Nedarim — Blatt 8a
1Woher, daß man schwören darf, ein Gebot auszuüben? Es heißt:ich habe geschworen und halte es, deine gerechten Gebote zu beobachten. –
2[Diesbezüglich] war er ja bereits vom Berge Sinaj hermit einem Schwure belegt!? – Vielmehr, er lehrt uns folgendes: es ist jedem erlaubt, sich hierzu anzuspornen.
3R. Gidel sagte [ferner] im Namen Rabhs: Sagt jemand: ich will früh aufstehen und diesen Abschnitt lernen, diesen Traktat lernen, so hat er dem Gott Jisraéls ein großes Gelübde getan. – Er ist ja bereits mit einem Schwurebelegt, und ein Schwur erstreckt sich ja nicht auf einen Schwur!? Er lehrt uns somit, daß dies nur eine Anspornung ist, und dies ist ja mit der vorangehenden [Lehre] R. Gidels identisch!? –
4Folgendes lehrt er uns: weil er, wenn er wollte, durch das Lesen des Šema͑ morgens und abends sich davon befreienkönnte, durch den Schwur aber ist er gebunden.
5R. Gidel sagte [ferner] im Namen Rabhs: Sagt jemand zu seinem Nächsten; wir wollen früh aufstehen und diesen Abschnitt lernen, so muß eraufstehen, denn es heißt:und er sprach zu mir: auf, geh in das Tal hinaus, dort will ich mit dir reden. Da machte ich mich auf und ging in das Tal hinaus, und siehe, da stand die Herrlichkeit des Herrn.
6R. Joseph sagte: Hat man einen im Traume in den Bann getan, so braucht er zehn Personen, um ihn ihm aufzulösen, und zwar solche, die Halakha gelernt, nicht aber solche, die nur [Mišna] gelernthaben. Sind keine anwesend, die Halakha gelernt, dann auch solche, die [nur Mišna] und nicht Halakha gelernt haben.
7Sind keine anwesend, so setze er sich an einen Scheideweg und begrüßezehn Personen, bis er zehn findet, die Halakha gelernt haben.
8Rabina fragte R. Aši: Kann, wenn er weiß, wer ihn in den Bann getan hat, dieser ihn ihm auflösen? Dieser erwiderte: Man machte ihn zum Vertreter, über ihn den Bann zu verhängen, nicht aber machte man ihn zum Vertreter, ihn ihm aufzulösen.
9R. Aḥa fragte R. Aši: Wie ist es, wenn man einen im Traume in den Bann getan und ihn ihm aufgelöst hat? Dieser erwiderte: Wie kein Getreide ohne Spreu,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.