Nedarim — Blatt 55a
1WER SICH KORN ABGELOBT, DEM SIND GETROCKNETE ÄGYPTISCHE BOHNEN VERBOTEN – SO R. MEÍR; DIE WEISEN SAGEN, NUR DIE FÜNF GETREIDEARTENSEIEN IHM VERBOTEN. R. MEÍR SAGTE: WER SICH GETREIDE ABGELOBT, DEM SIND NUR DIE FÜNF ARTEN VERBOTEN, WER SICH ABER KORN ABGELOBT, DEM IST ALLES VERBOTEN, UND NUR BAUMFRÜCHTE UND KRAUT ERLAUBT.
2GEMARA. Demnach wäre unter Korn alles zu verstehen, was gehäuft wird, dagegen wandte R. Joseph ein:Und als die Sache ruchbar wurde, mehrten die Kinder Jisraél die Erstlinge von Korn, Most, Öl und allem Feldgetreide in Fülle &c. Wieso mehrten sie, als die Sache ruchbar wurde, wenn du sagst, unter Korn sei alles zu verstehen was gehäuft wird!? Abajje erwiderte: Dies schließt Baumfrüchte und Kraut ein.
3R. MEÍR SAGTE: WER SICH GETREIDE ABGELOBT &C. R. Joḥanan sagte: Alle pflichten bei, daß, wenn jemand sich Getreide abgelobt, ihm nur die fünf Arten verboten sind. Ebenso wird gelehrt: Sie stimmen überein, daß, wenn jemand sich Getreide abgelobt, ihm nur die fünf Arten verboten sind. – Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, unter Getreide sei alles zu verstehen, so lehrt er uns, daß darunter nicht alles zu verstehen ist.
4R. Joseph wandte ein: Und als die Sache ruchbar wurde, mehrten die Kinder Jisraél &c.!? Raba erwiderte: Getreide ist etwas anderes und Feldgetreide ist etwas anderes.
5Der Sohn des Mar Šemuél verfügte [letztwillig], daß man von [seinem] Ertrage in Nehar Panja Raba dreizehntausend Zuz gebe. Da ließ Raba R. Joseph fragen: Was heißt Ertrag? R. Joseph sprach: Dies lehrt eine Barajtha: Sie stimmen überein, daß, wenn jemand sich Getreideabgelobt, ihm nur die fünf Arten verboten sind. Abajje sprach zu ihm: Es ist ja nicht gleich; unter Getreide sind wohl nur die fünf Arten zu verstehen, unter Ertrag hingegen ist alles zu verstehen.
6Als man dies Raba berichtete, sprach er: Es ist mir nicht fraglich, ob unter Ertrag alleszu verstehen ist, folgendes nur ist mir fraglich: wie verhält es sich mit dem Mietzins für Häuser und Schiffe: sagen wir, da diese abgenutzt werden, gelte er nicht als Ertrag, oder gilt er wohl als Ertrag, da die Abnutzung nicht merkbarist. Die Jünger erzählten es R. Joseph wieder, und R. Joseph ward ärgerlich und sprach: Wenn er uns nicht braucht, wozu fragt er uns!?
7Als Raba dies hörte, kam er zu ihm am Vorabend des Versöhnungstages und traf seinen Diener für ihn einen Becher Wein mischen. Da sprach er zu ihm: Gib ihn mir, ich will ihn ihm mischen. Da gab er ihn ihm, und er mischte ihm einen Becher Wein. Als jener ihn trank, sprach er: Diese Mischung gleicht der MischungRabas, Sohnes des R. Joseph b. Ḥama. Als man ihm erwiderte, er sei es,
8sprach er zu ihm: Du setzest dich nichtnieder, bis du mir die Erklärung des folgenden gesagt hast. Es heißt:Und von der Wüste nach Matana, von Matana nach Naḥliél und von Naḥliél nach Bamoth. –
9Wenn ein Mensch sich wie eine Wüste macht, die jedem preisgegebenist, so wird ihm die Tora zum Geschenke [matana] gegeben, denn es heißt: und von der Wüste nach Matana; sobald sie ihm zum Geschenke gegeben wird, ist er ein Erbe Gottes [naḥlo él], denn es heißt: und von Matana nach Naḥliél; und sobald er ein Erbe Gottes ist, steigt er zur Würde, denn es heißt: und von Naḥliél nach Bamoth [Höhen]. Wenn er sich aber überhebt, erniedrigt ihn der Heilige, gepriesen sei er, denn es heißt:und von Bamoth nach dem Tale. Und noch mehr, man senktihn sogar in die Erde, denn es heißt:und ragt hervor über die Fläche der Einöde. Wenn er aber umkehrt, so erhöht ihn der Heilige, gepriesen sei er,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.