen verloren. Nun war da ein Walker, der Rabbi bei seinem Studium zuzuhören pflegte; an diesen wandte sich R. Ḥija und lernte sie bei ihm, dann wiederholte er sie vor Rabbi. Als Rabbi jenen Walker sah, sprach Rabbi zu ihm: Du hast mich und Ḥija hergestellt. Manche sagen, er sprach zu ihm wie folgt: Du hast Ḥija hergestellt und Ḥija mich.

6Ferner sagte R. Alexandri im Namen des R. Ḥija b. Abba: Größer ist das Wunder, das einem Kranken geschieht, als das Wunder, das Ḥananja, Mišaél und A͑zarja geschehen war. Bei Ḥananja, Mišaél und A͑zarja war es ein gemeinsamesFeuer, und jeder konnte es löschen, das [Fieber] des Kranken aber ist ein himmlisches, und wer kann es löschen?

7Ferner sagte R. Alexandri im Namen des R. Ḥija b. Abba, und wie manche sagen, im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi: Sobald des Menschen Ende heranreicht, hat jeder Gewalt über ihn, denn es heißt:und wer mich trifft, wird mich töten. Rabh entnimmt dies aus folgendem Schriftverse:vor deinem Gerichte standen sie heute, denn alle sind deine Knechte.

8Einst erzählte man Rabba b. Šila, ein hochgewachsener Mann sei ums Leben gekommen; er ritt auf einem kleinen Füllen, und als er an eine Brücke herankam, scheute es und warf ihn ab, infolgedessen er starb. Da las er über ihn: vor deinem Gerichte standen sie heute.

9Einst sah Šemuél einen Skorpion auf einem Frosche sitzen, und dieser brachte ihn über einen Fluß, wo er einen Menschen biß, der infolgedessen starb. Da las er über ihn: vor deinem Gerichte standen sie heute.

10Šemuél sagte: Man soll einen Kranken nur dann besuchen, wenn er vom Fieber ergriffen ist. – Was schließt dies aus? – Dies schließt den Fall der folgenden Lehre aus: R. Jose b. Proṭo sagte im Namen des R. Elea͑zar: Man besuche keinen Kranken, der an Leibschmerzen, Augenschmerzen oder Kopfschmerzen leidet. – Allerdings an Leibschmerzen, weil es ihm genanntist, weshalb aber, wenn an Augenschmerzen oder an Kopfschmerzen? –

11Wegen einer Lehre R. Jehudas, denn R. Jehuda sagte, das Sprechen sei bei Augen[schmerzen] schädlich und bei Fieber zuträglich. Raba sagte: Wäre das Fieber nicht ein Vorbote des Todesengels,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.