Nedarim — Blatt 41b

1so würde es einmal in dreißig Tagen einen Schutz gewähren, wie die Dornender Dattelpalme oder wie Theriak dem Körper. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Weder er selbst noch seinen Theriak.

2Rabba b. Jonathan sagte im Namen R. Jeḥiéls: A͑rsan ist der Heilung des Kranken zuträglich. – Was ist A͑rsan? R. Jonathan erklärte: Alte Graupen aus alter Gerste, die am Siebezurückbleiben. Abajje sagte: Sie benötigen des Kochens wie Rindfleisch. R. Joseph erklärte: Feinmehl aus alter Gerste, das am Siebe zurückbleibt. Abajje sagte: Es benötigt des Kochens wie Rindfleisch.

3R. Joḥanan sagte: Den Ruhrkranken besuche man nicht und man nenne nicht seinen Namen. – Weshalb? R. Elea͑zar erwiderte: Weil er einer sprudelnden Quellegleicht. Ferner sagte R. Elea͑zar: Er heißt deshalb Burdos, weil er einer sprudelnden Quelle gleicht.

4ER DARF IHM EINE SEELISCHE HEILUNG ANGEDEIHEN LASSEN, NICHT ABER EINE GELDLICHE HEILUNG. Wie ist dies zu verstehen: wollte man sagen, seelische Heilung heiße umsonst und geldliche Heilung heiße gegen Belohnung, so sollte er doch wie folgt lehren: er heile ihn umsonst, nicht aber gegen Belohnung!? – Vielmehr, seelische Heilung heißt: seinen Körper, geldliche Heilung heißt: sein Vieh. R. Zuṭra b. Ṭobija sagte im Namen Rabhs: Er darf ihm jedoch sagen, diese Mixtur sei ihm zuträglich, jene Mixtur sei ihm schädlich.

5ER DARF MIT IHM ZUSAMMEN IN EINER GROSSEN WANNE BADEN, NICHT ABER IN EINER KLEINEN; AUCH DARF ER MIT IHM ZUSAMMEN IN EINEM BETTE SCHLAFEN.

6R. JEHUDA SAGT, NUR IM SOMMER, NICHT ABER IN DER REGENZEIT, WEIL ER IHM EINE ANNEHMLICHKEIT BEREITET. FERNER DARF ER MIT IHM ZUSAMMEN AN EINEM LAGER LEHNEN UND MIT IHM ZUSAMMEN AN EINEM TISCHE ESSEN, JEDOCH NICHT AUS DERSELBEN SCHÜSSEL; WOHL ABER AUS EINER HERUMGEREICHTEN SCHÜSSEL.

7GEMARA. Es wird gelehrt: Er darf nicht mit ihm zusammen in einer Wanne baden noch mit ihm zusammen in einem Bette schlafen, ob groß oder klein – so R. Meír. R. Jehuda sagt, in einem großen in der Regenzeit und in einem kleinen im Sommer sei es erlaubt. Er darf mit ihm zusammen in einer großen Wanne nur baden und in einer kleinen nur schwitzen. Wohl aber darf er mit ihm zusammen an einem Lager lehnen und mit ihm zusammen am selben Tische essen. JEDOCH NICHT AUS DERSELBEN SCHÜSSEL, WOHL ABER AUS EINER HERUMGEREICHTEN SCHÜSSEL. R. Jose b. R. Ḥanina sagte: Aus der Schüssel, die zurück an den Hausherrn gereicht wird.

8ER DARF NICHT MIT IHM ZUSAMMEN AUS DEMSELBEN KÜBEL ESSEN, DER VOR DEN TAGELÖHNERN STEHT, AUCH NICHT MIT IHM ZUSAMMEN AN EINER FELDREIHE ARBEITEN – SO R. MEÍR; DIE WEISEN SAGEN, ER DÜRFE MIT IHM ZUSAMMEN ARBEITEN, JEDOCH ETWAS ENTFERNT.

9GEMARA. Sie stimmen überein, daß es nahe verboten ist, sie streiten nur, wenn entfernt. R. Meír ist der Ansicht, man berücksichtige bei der Ferne die Nähe, weil er ihm die Erde lockert, und die Rabbanan sind der Ansicht, man berücksichtige dies nicht.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.