Nedarim — Blatt 4b

1auch wenn er sich bei einem der drei [Opfer]das Haarschert. Man könnte glauben, hierbei gelte nicht das Verbot des Versäumens, so lehrt er uns.

2Wenn du aber willst, sage ich, das Novum bestehe darin, daß [das Opfer] von einem Gelübde nicht erfaßtwird. Wenn du aber vom Sündopfer wegen Talg[genusses]einwendest, so [ist zu erwidern:] das Sündopfer wegen Talg[genusses] wird als Sühnedargebracht, wozu aber wird das Sündopfer des Nazirs dargebracht!? –

3Das Sündopfer der Wöchnerin wird ja nicht zur Sühne dargebracht, dennoch besteht bei diesem das Verbot des Versäumens!? – Dieses berechtigt sie, Heiliges zu essen.

4Der Meister sagte: Und wie ferner beim Gelübde der Vater das Gelübde seiner Tochter und der Ehemann das Gelübde seiner Frau aufheben kann, ebenso kann beim Nazirat der Vater das Nazirat seiner Tochter und der Ehemann das Nazirat seiner Frau aufheben. Wozu ist die Vergleichung nötig, dies ist ja durch Ausdehnung des Gesetzes vom Gelübdezu folgern!? –

5Vielleicht kann er nur das Gelübde aufheben, wofür keine Dauer festgesetzt ist, nicht aber das Nazirat, wofür eine Dauer festgesetzt ist, denn es wird gelehrt, das unbefristete Nazirat währe dreißig Tage; daher lehrt er uns.

6SPRICHT JEMAND ZU SEINEM NÄCHSTEN: ICH SEI DIR ABGELOBT &C. Šemuél sagte: In all [diesen Fällen] nur dann, wenn er sagt: dasich deines esse, das ich deines koste.

7Man wandte ein: [Sagte er:] ich sei dir abgelobt, ich sei dir abgesondert, ich sei dir entfernt, so ist esihm verboten; [sagte er:] das ich deines esse, das ich deines koste, so ist es ihm verboten!? – Er meint es wie folgt: dies nur dann, wenn er [auch] sagt: das ich deines esse, das ich deines koste. –

8Es wird ja aber [auch] umgekehrtgelehrt: [sagte er:] das ich deines esse, das ich deines koste, so ist es ihm verboten; [sagte er:] ich sei dir abgelobt, ich sei dir abgesondert, ich sei dir entfernt, so ist es ihm verboten!? – Lies wie folgt: falls er vorher gesagt hat: ich sei dir abgelobt. –

9Demnach ist dies ja mit dem vorangehenden identisch!? Und wozu heißt eszweimal ‘verboten’!?

10Vielmehr, sagte Šemuél, nur dann ist es ihm verboten, jenem aber erlaubt, falls er gesagt hat: das ich deines esse, das ich deines koste,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.