Nedarim — Blatt 56a

1WER SICH DAS HAUS ABGELOBT, DEM IST DER SÖLLER ERLAUBT – SO R. MEÍR; DIE WEISEN SAGEN, DER SÖLLER SEI UNTER HAUS EINBEGRIFFEN. WER SICH DEN SÖLLER ABGELOBT, DEM IST DAS HAUS ERLAUBT.

2GEMARA. Wer lehrte, [das Wort]am Hause schließe den Anbauein, am Hause schließe den Söller ein? R. Ḥisda erwiderte: Es ist R. Meír, denn die Rabbanan sagen ja, der Söller sei unter Haus einbegriffen, wonach [das Wort] am Hause zur Einschließung unnötig wäre.

3Abajje erwiderte: Du kannst auch sagen, es seien die Rabbanan, dennoch ist der Schriftvers nötig. Da es heißt: am Hause im Lande eures Erbbesitzes, so könnte man glauben, nur was am Lande haftet heiße Haus, während der Söller nicht am Lande haftet. –

4Wessen Ansicht vertritt folgende Lehre des R. Ḥona b. Ḥija im Namen U͑las: [Sagte jemand zu einem:] ich verkaufe dir einen Raum in meinem Hause, so kann er ihn auf den Söller verweisen. Nur deshalb, weil er zu ihm sagte: ich verkaufe dir einen Raum in meinem Hause, wenn er aber nur ‘Haus’ sagt, kann er ihn nicht auf den Söller verweisen. Es wäre anzunehmen, daß dies nach R. Meír gilt? – Du kannst auch sagen, nach den Rabbanan, denn unter a͑lijaist das beste [meu͑la], das er besitzt, zu verstehen.

5WER SICH DAS BETT ABGELOBT, DEM IST DAS DARGEŠERLAUBT – SO R. MEÍR; DIE WEISEN SAGEN, DAS DARGEŠ SEI UNTER BETT EINBEGRIFFEN. WER SICH DAS DARGEŠ ABGELOBT, DEM IST DAS BETT ERLAUBT.

6GEMARA. Was ist Dargeš? U͑la erwiderte: Ein Glücksbett. Die Rabbanan sprachen zu U͑la: Wir haben gelernt: Wenn man ihmdas Trauermahl reicht, sitze das ganze Volk auf der Erde, er aber sitze auf einem Dargeš. Das ganze Jahr sitzt er nicht darauf, und an diesem Tage sollte er darauf sitzen!? Rabina wandte dagegen ein: Ebenso verhält es sich ja mit dem Fleische und dem Weine: das ganze Jahr ißt er es, wenn er will, und ißt nicht, wenn er [nicht] will, an diesem Tage aber verabreichen wir sie ihm!?

7Vielmehr ist aus folgender Lehre ein Einwand zu erheben: Das Dargeš legte ernicht um, sondern stellte es [senkrecht] hin. Wieso kannst du nun sagen, es sei ein Glücksbett, es wird ja gelehrt, wer das Bett umlegen muß, lege nicht nur sein eigenes Bett um, sondern alle Betten, die er im Hause hat. – Das ist kein Einwand;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.