Nedarim — Blatt 56b

1ebensoverhält es sich auch mit einem [zur Aufbewahrung] von Sachen bestimmten Bette, denn es wird gelehrt: ist es zur [Aufbewahrung von] Sachen bestimmt, so braucht man es nicht umzulegen.

2Wenn man aber einen Einwand erheben will, so ist aus folgender Lehre ein Einwand zu erheben: R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, am Dargeš löse mandie Gurte, und es fällt von selber zusammen. Wenn Dargeš ein Glücksbett ist, so hat es ja keine Gurte!? Als Rabin kam, sagte er: Ich fragte einen von den Jüngern, R. Taḥlipha aus dem Westensein Name, der oft auf dem Gerbermarkte verkehrte, und er sagte mir, Dargeš sei ein Lederbett.

3Es wurde gelehrt: Welches heißt Bett und welches heißt Dargeš? R. Jirmeja erwiderte: Beim Bette wird das Matratzengeflecht obenbefestigt, beim Dargeš geht es aus ihm selber aus. Man wandte ein: Wann werden Holzgeräte verunreinigungsfähig? Das Bett und die Wiege, sobald man sie mit Fischhaut geglättet hat. Wozu ist, wenn beim Bette das Matratzengeflecht oben befestigt wird, das Glätten mit der Fischhautnötig!? –

4Vielmehr, bei beiden geht es aus ihnen selbst aus, nur werden siebeim Bette durch Löcherund beim Dargeš durch Schlingengezogen.

5R. Ja͑qob b. Aḥa sagte im Namen Rabbis: Ein Bett, das auslaufende Trägerhat, stelle man [senkrecht], und dies genügt. R. Ja͑qob b. Idi sagte im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi: Die Halakha ist wie R. Šimo͑n b. Gamliél.

6WER SICH DIE STADT ABGELOBT, DARF DAS STADTGEBIETBETRETEN, JEDOCH NICHT DAS WEICHBILD;WER SICH ABER DAS HAUS ABGELOBT, DEM IST ES NUR VON DER TÜRFUGE EINWÄRTSVERBOTEN.

7GEMARA. Woher, daß das Weichbild der Stadt der Stadt selber gleicht? R. Joḥanan erwiderte: Die Schrift sagt:und als Jehošua͑ in Jeriḥo war &c.; was heißt ‘in Jeriḥo’: wollte man sagen, in Jeriḥo selber, so heißt es ja:und Jeriḥo war geschlossen und gesperrt, doch wohl in seinem Weichbilde. –

8Vielleicht auch im Stadtgebiete? – Hinsichtlich des Stadtgebietes heißt es ja:ihr sollt außerhalb der Stadt messen.

9WER SICH ABER DAS HAUS ABGELOBT, DEM IST ES NUR VON DER TÜRFUGE EINWÄRTS VERBOTEN. Nicht aber von der Türfuge auswärts. R. Mari wandte ein:So gehe der Priester aus dem Hause; man könnte glauben, er gehe nach Hause und lasseabschließen, so heißt es:zur Tür des Hauses. Wenn zur Tür des Hauses, so könnte man glauben, er stehe unter der Oberschwelle und schließe ab, so heißt es: aus dem Hause, wenn er ganz aus dem Hause ist.

10Wie mache er es? Er stehe vor der Oberschwelle und schließe ab. Woher, daß, wenn er nach Hause geht und abschließen läßt, oder unter der Oberschwelle steht und abschließt, sein Abschließen gültig ist? Es heißt:er schließe das Haus ab, in jeder Weise. – Anders verhält es sich beim [aussätzigen] Hause, denn es heißt: aus dem Hause, wenn er vollständig aus dem Hause ist.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.