Nedarim — Blatt 85b
1so darf sie arbeiten und [den Ertrag]verzehren, wenn den Überschuß, so ist er, wie R. Tryphon sagt, heilig, und wie R. Joḥanan der Schuster sagt, profan. Hierzu sagte Šemuél, die Halakha sei wie R. Joḥanan der Schuster. Demnach kann man nicht heiligen, was noch nicht auf die Welt gekommen ist!?
2Wolltest du erwidern, seine Worte, die Halakha sei wie R. Joḥanan b. Nuri, beziehen sich nur auf den Überschuß,
3so sollte er doch sagen, die Halakha sei wie R. Joḥanan b. Nuri inbetreff des Überschusses, oder aber, die Halakha sei wie der erste Autor, oder auch, die Halakha sei nicht wie R. A͑qiba!?
4Vielmehr, erwiderte R. Joseph, anders verhält es sich beim Qonam: wie man die Früchte eines anderen für sich verboten machen kann, so kann man für sich auch das verboten machen, was noch nicht auf die Welt gekommen ist.
5Abajje sprach zu ihm: Allerdings kann man die Früchte eines anderen für sich verboten machen, wie man auch seine Früchte für andere verboten machen kann, wieso aber sollte man das, was noch nicht auf die Welt gekommen ist, für andere verboten machenkönnen, wo man die Früchte eines anderen für andere nicht verboten machen kann!?
6Vielmehr, erwiderte R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, wenn sie sagt: meine Hände sollen ihrem Schöpfer geheiligt sein, und die Hände sind auf der Welt vorhanden. –
7Wieso ist die Heiligung gültig, auch wenn sie so sagt, ihre Hände sind ja ihrem Manne verpflichtet!? – Wenn sie sagt: sobald sie geschieden wird. – Jetzt aber ist sie ja nicht geschieden, woher nun, daß es wirksam ist, wenn sie so spricht?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.