Nedarim — Blatt 66b

1Es wird gelehrt: Sie hatte einen eingesetzten Zahn, und R. Jišma͑él ließ ihr auf seine Kosten einen goldenen Zahn anfertigen. Als R. Jišma͑él starb, begann ein Trauerredner über ihn also: Weinet, Töchter Jisraéls, um R. Jišma͑él, der euch kleidete &c.

2Einst sagte jemand zu seiner Frau: Qonam, daß du von mir nichts genießest, bis du dein Gericht R. Jehuda und R. Šimo͑n hast kosten lassen. R. Jehuda kostete, denn er sagte: Es ist [ein Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere zu folgern: wenn die Tora sogar vom in Heiligkeit geschriebenen [Gottes]namen gesagt hat, er sei des Zweifels wegen durch das Fluchwasserzu verwischen, um Frieden zu stiften zwischen Mann und Frau, um wieviel mehr ich.

3R. Šimo͑n aber kostete nicht, denn er sagte: Mögen alle Kinder der Witwesterben, Šimo͑n aber weicht nicht von seiner Stelle, und [zwar,] damit man sich nicht zu geloben gewöhne.

4Einst sagte jemand zu seiner Frau: Qonam, daß du nichts von mir genießest, bis du R. Šimo͑n b. Gamliél angespuckt hast. Da ging sie und spuckte auf sein Gewand. R. Aḥa aus Diphte sprach zu Rabina: Jener beabsichtigte ja eine Beleidigung!? Dieser erwiderte: R. Šimo͑n b. Gamliél auf das Gewand spucken ist eine große Beleidigung.

5Einst sagte jemand zu seiner Frau: Qonam, daß du von mir nichts genießest, bis du deinen schönsten FehlerR. Jišma͑él b. Jose gezeigt hast.

6Da sprach er zu ihnen: Vielleicht ist ihr Kopf schön? Man erwiderte ihm: Er ist rund. – Vielleicht ist ihr Haar schön? – Es gleicht Flachsbüscheln. – Vielleicht sind ihre Augen schön? – Sie sind matt. – Vielleicht sind ihre Ohren schön? – Sie sind gefaltet. – Vielleicht ist ihre Nase schön? – Sie ist plump. – Vielleicht sind ihre Lippen schön? – Sie sind dick. – Vielleicht ist ihr Hals schön? – Er ist kurz. – Vielleicht ist ihr Bauch schön? – Er ist gedunsen. – Vielleicht sind ihre Füße schön? – Sie sind platt, wie die einer Gans. – Vielleicht ist ihr Name schön? – Sie heißt Schmutze. Da sprach er zu ihnen: Das ist das Schöne an ihr, daß sie Schmutze heißt, denn sie ist mit Fehlern beschmutzt. Hierauf löste er ihm [das Gelübde] auf.

7Einst sagte ein Babylonier, der nach dem Jisraéllande hinaufzog und da eine Frau nahm, zu ihr, daß sie ihm ein paar Linsen koche. Da kochte sie ihm ein PaarLinsen. Da wurde er zornig und am folgenden Tage sagte er zu ihr, daß sie ihm ein Maßkoche. Da kochte sie ihm ein ganzes Maß. Einst sagte er zu ihr, daß sie ihm zwei Gurken hole, und als sie ihm zwei Lichterholte,

8sprach erzu ihr: Geh, schlage sie an den Kopf der Tür [baba]. An der Tür aber saß gerade Baba b. Buṭa und verhandelte in einer Rechtssache, und sie ging hin und schlug sie ihm an den Kopf. Da sprach er zu ihr: Was tust du da? Sie erwiderte: So gebot mir mein Mann. Hierauf sprach er: Du hast den Wunsch deines Mannes erfüllt; so möge Gott von dir zwei Söhne wie Baba b. Buṭa hervorgehen lassen.

9DIE GELÜBDE EINER VERLOBTEN KÖNNEN IHR VATER UND IHR MANN [NUR ZUSAMMEN] AUFHEBEN.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.